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Reise

05.10.2018

Aindlinger segelt über den stürmischen Atlantik

Joseph Lechner aus Aindling nahm an einem Segeltörn auf der Alexander vom Humboldt II teil. Hier liegt die Bark im Hafen von Santa Cruz de Tenerife. Dort lief das Schiff nach einer abenteuerlichen Reise auf dem Atlantik ein.
Bild: Joseph Lechner

Joseph Lechner fährt auf einer Bark über den Atlantischen Ozean. Segelerfahrung hat er keine. Wie der 25-Jährige das Abenteuer auf dem Schiff erlebt.

Ein Schiff verlässt den Hafen von Santa Cruz de Tenerife mit kaum merklichem Schaukeln. Sobald es aber über den offenen Atlantik fährt, entwickelt sich über den Azoren ein Sturm. Drei bis vier Meter hohe Wellen bei Windstärke sieben, bei Nacht sogar zehn bis elf, setzen der Besatzung zu. Ein Tag später ist der Himmel wieder wolkenlos. Joseph Lechner, ein Teilnehmer dieses Segeltörns, beschreibt so den ersten Tag auf See an Bord der Alexander von Humboldt II in seinem Reisebericht.

Die viertägige Seereise des Lehramtsstudenten aus Aindling erstreckte sich von Teneriffa über die portugiesische Inselgruppe Ihlas Selvagens. Sie liegt nordöstlich von Teneriffa und gehört zu Madeira. Die sogenannte Alex II zählt mit einer Länge von rund 64 Metern und einer Breite von zehn zu den größeren Barken, auf denen eine deutsche Segelstiftung Segeltörns anbietet. Der 25-Jährige erklärt: „Eine Bark wie die Alex II hat drei Masten, wobei die vorderen beiden mit Rahsegeln bestückt sind, während man die Segel am letzten Masten Schratsegel nennt.“ Insgesamt arbeiten dort 79 Besatzungsmitglieder. 54 Trainees wie Lechner und 25 gehören der Stammbesatzung an. Als die Alex II noch im Hafen war, bekamen die Trainees erste Erklärungen zum Tauwerk und Sicherheitseinweisungen. Für weitere Hinweise am nächsten Tag blieb die Bark im Hafen. Lechner erzählt: „Einige sagen, man könne sich durch das geringe Schaukeln in der Nacht leichter auf den Seegang einstellen.“ Das kann er aber nicht bestätigen. Schließlich war der erste Tag auf See sehr stürmisch. Im Hafen wurden auch Wachen und Backschaften eingeteilt.

Zusammenhalt ist wichtig

„Backschaft bedeutet, man ist für das Auf- und Abtragen aller Tagesmahlzeiten, das Abspülen und das Aufräumen hinterher zuständig“, erklärt er. Für die Wache war der Aindlinger zwischen 4 und 8 Uhr sowie 16 und 20 Uhr eingeteilt. „Ein Vorteil dieser Wachschicht ist: Man erlebt Sonnenaufgang und Sonnenuntergang“, erzählt er. Drei verschiedene Positionen gibt es dabei. Der Rudergänger steht am Steuer und hält den Kurs. Der Ausguck hält sich am Bug auf und achtet darauf, dass nichts im Weg ist. Eine dritte Gruppe gehorcht den Befehlen des Toppsmatrosen, er weist an, an welchen Tauen gezogen werden muss, um das Segel optimal nach dem Wind auszurichten.

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Auf den Törn wurde der 25-Jährige durch Bekannte aufmerksam. „Es war eine Etappe auf einer Alleinreise. Zuerst war ich alleine auf Teneriffa. Ich wollte viele Leute auf dem Schiff kennenlernen“, fügt er hinzu. Daher habe er sich für das große Schiff und nicht für ein vergleichbar kleines entschieden. Für Teilnehmer unter 26 Jahren gibt es spezielle Förderungen. So werden Teile der Kosten für den Törn übernommen. Vorherige Segelerfahrung oder gar einen Segelschein hat der 25-Jährige allerdings nicht. „Bei großen Schiffen ist es wichtig, dass alle zusammenhalten“, so Lechner.

Besatzung torkelt durch die Gassen

Der Zusammenhalt der Crew war gefordert, als es galt, eine Wende zu fahren, um einem weiteren Unwetter zu entkommen. Lechner erzählt: „Wir halfen bei strömendem Regen auf dem rutschigen Deck zusammen, eilten auf Ansage unserer Matrosen von Ort zu Ort und zogen gemeinsam an den Tampen.“ Tampen sind das Endstück eines Taus. Parallel dazu habe die Stammbesatzung die Segel eingepackt.

Zu Beginn der Schiffsreise ging der Sturm auf offenem Meer an kaum einem Besatzungsmitglied spurlos vorbei. Viele seien am nächsten Morgen erst gar nicht zum Frühstück erschienen. „Auch im Laufe des Tages bekam man viele, die man tags zuvor noch gesehen hatte, nicht zu Gesicht und die Besatzung war spürbar ausgedünnt“, erinnert sich Lechner. Er selbst wurde nie seekrank. Nachdem aber viele an Deck Probleme mit dem Seegang hatten, habe die Mannschaft nach vier Tagen auf See – einen Tag früher als geplant – den Hafen von Santa Cruz de Teneriffa angesteuert. Als die Mannschaft im Hafen anlegte, habe vielen aber der Seegang gefehlt, wie Lechner sich erinnert: „Nahezu jeder wurde landkrank und torkelte leicht durch die Gassen, da urplötzlich das Schaukeln unter den Füßen fehlte, der Kopf sich aber gefühlt weiter drehte.“ An Land machten Trainees und Stammbesatzung das Schiff für den nächsten Törn klar. Zur Belohnung endete der Tag mit einem Captain’s Dinner an Deck.

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