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Kultur

12.06.2018

Auf Hofberg in Schiltberg wird wieder Theater gespielt

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2 Bilder
Der Überfall von Robin Hood (Hermann Finger junior, ganz rechts) und Marian (Lisa Koppold) auf Sir Thomas of Allingtonhill (Martin Lechner, knieend) nimmt eine unerwartete Wendung.
Bild: Gerlinde Drexler

85 Laiendarsteller arbeiten bei „Robin Hood“ mit Profiregisseuren zusammen. Die Aufführungen sind ein Höhepunkt in der Region. Die WM wird umspielt

Was haben die Fußballfans weltweit und die Kulturfans aus der Region in dieser Woche gemeinsam? Beide freuen sich auf den Startschuss für die Spiele und einen absoluten Höhepunkt. Während die WM alle vier Jahre stattfindet, müssen die Freunde des Schiltberger Hofbergtheaters immer drei Jahre auf die neuen Aufführungen warten. Moderne Züge tragen die Charaktere im Stück „Robin Hood“, das der Freilichttheaterverein ab Freitag aufführt. Der Vogelfreie und seine Getreuen sind gewitzt und gerissen und auf keinen Fall auf den Mund gefallen. Das gilt auch – oder gerade – für die weiblichen Mitglieder unter den Vogelfreien.

Seit 65 Jahren gibt es den Theaterverein. Heuer wird nach langer Zeit erstmals wieder ein eigens für die Hofbergbühne geschriebenes Stück inszeniert. Mit viel Aufwand haben die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder die Freilichtbühne für die 15 Aufführungen umgebaut. Alle drei Jahre findet auf dem Hofberg eine Aufführung statt und jedes Mal ist es ein regelrechter Pilgerzug, wenn die Zuschauer vom Ort Schiltberg aus zur Freilichtbühne hoch gehen. Sie liegt auf dem Hofberg, einem markant ins Weilachtal vorspringenden Bergsporn, der auch dem Theaterverein mit seinen derzeit rund 320 Mitgliedern seinen Namen gab. Der Hofbergverein ist längst kein Geheimtipp mehr. Er hat sich unter Theaterbegeisterten weitum schon lange einen Namen gemacht. 1953 war der Hofberg Freilichttheaterverein mit dem Ziel gegründet worden, auf dem historischen Hofberg, der im Privatbesitz ist, Theater zu spielen. Das Besondere dabei ist: Die Eigentümerfamilie Lechner gewährt dem Verein seit nunmehr drei Generationen ein unentgeltliches Gast- und Nutzungsrecht der Bühnenanlage.

Bei der Vereinsgründung fanden die Aufführungen auf dem Hofberg noch ohne die heutige imposante Kulisse mit den beiden Türmen und der Kapelle statt. Die Mauern der Bauwerke, wie sie heute zu sehen sind, wurden in einer groß angelegten Neubauaktion von September 1977 bis Juni 1980 in unzähligen ehrenamtlichen Arbeitsstunden von Vereinsmitgliedern errichtet. Zunächst führten die Laiendarsteller viele historische Theaterstücke auf, die der Heimatdichter und Vereinsgründer Georg Eberl verfasst hatte. Sie bezogen sich vor allem auf die regionale Geschichte. Neben „Hans von Schiltberg“, dem ersten Schauspiel auf dem Hofberg, schrieb Eberl in der Zeit von 1953 bis zu seinem Tod 1969 noch die Stücke „Ludwig der Bayer“, „Otto von Wittelsbach“, „Sankt Alto“, sowie das Passionsspiel „Die Galiläer“ und das Singspiel „Der Freischuss“.

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Bis 1988 waren es überwiegend Ritterschauspiele mit jeweils über 100 Darstellern und vielen Pferden, die auf dem Hofberg aufgeführt wurden. 1991 hielt zum ersten Mal ein Stück aus dem Literaturtheater Einzug auf dem Hofberg. Mit „Meier Helmbrecht“ und „Wilhelm Tell“ begeisterten die Darsteller ein breites Publikum. Die Stücke kamen so gut an, dass der Theaterverein seither bei den „großen Namen“ der Weltliteratur treu blieb und Stücke von Schiller, Goethe und Shakespeare inszenierte. Schon seit einigen Jahren arbeiten die Laiendarsteller bei ihren Aufführungen mit professionellen Regisseuren zusammen. Afra und Hans Kriss, die heuer auch das Stück schrieben, führen bereits zum zweiten Mal Regie. Das Ehepaar arbeitet seit den 1990er Jahren konzeptionell und in der praktischen Umsetzung auf der Bühne in unterschiedlichen Konstellationen mit Profi- und Amateurtheatergruppen zusammen.

Bei den 15 Aufführungsterminen berücksichtigte der Verein die Fußballweltmeisterschaft. Man habe versucht, die Deutschlandspiele auszusparen, sagt Martina Hartl, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Schon vor einigen Jahren änderte der Verein sein Konzept und verlegte die Sonntagsaufführungen auf den Mittwoch. Der werde von den Zuschauern besser angenommen, sagt Hartl. Apropos Zuschauer: Die bisher meisten Zuschauer hatte das Stück „Wilhelm Tell“ im Jahr 1994. Mehr als 12000 Besucher sahen das Drama. Wäre jede der 15 Vorstellungen ausverkauft, könnten es heuer 15000 Zuschauer werden. So hoch will der Verein jedoch nicht greifen. Er wünscht sich so um die 10000 Besucher. "Kultur Seite 3

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