Newsticker

Spahn: Corona-Tests bleiben kostenlos
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Asylhelfer vs. Landkreis: Es gibt Streit um W-Lan in Unterkünften

Aichach-Friedberg

01.08.2020

Asylhelfer vs. Landkreis: Es gibt Streit um W-Lan in Unterkünften

Nach Deutschland geflüchtete Menschen kontaktieren ihre Verwandten in der Heimat per Smartphone. W-Lan ist dabei von Vorteil. Im Landkreis Aichach-Friedberg gibt es darum Streit.
Bild: Sebastian Kahnert, dpa (Symbolbild)

Plus Das Landratsamt in Aichach widerspricht Behauptungen, wonach sie W-Lan in Flüchtlingsunterkünften verhindere. Worum es in dem Streit zwischen Kreis und Asylhelfern geht.

Das Thema Internet in Asylbewerberheimen erhitzt im Landkreis Aichach-Friedberg weiter die Gemüter. Weil sich Mitarbeiter des Landratsamts falsch verstanden fühlen, gab es jetzt einen Pressetermin. Der Verein Refugees Online würde die größeren Heime kostenlos mit einem WLAN-Zugang ausstatten. Das Landratsamt lehnt dies ab - und erntet dafür viel Kritik.

Landrat Klaus Metzger verwehrte sich jetzt insbesondere gegen die Behauptung, das Landratsamt würde verhindern, dass die Asylheime mit Internet versorgt würden. Das Landratsamt richte lediglich von Amtswegen kein Internet in seinen Einrichtungen ein. Es stehe aber jedem Bewohner frei, sich über einen Surfstick, internetfähige Smartphones oder einen mobilen Router Internet auf eigene Kosten zu bestellen. „Die meisten Asylsuchenden sind doch auch nicht auf den Kopf gefallen. Die organisieren sich doch selbst“, sagte Metzger.

Drahtlose Internetverbindungen sind heute für viele Menschen Standard.
Bild: Lukas Schulze, dpa (Symbolbild)

Für den Fall, dass doch noch jemand Unterstützung braucht, sollen Info-Blätter in den Unterkünften ausgehängt werden. Das berichtete Simone Losinger, Leiterin der Ausländerbehörde. Ihr sei durchaus auch bewusst, dass nicht jeder Flüchtling aufgrund fehlender Ausweise einen Internetvertrag abschließen kann, aber es komme ohnehin günstiger, wenn sich mehrere Familien oder Einzelpersonen zusammentun. So sei auch ein Vertrag mit einem unbegrenzten Datenvolumen besser finanzierbar.

Asylhelfer vs. Landkreis: Es gibt Streit um W-Lan in Unterkünften

Nach Kritik: Wie sich Landrat Klaus Metzger rechtfertigt

Zusammen mit Losinger wies Metzger darauf hin, dass das Landratsamt eine einheitliche Linie für alle Unterkünfte fahre und die heiße „Gleichbehandlung“. Der Verein Refugees Online würde vermutlich nur die vier Gemeinschaftsunterkünfte des Landkreises mit WLAN ausstatten, alle anderen Unterkünfte wären dagegen außen vor. Die gut 300 Kinder unter den Asylbewerbern wohnten aber größtenteils in kleineren, dezentralen Unterkünften. „Da würde Refugees Online kein Internet anbieten“, betont Losinger. Im Sinne der besseren Integration setze der Landkreis bewusst auf kleinere Wohneinheiten und nicht etwa, wie der Landkreis Dachau, auf viele große.

Auch die Regierung von Schwaben betreibe nur große Unterkünfte. Deshalb sieht Metzger keinen Widerspruch darin, dass die Regierung in ihren Einrichtung den WLAN-Zugang des Vereins erlaubt. Die Asylhelfer sehen hier ein uneinheitliches Vorgehen.

Metzger erwidert: „In den Einrichtungen, die wir betreuen, ist es überall gleich.“ Losinger führte zudem ein technisches Problem in vielen Häusern an: Oft gebe es dort nur eine Leitung und diese werde zwingend für das Nottelefon gebraucht.

W-Lan in Unterkünften: Das kritisieren die Asylhelfer

Einer der größten Kritikpunkte der Asylhelfer ist, dass Flüchtlingskinder in der Corona-Krise schulisch abgehängt werden, wenn sie keinen Internetzugang haben. Auch diesem Vorwurf widersprachen Metzger und Losinger. Letztere hat nach eigenen Angaben häufig mit dem Schulamt telefoniert – mit der Erkenntnis, dass die Grundschulkinder keine Probleme hätten, an die nötigen Schulmaterialien zu kommen. Dass Lehrer die Blätter teils per Post verschickt oder persönlich in den Heimen vorbeigebracht haben, ist für Metzger eine Selbstverständlichkeit. Der Lehrer habe sicherzustellen, dass die Schüler an die Materialien kämen.

Er verwies zudem darauf, dass ein Internetanschluss auch nichts nutze, wenn der Drucker fehle, um sich die Blätter auszudrucken. Dieses Zubehör fehle im Übrigen nicht nur bei Asylbewerbern und werde auch bei digitalen Förderungen nahezu nie berücksichtigt. Laut Losinger verfügten auch viele EU-Zuwanderer nicht über Internet.

Besonders gewurmt hat Metzger in der aktuellen Diskussion, dass oft die Rede davon gewesen sei, der Landkreis habe das Angebot von Refugees Online ausgeschlagen. „Der Verein ist aber nie auf uns zugekommen“, so Metzger. Ihm ist auch völlig unverständlich, warum es das Landratsamt „erwachsenen Männern abnehmen soll, dass sie im Internet surfen können“.

Lesen Sie dazu auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

01.08.2020

Ganz klare Meinung von mir: kostenloses Internet, insbesondere für die Menschen die sich keinen Internetanschluss leisten können.

"Er verwies zudem darauf, dass ein Internetanschluss auch nichts nutze, wenn der Drucker fehle, um sich die Blätter auszudrucken."
Es mag ja sein, dass Herr Metzger jede Seite ausdruckt die er anschaut, aber so bescheuert sind die Flüchtlinge sicher nicht.

"..... mit der Erkenntnis, dass die Grundschulkinder keine Probleme hätten, an die nötigen Schulmaterialien zu kommen."

Dieser Erkenntnis lässt jeden guten Willen den Kindern gegenüber vermissen, denn es entspricht keineswegs dem aktuellen Stand in den Corona-Zeiten.

Flüchtlinge immer noch als Menschen zweiter Klasse zu behandeln sollten zumindest die Behörden tunlichst unterlassen.

Permalink
01.08.2020

Ganz klare Meinung von mir " Kein kostenloses W-LAN ".

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren