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Kirche

22.01.2015

Auch ohne Affäre kein Papst-Bonus

Pfarrer Herbert Gugler will auf die Vorteile der Mitgliedschaft in einer Gemeinde aufmerksam machen.
Bild: Erich Echter

Was sagen Pfarrer zu den Kirchenaustritten?

Die Zahlen sprechen für sich, doch eine einleuchtende Erklärung scheint niemand zu haben. Um etwa ein Drittel sind die Kirchenaustritte im Landkreis gestiegen. Das Standesamt Aichach vermeldet 217 Austritte – 2013 waren es noch 161. Ob es sich um Protestanen oder Katholiken handelt, wird nicht erfasst.

Ein ähnliches Bild zeigt die Statistik des Standesamtes in Aindling, das seit Juli 2014 auch für die Gemeinde Affing zuständig ist. Von 73 Austritten ist die Zahl hier auf 109 gewachsen. Im Standesamt Pöttmes sind 35 Austritte verzeichnet, nach 24 im Jahr 2013. Der Anstieg liegt bei knapp 50 Prozent.

Schon 2013 erreichte die Zahl der Kirchenaustritte deutschlandweit Höchstwerte. Doch damals war es wohl die Affäre um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, die viele Menschen von der Kirche wegtrieb. So einen Skandal gab es 2014 nicht, der Papst wird in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen und dennoch: Viele Christen verlassen ihre Gemeinden. Auch die Pfarrer sind unsicher, wieso der Kirche die Mitglieder weglaufen.

Aichachs Stadtpfarrer Herbert Gugler erzählt von seinen Erfahrungen: „Ich denke, vielen geht es um das Geld. Die meisten der Ausgetretenen haben gar nichts gegen die Kirche. Ich denke, wenn Ausgetretene als Ausgleich zur Kirchensteuer andere Sozialabgaben zahlen müssten, würden viele von ihnen in der Kirche bleiben.“ Dieser Entwicklung entgegenzuwirken sei schwer. „Man kann nur versuchen, zu zeigen, welche Vorteile eine Mitgliedschaft in der Gemeinde hat“, sagt Gugler

Das Gespräch suchen möchte auch der evangelische Stadtpfarrer Winfried Stahl: „Wer aus der Kirche austritt, bekommt einen Brief, um ins Gespräch zu kommen. Es geht darum, die Gründe zu verstehen.“ Den Kirchenaustritt zu verhindern, sei nicht Ziel dieses Gesprächs, erklärt der Pfarrer. In seiner Gemeinde ist kein Anstieg der Austritte zu erkennen. Die Zahl ist sogar von 46 in 2013 auf 41 im vergangenen Jahr gesunken. Dennoch, sei das zu viel, so Stahl. „Man empfindet das als persönliche Niederlage.“

Das Phänomen lässt sich nicht nur im Wittelsbacher Land beobachten – in Augsburg sind die Zahlen ebenfalls um ein Viertel gestiegen, wie Karl Krömer, Leiter des dortigen Standesamtes, berichtet. Von 1697 Austritten 2013 ist die Zahl im vergangenen Jahr auf 2147 geklettert.

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