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Aichach-Friedberg

10.06.2017

Anlaufstellen im Notfall: Bereitschaftspraxen für Kliniken an der Paar

In den Notaufnahmen der Kliniken an der Paar (im Bild das Krankenhaus Friedberg) landen zu viele Patienten, die keine Notfälle sind. Deshalb sollen an den Krankenhäusern in Aichach und Friedberg in naher Zukunft Bereitschaftspraxen eingerichtet werden.
Bild: Archivfoto: Elisa Glöckner

Weil in den Notaufnahmen zu viele Menschen landen, die keine Notfälle sind, gibt es künftig Bereitschaftspraxen an den Kliniken an der Paar. Was das bedeutet.

Was tun, wenn abends oder nachts der Bauch weh tut? Wenn nicht sicher ist, ob es reicht, erst morgens einen Arzt aufzusuchen? Immer mehr Patienten gehen in solchen Fällen in die Notaufnahmen der Krankenhäuser. Diese soll sich eigentlich nur um wirkliche Notfälle kümmern. Wer außerhalb von Sprechstundenzeiten gesundheitliche Probleme hat, aber nicht akut einen Arzt braucht, ist ein Fall für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst. Doch dessen Telefonnummer 116 117 kennen viele Menschen nicht (siehe Infokasten).

Deshalb gibt es künftig neue zentrale Anlaufstellen. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) richtet an den Krankenhäusern in Aichach und Friedberg Bereitschaftspraxen ein. Ende 2017 oder Anfang 2018 soll laut Hannes Bachetzky, Fachreferent Notdienste für Südbayern bei der KVB in Augsburg, die Praxis in Friedberg ihren Betrieb aufnehmen. Ende 2018 oder Anfang 2019 soll Aichach folgen.

Die Praxis in Friedberg soll sieben Tage pro Woche geöffnet sein, werktags von Nachmittag bis 22 Uhr. In Aichach seien die Öffnungszeiten „eventuell etwas eingeschränkt“, so Bachetzky. Für beide Praxen in Aichach und Friedberg gilt, dass sie an Wochenenden und Feiertagen ganztags offen sind. Danach übernimmt das Krankenhaus.

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Arzt in Bereitschaftspraxis entscheidet über weitere Behandlung

Der Arzt in der Bereitschaftspraxis entscheidet, ob Patienten dort gleich behandelt, am nächsten Tag bei einem niedergelassenen Mediziner versorgt werden können oder in die benachbarte Notaufnahme müssen. Beide Einrichtungen sind strikt getrennt: Die Bereitschaftspraxen unterstehen der KVB, die Notaufnahmen den Kliniken an der Paar, also dem Landkreis.

Klinik-Geschäftsführer Dr. Krzysztof Kazmierczak bezeichnet sich als „Fan“ der neuen Struktur. Die Versorgung werde sicherer und besser, ist er überzeugt. Ressourcen würden konzentriert. Die zentralen Bereitschaftspraxen ersparen Patienten die Suche, welcher Arzt gerade Dienst hat. Dieser findet künftig in den Bereitschaftspraxen statt. Die Wege werden etwas weiter.

Auch für niedergelassene Mediziner auf dem Land hat die neue Struktur Vor- und Nachteile: Sie haben weniger Dienste als bisher, diese werden aber arbeitsintensiver. Aus den Bereitschaftsdienstgruppen Aichach/Pöttmes, Gersthofen/Aindling/Langweid, Friedberg/Mering und Teilen des Stadtgebiets Augsburg wird ab Ende Oktober 2018 die Bereitschaftsdienstregion Augsburg-Ost gebildet.

Ärzte sollen weniger Bereitschaftsdienste schieben müssen

Während Ärzte beispielsweise im Raum Aichach/Pöttmes laut Bachetzky im vergangenen Jahr rund 235 Stunden Bereitschaftsdienst hatten, sollen es in Zukunft nur noch bis zu 70 Stunden sein. Die KVB hofft, die Dienste wieder leichter besetzen zu können. In der Vergangenheit wurde das vor allem auf dem Land immer schwieriger.

Indem nun größere Einheiten gebildet werden, profitiert das Umland von der größeren Personalstärke der Mediziner in Augsburg. Bachetzky: „Die kleinen Bereitschaftsdienstgruppen mit hohen Dienstfrequenzen haben sich aus unserer Sicht (für Ärzte, Anm. d. Red.) als Hindernis erwiesen, auf dem Land zu arbeiten.“ Die Neuerungen sind also auch eine Reaktion auf den Mangel an Landärzten.

Ärzte, die Bereitschaftsdienst haben, bekommen es dafür anteilig mit mehr Patienten zu tun und müssen ein größeres Gebiet abdecken. Ein Pöttmeser Arzt kann nachts nach Augsburg müssen oder umgekehrt.

Wer es selbst nicht zum Arzt schafft, aber dennoch kein Notfall ist, wendet sich an den Bereitschaftsdienst. Dieser kann Patienten zur Bereitschaftspraxis bringen lassen oder einen Arzt zum Hausbesuch vorbeischicken – mit von der KVB gestelltem Auto und Fahrer.

Notaufnahmen sollen mehr Zeit für wirkliche Notfälle haben

Ein großer Unterschied zu bisher: Wer in der Notaufnahme behandelt wurde, wurde von Kopf bis Fuß durchgecheckt. Kazmierczak erklärt es so: „Wir bringen mit unserem großen Apparat eine Leistung für die ambulante Versorgung. Das ist nicht unsere Kernkompetenz.“ In der Bereitschaftspraxis werde eine vereinfachtere Diagnostik stattfinden und der Patient eventuell nochmal einbestellt oder an einen anderen Arzt verwiesen. Kazmierczak ist überzeugt: „Die Besuche bei niedergelassenen Ärzten werden zunehmen.“

Die Wartezeiten in den Notaufnahmen würden kürzer – vor allem in Friedberg. Derzeit sind die Notaufnahmen der Kliniken an der Paar völlig überlastet. Unter anderem, weil ein Drittel der Patienten, die dort auftauchen, Kazmierczak zufolge nicht dort hingehören. Die Bereitschaftspraxen seien deshalb „eine super Lösung“.

Auch Landrat Klaus Metzger verspricht sich davon eine Entlastung der Notaufnahmen: „Das dient zum einem dem Wohle der Patienten und vermeidet zum anderen Situationen, in denen die Notaufnahmen (...) nicht mehr angemessen handlungsfähig sind oder gar abgemeldet werden müssen.“

In Aichach hängt Inbetriebnahme von Bauarbeiten ab

Wann es in Aichach los geht, hängt davon ab, wann der Krankenhaus-Neubau steht und wann im Altbau Räume frei werden. Nach einer ersten Umbauphase soll dort im Bereich der Pforte die Bereitschaftspraxis einziehen; die Arztpraxen im Erweiterungsbau ziehen krankenhausintern um und das BRK siedelt sich im Erweiterungsbau an. Die internistische Arztpraxis könnte sich dann, so Kazmierczak, im Tagdienst um Patientenkümmern, die schnell einen Arzt brauchen, danach wäre die Bereitschaftspraxis dran, später das Krankenhaus. „Das ist eine Lösung aus einem Guss.“ Auch Landrat Metzger spricht von einem „Rundum-Paket“.

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