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Historie

28.04.2018

„All Heil“ für alle Radfahrer

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2 Bilder
Ein Original-Hochrad aus der Zeit um 1900 ist im Aichacher Heimatmuseum ausgestellt.

Vortrag beim Geschichtsstammtisch: Aichachs erstes Radgeschäft eröffnete im Jahr 1893 an der Essiggasse

Horst Lechner sprach vom „ökologischsten aller Verkehrsmittel“. Dem Fahrrad widmete er einen Vortrag beim Geschichtsstammtisch des Heimatvereins Aichach. Unter dem Titel „Zur Kulturgeschichte des Rades – 200 Jahre auf zwei Rädern“ ging er auf die Entwicklung des Rades im Raum Aichach ein.

2017 feierte das Rad seinen 200. Geburtstag. Forstmeister Karl Drais hatte 1817 eine etwa 22 kg schwere Laufmaschine erfunden, ein hölzernes Zweirad mit Lenkstange, bei der sich der Fahrer mit den Füßen vom Erdboden abstieß. Das Gefährt nannte Drais „Velociped“. Lechner skizzierte die Entwicklung des Gefährts bis zum Massenverkehrsmittel. Im zweiten Teil seines Vortrags ging er auf die Entwicklung des Rades in Aichach und Umgebung ein. Dazu erinnerte er an die bereits im Jahr 2002 im „Aichacher Heimatblatt“ erschienen Beiträge von Vereinsmitglied Ralph Andersson. Bereits 1893 eröffnete der Uhrmacher Franz Braig in der Essiggasse 5 das erste Fahrradgeschäft in Aichach. Er verkaufte Adler-Räder. Die Fahrräder mussten damals amtliche Nummernschilder tragen, die Fahrer einen von der Ortspolizei ausgestellten Ausweis, „Fahrradkarte“ genannt, besitzen und ihre Fahrsicherheit nachweisen.

Bereits 1895 organisierten sich die ersten Fahrradfahrer im „Radfahrer Verein Aichach“, dessen Standarte im Heimatmuseum zu sehen ist. Vereinslokal war die Gaststätte Beim Froschermair. Schon drei Jahre später wurde in Aichach erstmals ein Straßenrennen für Herren und Damen ausgetragen, bei dem auch Fahrer aus Augsburg und München am Start waren. Bald führten die Aichacher Fahrten in die Umgebung bis Augsburg durch.

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Lechner erinnerte an das tragische Ende des Fotografen Ignaz Martin, einem gebürtigen Aichacher, nach einer Radfahrt nach München. In Nymphenburg erlag er einem Schlaganfall. Nach ihm ist die Martinstraße in Aichach benannt. Am 26. April 1907 wurde mit „Frischauf“ ein weiterer Radfahrerverein in Aichach gegründet, der sozialdemokratisch ausgerichtet war. Er ging aber schon drei Monate später im Verein „Flottweg“ auf, der dem Radfahrerbund „Solidarität“, einer sozialdemokratisch zugeneigten Organisation, angehörte, die den Gruß „Frisch auf“ führte und 1933 nach der Machtergreifung Hitlers aufgelöst wurde. Demgegenüber gab es die Organisation „Concordia“, 1909 gegründet, die konservativ ausgerichtet war. Vereine, die dieser politischen Richtung angehörten, gab es zahlreiche im Altlandkreis Aichach.

Neben „Concordia Aichach“ gab es sie in Aindling, Ecknach, Griesbeckerzell oder Inchenhofen und auch in Altomünster, deren Radlergruß „All Heil“ lautete. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die Tradition des Radsportes in Aichach fort, berichtete Lechner. Er wies auf Hubert Stöffel und sein Radteam Aichach 2000 hin sowie auf den RSC Aichach, 1977 gegründet, der derzeit 143 Mitglieder habe. Mit dem konservativen Radfahrergruß „All Heil“ beendete Lechner seinen Vortrag. (AN)

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