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Pöttmes-Echsheim

13.07.2010

Alles was wächst, und alles ist "Bio"

Gelbe Rüben wachsen in den Reihen, auf die Cilly Koller (dritte von rechts) zeigt. Ganz links steht Bürgermeister Franz Schindele und neben ihm Josef Koller. Fotos: Martin Golling
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Gelbe Rüben wachsen in den Reihen, auf die Cilly Koller (dritte von rechts) zeigt. Ganz links steht Bürgermeister Franz Schindele und neben ihm Josef Koller. Fotos: Martin Golling

Die Kollers aus Echsheim haben einen Bioland-Hof. Das fehlende Interesse junger Menschen beunruhigt das Ehepaar. Von Martin Golling

"Wos songan do d' Leit?" Das war die große Sorge, die erste Frage der Eltern von Josef Koller, als der Echsheimer ihnen 1983 mitteilte, dass er den 1980 übernommenen Hof auf Biobetrieb umstellen wolle. Josef Koller plauderte vor einem Dutzend Menschen über seinen Bioland-Hof. Die Ortsgruppe Pöttmes des Bund Naturschutz (BN) hatte eingeladen zu einer Führung, und Ortsgruppenvorsitzender Ernst Haile zeigte sich angenehm überrascht, dass sich so viele für dieses Thema interessierten.

Gemüse- und Getreideanbau, 22 Schweine, die Eier der rund 200 Hühner und die Selbstvermarktung der eigenen Produkte bilden heute die Haupteinkünfte des Echsheimer Biolandbetriebs. "Als der Ab-Hof-Verkauf immer mehr Zulauf hatte, da hat mein Vater immer weniger geschimpft", gewährt Koller Einblicke in eine schwierige Phase. Doch seine Beweggründe für die Umstellung damals haben heute noch Gültigkeit: "Die Kosten für Saatgut, für Mineraldünger, für Spritzmittel und Geräte wurden immer höher. Ich hätte meine Landwirtschaft aufgeben müssen", sieht Koller auch in diesen Tagen keine Alternative zum damaligen Entschluss. Im Moment bearbeiten er, seine Frau Cilly und ein Praktikant 19,5 Hektar Fläche. Davon seien 6,5 Hektar gepachtet und 4,5 Hektar seien Grünland, so Josef Koller. Auf 1,5 Hektar steht Gemüse - "alles was wächst", grinst der Biobauer zufrieden und führt zu den Reihen mit Gelben Rüben, Kraut, Kohl, Bohnen, Salat, Mangold, Pastinaken, Kartoffeln und vieles mehr.

Für das Gros dieser Pflanzen sorgt der Biolandbetrieb selbst für den Samen, was er zukaufen muss, kommt meist aus Bingenheim. "Der Saatgutbereich wird total unterschätzt", flicht Cilly Koller ein und belegt ihre These, dass in diesem Bereich immer mehr auf Monopole gesetzt werde, mit der Aussage eines früheren Praktikanten aus Rumänien. Dort würden die Bauern den Samen für Genmais geschenkt bekommen. "Einmal weg von ihrem Maissamen, den sie jährlich problemlos wieder aussäen konnten, müssen sie künftig teures Hybridsaatgut (nicht nachbaufähig) kaufen", erklärt Cilly Koller die Strategie der Monopolisten.

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Auf dem Acker neben der Gemüseplantage, die malerisch rote, gelbe, braune (unbebaut) und grüne Bänder in die Landschaft um Echsheim zeichnet, stehen herrliche Kartoffeln. "Was machst du gegen den Kartoffelkäfer", kommt die Frage aus der Runde. "Ich bin der einzige Bauer weit und breit, der Kartoffeln anbaut. Wir verspüren keinen Schädlingsdruck", gesteht Koller und winkt ab: "Lass doch den Käfer."

Andere Dinge beunruhigen das Landwirtsehepaar eher: "Wir kriegen kaum neue Kunden. Junge Leute können mit Produkten direkt vom Acker immer weniger anfangen." Als typisches Beispiel nennt Cilly Koller die Gewürze Dill oder Petersilie. Diese heimischen Produkte würden fast nur noch von ausländischen Kunden erworben. "Man kann auch über die Bildungspolitik dafür sorgen, dass bestimmte Produkte gekauft, beziehungsweise nicht gekauft werden", kritisiert Cilly Koller das, was in den Schulen gelehrt wird.

Der Pöttmeser Bürgermeister Franz Schindele fragt die Kollers nach ihrem Resümee nach 28 Jahren als Biolandbetrieb. "Für uns hat es keinen anderen Weg gegeben", spricht Josef Koller auch für seine Frau. Und noch etwas gibt er zu bedenken: "Als ich anfing, hatten wir noch 25 Landwirte in Echsheim, heute sind es nur noch sieben. Zwei werden es wohl langfristig sein", wagt Koller sogar einen Ausblick. Und für sich und seinen Betrieb? Die Antwort spricht Hubert Birkmeir, Biobauer aus Schorn: "Ich denke schon, dass wir uns durchwursteln können." Von Martin Golling

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