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Geschichte

21.11.2018

Aichachs Retter strahlt in neuem Licht

Die Einquartierungszettelbahn von Lorenz Aloys Gerhauser im Stadtmuseum Aichach.
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Die Einquartierungszettelbahn von Lorenz Aloys Gerhauser im Stadtmuseum Aichach.
Bild: Philipp Rein

Auf 44 Seiten zeichnet ein Autorenteam um Stadtmuseumsleiter Christoph Lang das Leben von Lorenz Aloys Gerhauser nach. Welche neue Sichtweise das eröffnet.

Er ist eine der herausragenden Persönlichkeiten der Aichacher Stadtgeschichte. Lorenz Aloys Gerhauser war Inhaber der größten Brauereigaststätte und hatte als Bürgermeister und in zahlreichen anderen öffentlichen Ämtern großen Einfluss auf das Leben in der Paarstadt. Seine umfangreichen Dokumentationen von den Ereignissen seiner Zeit ermöglichen Historikern einen detaillierten Blick.

Seine Einquartierungszettelbahn aus der Zeit der Napoleonischen Kriege ist ein preisgekrönter „Heimatschatz“ des Aichacher Stadtmuseums. Nun hat das Museum, unterstützt von einem sechsköpfigen Autorenteam, eine Broschüre über Gerhauser herausgebracht, die sein Leben nachzeichnet. Und dabei auch neue Aspekte aufgreift.

Gerhausers Einsatz während der Napoleonischen Kriege bewahrte Aichach vor der Plünderung. Die mehr als 1700 Einquartierungszettel sind nicht nur ein besonderes historisches Exponat im Aichacher Stadtmuseum. „Sie sind weltweit einmalig“, sagt Christoph Lang, Leiter des Stadtmuseums. Denn dank Gerhausers akribischer Dokumentation gilt Aichach in der bayerischen Landesgeschichte als das Beispiel schlechthin für das Leiden der Bevölkerung in dieser Zeit.

Gerhauser, der heuer seinen 250. Geburtstag feiern würde, war eine prägende Persönlichkeit der Aichacher Stadtgeschichte. Er war unter anderem Stadtrat und später Bürgermeister von Aichach, Spitalverwalter und Landwehrkommandant. Eine einflussreiche Persönlichkeit also. Der Leiter des Stadtmuseums sagt über Gerhauser: „Eine spannende Persönlichkeit.“ Eine mit vielen Facetten, die in der Broschüre dargestellt werden. Da ist zum einen der Mensch, der schon fast manisch alles aufzeichnet, was ihm begegnet. Der treu und loyal zur Monarchie steht und als 18-Jähriger mit einem von ihm organisierten Volksfest auf dem Burgplatz in Oberwittelsbach der Dynastie der Wittelsbacher huldigt. Lang sagt: „Er war es, der diesen Burgplatz zu einem Ort der öffentlichen Erinnerung gemacht hat.“

Der tragische Held

Die Auswertung von Gerhausers Tagebüchern und biografischen Schriften eröffnete Lang und seinem Team auch eine andere Sichtweise auf den Aichacher. Da ist der tragische Held, der versucht, sich gegen die schwierigen Verhältnisse zu stemmen und am Ende seines Lebens mittellos dasteht.

Der Intellektuelle, der sich gerne mit geistigen Themen beschäftigt hätte. Und vielleicht auch jemand, der psychisch gelitten hat. Lang beschreibt Gerhauser, wie er ihn während der Arbeit für die Broschüre kennengelernt hat, so: „Nach Außen große Aktionen, nach Innen unglücklich.“

Wichtig war Lang und dem Autorenteam, Geschichte interessierten Laien verständlich zu vermitteln. Deshalb ist die Broschüre auch ähnlich gestaltet wie der Vorgänger „900 Jahre Wittelsbacher Land und Aichach“. Deren 1000 Exemplare sind bereits vergriffen und werden demnächst wieder aufgelegt.

Die 44-seitige Broschüre über Gerhauser geht in verschiedenen Kapiteln unter anderem auf seine Schulbildung, sein Leben und Gründe für seinen wirtschaftlichen Niedergang ein.

Sie beschreibt aber auch Aichach zur Zeit Gerhausers und erzählt über das damalige Brauereiwesen. Alte Fotos, Ansichten und Urkunden runden die Texte ab. „Es steckt gigantisch viel Arbeit drin“, würdigt Bürgermeister Klaus Habermann das ehrenamtliche Engagement der Autoren. Und es lese sich spannend, findet er.

Rund eineinhalb Jahre dauerte die Arbeit an der Broschüre. Eine Fortsetzung kann sich der Leiter des Aichacher Stadtmuseums gut vorstellen. Man könne auch andere Themen der Stadtgeschichte aufgreifen und in Form einer Broschüre abhandeln, überlegt er laut und weiß die Autoren hinter sich.

Bezug Die Broschüre über Lorenz Aloys Gerhauser ist ab sofort im Aichacher Stadtmuseum und dem örtlichen Buchhandel erhältlich. Sie ist in einer Auflage von 500 Stück im Verlag Werner Holzheu erschienen und kostet vier Euro.

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