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Prozess

24.06.2016

Asylbewerber randaliert aus Frust

Ein Asylbewerber musste sich vor dem Aichacher Amtsgericht verantworten. 
Bild: Archivfoto/Katja Röderer

Ein Mann zertrümmert Fenster in der Aichacher Asyl-Unterkunft. Vor Gericht droht er weiterzumachen

von Gerlinde Drexler

Aus Frust, weil er wegen fehlender Dokumente nicht heiraten und Vater werden kann, hat ein 42-jähriger Asylbewerber zwei Fenster seiner Unterkunft in Aichach mit einem Stuhl eingeschlagen. Das war nicht das erste Mal, dass er seinen Frust an Einrichtungsgegenständen ausließ. Der Strafbefehl über 900 Euro (90 Tagessätze zu je zehn Euro) wegen Sachbeschädigung war schon der zweite, den er in nur einem Jahr bekam. Weil er Einspruch gegen den Strafbefehl einlegte, kam es gestern zur Verhandlung vor dem Amtsgericht Aichach. Dort zeigte der Mann keinerlei Einsicht. Ganz im Gegenteil.

Sein Wunsch nach einer eigenen Familie und Nachkommen ist groß. Mit einer Unterleibsoperation hoffte er, Vater werden zu können. Dafür wagte er die Flucht nach Europa. In Italien sei man ihm bei der Behandlung nicht behilflich gewesen, sagte der Mann aus. Nach zwei Jahren im italienischen Flüchtlingslager ging es weiter nach Deutschland. Hier wurde er schließlich operiert.

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Wegen fehlender Papiere kann der 42-Jährige jedoch nicht heiraten. Er beklagte: „Ich habe keine Frau und kein Baby und es gibt nichts, was in der Zukunft auf etwas Gutes hoffen lässt.“ Eine Situation, die ihn offenbar zutiefst frustriert. Ende 2014 hatte er in seiner Asylunterkunft diverse Einrichtungsgegenstände – darunter Kühlschrank, Fernseher und Receiver – gegen die Wand und auf den Fußboden geworfen. Der damalige Schaden betrug 1500 Euro.

Bei dem neuerlichen Fall im Dezember vergangenen Jahres donnerte er einen Stuhl gegen zwei Fenster in seiner Asylbewerberunterkunft, bis sie zu Bruch gingen. Schaden: 500 Euro. Für seinen Zimmergenossen, einen 35-jährigen Asylbewerber, kam das völlig überraschend. Es habe keinen Streit gegeben, beteuerte er vor Gericht. Sie hätten beide gefeiert und getrunken. Der 35-Jährige war in der Küche, als er oben das Glas splittern hörte.

Auf die Frage von Amtsrichter Walter Hell, wann er das nächste Mal Staatseigentum zerstören würde, gab der Angeklagte eine klare Antwort: „Wenn Sie mir meine Dokumente geben, werde ich das Eigentum in Ruhe lassen.“ Wenn nicht, werde er weitermachen.

Staatsanwalt Andreas Breitschaft zeigte Verständnis für die Frustration und den schwierigen Weg, den der Angeklagte hinter sich hat. Auch dessen Verbitterung, weil es nicht so lief, wie er es sich vorgestellt hatte, konnte er nachvollziehen. Aber der Staatsanwalt stellte klar: „So wie er sich verhalten hat, läuft es nicht.“ Die Operation habe die Krankenkasse und damit die Allgemeinheit bezahlt. „Als Dank beschädigen Sie fremdes Eigentum.“ Hinzu komme, dass der Angeklagte keinerlei Einsicht zeige. Der Staatsanwalt: „Gerade das Gegenteil ist der Fall.“ Er forderte eine Freiheitsstrafe von vier Monaten.

Das sah auch der Richter so. Die Reise des Asylbewerbers sei nicht politisch bedingt gewesen, sondern um das Gesundheitssystem zu nutzen. Hell fand klare Worte in Richtung des Angeklagten: „Es ist erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit Sie glauben, dass der deutsche Staat Ihnen die Operation zahlen soll.“ Da der Angeklagte sogar weitere Aktionen ankündigte, hielt der Richter eine Geldstrafe für zu wenig. Hell: „Eine noch höhere Uneinsichtigkeit ist mir selten begegnet.“ Er verurteilte den Mann wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung zu vier Monaten Haft.

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25.06.2016

Heiraten darf der Gute ja. Daheim. Dorthin zurückzugehen sollte er anstreben.

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