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Volksfest

09.07.2019

Aichacher Volksfest: Senioren ab 70 Jahren bekommen Gratis-Hendl

Die Kellner servieren auf dem Aichacher Seniorennachmittag ein Hendl nach dem anderen: Besucher über 70 Jahren bekommen eine Maß und ein halbes Hähnchen gratis von der Stadt Aichach.
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Die Kellner servieren auf dem Aichacher Seniorennachmittag ein Hendl nach dem anderen: Besucher über 70 Jahren bekommen eine Maß und ein halbes Hähnchen gratis von der Stadt Aichach.
Bild: Philipp Schulte

Plus Saftig, gut gewürzt, lecker: Beim Seniorennachmittag auf dem Volksfest lassen sich die Aichacher ab 70 Jahren ihr Gratis-Hendl besonders schmecken. Die Diskussion darüber ist noch präsent.

Erich Schmid ist zufrieden mit dem Volksfest an diesem Dienstag. Mit seiner Frau ist er zum Seniorennachmittag ins Zelt gekommen. Seine Maß Bier trinkt er, 86 Jahre alt, mit zwei Händen. Ein halbes Hendl hat er auch schon verputzt. Beides war umsonst,das Ehepaar hatte Gutscheine von der Stadt Aichach erhalten – wie alle anderen Gäste ab 70 Jahren.

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Schmid stören eher die Abende des Festes, wenn er schon längst wieder zu Hause ist. Er formt seine rechte Hand zu einer Faust, stößt sie in der Luft nach vorne, als wenn er an eine Tür klopfen würde. „Bam, bam, bam“, sagt er. Der Bass, den die Musik des Festes in der Schrobenhausener Straße abends in die Nachbarschaft absondere, dröhne in den Ohren. „Schreiben Sie das auf!“

Seniorennachmittag: Politiker wollte Gutschein-System abschaffen

Erich Schmid ist einer von 3150 Senioren, die von der Stadt wie jedes Jahr auf ein Bier und einen Gockel eingeladen wurden. Die Schmids haben dafür am Eingang einen grünen und einen gelben Gutschein erhalten. Doch dass sie diese bekommen haben, hat sich heuer zu einem Politikum entwickelt: Stadtrat Patrick Kügle von der FDP hatte beantragt, das Gutschein-System einzustellen.

Aichacher Volksfest: Senioren ab 70 Jahren bekommen Gratis-Hendl

Ein Volksfestbesuch sei besonders für Heimbewohner nur unter hohem Aufwand möglich. Die Stadt solle stattdessen die Kosten für Hendl und Riesn-Brezn bei heimeigenen Festen übernehmen, forderte Kügle. Der Finanzausschuss der Stadt lehnte den Antrag im Juni mit 10:2 Stimmen ab. Bürgermeister Klaus Habermann argumentierte, dass bei dem neuen Prozedere auch Nicht-Heimbewohner ein Hendl nach Hause fordern könnten.

Erich Schmid hat die Diskussion in den Medien verfolgt. „Ich finde es in Ordnung, dass der Antrag zurückgewiesen wurde“, sagt er. Die FDP habe Hendl in den Heimen gefordert, aber nicht gesagt, wer das bezahlen soll. „A bissl PR muss auch sein“, scherzt er. Der Vorstoß könne Kügle, der bei der kommenden Bürgermeisterwahl antreten will, allerdings Stimmen bringen.

Der Grill im Zelt lief im Dauerbetrieb auf Hochtouren.

Anders sieht Rudi Rupprecht die Sache. „Schade“, sagt er. „Wenn die Leute nicht kommen können, sollten sie auch so ein Hendl bekommen.“ Eingeladen wurden immerhin alle per Brief. Der 76-Jährige ist oft im Haus der Senioren zu Gast. Überall werde gespart werde, bedauert er. Das Ganze sei eine Kostenfrage. Immerhin: Das Hendl, das er eben gegessen habe, sei gut gewürzt gewesen. „Damit man nachher auch gut trinken kann.“

Volksfest: Bürgermeister Habermann feiert seinen 66. Geburtstag

Als gut und saftig bezeichnet auch ein 77-Jähriger das Hendl. Er vermutet, Stadtrat Kügle habe seine Forderung lanciert, um Stimmen und die Leute auf seine Seite zu ziehen. Sein Bekannter, mit dem er auf der Bank sitzt, sagt: „Wir haben das Hendl ganz aufgegessen – ohne Knochen.“

Die beiden sind seit 12.30 Uhr, also schon eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn, da. Nun bestellen sie noch „a Radler“. Sie haben vor, noch länger zu bleiben und einen fröhlichen Nachmittag zu verbringen. Der 77-Jährige wohnt an der Hellstraße, unweit des Festplatzes. Der Lärm des Festes störe nicht. „Wir sind froh, wenn etwas los ist“, sagt er und lacht.

Das Festzelt hat sich mittlerweile gefüllt. Auf der Bühne spielt die Blaskapelle Sielenbach ein Ständchen für Bürgermeister Klaus Habermann. Es ist sein 66. Geburtstag. Auch eine Kindergarten-Gruppe singt: „Hoch soll er leben“. Sein Geschenk: ein Lebkuchen-Herz.

Bürgermeister Klaus Habermann, der am Dienstag Geburtstag feierte, durfte als Dirigent auf der Bühne stehen.

Habermann sagt, für ihn sei heute ein ganz normaler Arbeitstag. „Ich bin nicht so das Feierbiest.“ Am Abend stehe noch der Bauausschuss an. Ein Hendl hat er schon gegessen. Und die Diskussion darum? „Das war ein Thema, das die Politik interessiert hat“, sagt er. Hendl sehe er nicht als Mahlzeit an, die in Heimen aufgetischt werde. In einem Festzelt sei das schon eher angebracht. Und an einem Geburtstag sowieso.

Hier geht's zu unserer Bildergalerie vom Seniorennachmittag:

Der traditionelle Seniorennachmittag auf dem Volksfest in Aichach war auch in diesem Jahr wieder gut besucht. Die Sielenbacher Blaskapelle sorgte bei sommerlichen Temperaturen für zünftige Musik im Bierzelt.
18 Bilder
Seniorennachmittag auf Aichacher Volksfest in Bildern
Bild: Christoph Lotter
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