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Gesellschaft

12.04.2017

Atakan und Laura von der BOS Friedberg haben Leben gerettet

Atakan Palandöken und Laura Spindler konnten mit ihren  Stammzellen Kranken helfen.

Die Berufsoberschule unterstützt den Kampf gegen Blutkrebs. 180 Jugendliche lassen sich registrieren. Zwei Stammzellenspender berichten, wie es ist, zu helfen.

Stäbchen rein, Spender sein: 180 Jugendliche der Berufsoberschule Friedberg haben sich in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) aufnehmen lassen. Damit knackt der Landkreis Aichach-Friedberg die Zehn-Prozent-Marke: Über 30000 Bürger ab 17 Jahren sind nun als potenzielle Lebensspender registriert.

Alle 15 Minuten erhält in Deutschland ein Patient die Diagnose Blutkrebs. Um zu überleben, benötigen viele eine Stammzellentransplantation. Über sieben Millionen Menschen weltweit sind inzwischen bei der DKMS registriert. Dennoch warten viele Blutkrebspatienten vergeblich auf geeignete Spender. Gizem Kuyucu möchte helfen. Aus eigener Erfahrung weiß die 17-jährige Berufsoberschülerin den Wert von Gesundheit zu schätzen. „Einige aus meinem familiären Umfeld sind oder waren krank. Es ist immer toll, Hilfe von außen zu bekommen.“

Ein Gänsehautgefühl

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Deshalb lässt sich Gezim an diesem Vormittag typisieren. Die Aktion der DKMS an der Friedberger BOS hält sie für wichtig und gut: „Man muss Menschen einfach unterstützen“, bekräftigt sie. So wie Laura Spindler. Die Schülerin der BOS hat sich im Winter 2015 über den Postweg in die Kartei aufnehmen lassen. „Wenige Monate danach erhielt ich eine Nachricht, dass ich eventuell als Spenderin für eine Patientin in Frage komme“, erinnert sie sich. Vier Wochen später die Gewissheit: Sie passten zusammen. Nach einem umfassenden Gesundheitscheck fuhr sie schließlich im Oktober 2016 ins Klinikum nach Stuttgart und spendete unter Vollnarkose rund 800 Milliliter Blut aus dem Knochenmark ihres Beckenbereichs. „Die Entnahme habe ich gut vertragen“, sagt sie. Bis auf etwas Eisenmangel habe sie auch keine Nebenwirkungen gespürt. Die erschienen sowieso nichtig, als Laura die Empfängerin ihrer Spende erfuhr: ein fünfjähriges Mädchen aus der Türkei. „Es ist immer wieder ein Gänsehautmoment, einem so kleinen Mädchen geholfen zu haben“, sagt sie.

Auch Atakan Palandöken ist Stammzellenspender. Im Gegensatz zu Laura erfolgte seine Spende durch eine periphere Stammzellenentnahme, die in 80 Prozent der Fälle zur Anwendung kommt. „Die Entnahme wurde bestimmt zwei oder drei Mal verschoben“, erinnert sich der heute 23-Jährige. Grund dafür war der Gesundheitszustand des Empfängers. „Es muss ihm relativ gut gehen, damit er die Spende erhalten kann“, erklärt Atakan. Im vergangenen November war es dann so weit. Atakan fuhr nach Köln, durchlief das vierstündige Prozedere und durfte wieder nach Hause zurück. „Es ist super gelaufen“, betont er mit einem Lächeln. Die Spende ging an eine 68-jährige Belgierin. „Ein gutes Gefühl“, so der junge Mann. Zusammen mit seiner Mutter Hülya Solak leistet er Aufklärungsarbeit – unter anderem auch an Schulen.

Lions Club spendet

 Der Aktionsvormittag der BOS findet im Eingangsbereich der Schule statt. Dazu weist Schirmherrin Brigitte Lehenberger etwa fünfzehn Schüler der elften Klasse in den Ablauf ein. Mund auf, Stäbchen etwa eine Minute an der Backeninnenseite reiben. „Nicht anfassen, ansonsten könnte der Abstrich kontaminieren“, betont Lehenberger. Die Stäbchen trocknen lassen, den Anamnesebogen ausfüllen. Die Liste ist lang, aber die Jugendlichen hören konzentriert zu. „Grundsätzlich kann jeder, der im Alter zwischen 17 und 55 Jahren und bei guter Gesundheit ist, registriert werden“, erklärt Lehenberger. Aber auch Menschen, die aus dem Typisierungsraster fallen, seien wichtig, sagt sie. „Wer als Spender aufgrund von Krankheit, Über- oder Untergewicht nicht infrage kommt, kann über eine Geldspende trotzdem Hilfe leisten“, erläutert sie. Vielen Menschen sei nicht bewusst, dass jede Typisierung 40 Euro kostet. Insbesondere aus diesem Grund greift der Lions Club Friedberg der DKMS finanziell unter die Arme und spendet 2500 Euro.

„Eine Wahnsinnsunterstützung“, lobt Lehenberger, die seit 2003 an Bord der DKMS ist. Eigentlich arbeitet Brigitte Lehenberger in der Verwaltung einer Augsburger Schule. Seit knapp 15 Jahren engagiert sie sich in fünf Landkreisen für Stammzellspenden und den damit verbundenen Registrierungen. „Allein aus den Schulaktionen aus dem Raum Aichach-Friedberg wurden unter 2888 typisierten Schülern 22 Stammzellspender gefunden“, sagt sie. Über die große Resonanz des Aktionstages ist sie froh. „54 Typisierungen haben wir benötigt, um den Zehn-Prozent-Meilenstein zu erreichen. Am Ende waren es 180.“

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