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Affing

05.11.2010

Auf die Katastrophe folgte der Neubau

Der nachcolorierte Wening-Stich von Schloss Affing (1701) ist zwar nicht in allen Teilen korrekt, zeigt aber im Wesentlichen den Zustand, dem das Schloss nach dem Brand 1927 nachempfunden wurde. Fotos: Klaus F. Linscheid

Äußerlich sieht das Affinger Schloss aus wie aus dem 17. Jahrhundert. 1928 wird das Gebäude nach einem verheerenden Brand nach Plänen aus dem Jahr 1694 neu aufgebaut. Von Klaus F. Linscheid

Affing. Wie viele andere Schlösser, geht auch das frühere Wasserschloss Affing auf eine Burg zurück. 1408 wird sie erstmals erwähnt. In einer Beschreibung aus dem Jahr 1618 heißt es: "… ain ganz vom Grundt aufgemauertes vnnd mit Ziegel gedeckhtes Schönes Schloß, das vf ainem Purgstall ligt vnnd gerings herumb mit ainem schönen Viereggeten Weyher vmgeben ist…" (Die Burgen in der Gemeinde Affing, S. 36). Das damalige Aussehen zeigt ein Holzschnitt von Philipp Apian aus dem Jahre 1568.

Nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg errichtete Johann Baptist Freiherr von Leyden 1682 ein Schloss an gleicher Stelle, das auf dem Stich von Michael Wening abgebildet ist. Bis ins erste Viertel des 20. Jahrhunderts hat sich baulich wenig verändert. Am 16. Oktober 1927 geschah die große Katastrophe, als das Schloss am Kirchweihsonntag vollständig ausbrannte. Sechs Feuerwehrleute kamen ums Leben. Da der Wasserdruck mit der Handspritze nicht bis ins Dachgeschoss reichte, konnten nur einige wertvolle Möbel gerettet werden. Das bis dahin unverändert erhaltene Besuchszimmer Kaiser Napoleons III. verbrannte.

"Mein Großvater Casimir von Gravenreuth hat sich danach entschlossen, das Schloss wieder so aufzubauen, wie es 1694 war", weiß Baron von Gravenreuth zu berichten. Das Hochschloss liegt auf einem künstlichen Hügel. Eine kleine Brücke überspannt den inzwischen trocken gelegten Wassergraben. Das gusseiserne Geländer der Brücke wurde von Königin Hortense von Holland, der Stieftochter Napoleons, gestiftet, die mit dem späteren Kaiser oft zu Besuch in Affing war. 15 Stufen muss der Besucher bis zum mächtigen Eingangsportal emporsteigen.

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Die reich ornamentierte Holztür hat den Brand überlebt. Links oben befindet sich das Familienwappen der Freiherren von Gravenreuth (ein Einhorn) und rechts daneben der bayerische Löwe. Wer genau hinschaut, erkennt, dass sich die Außenmauern des Schlosses leicht nach oben verjüngen, wodurch es filigraner wirkt. Der annähernd quadratische Grundriss des dreigeschossigen Baukörpers wird durch ein Zeltdach nach oben abgeschlossen. Der ursprüngliche Kamin in der Mitte wurde nach dem Brand als kleiner Aussichtsturm wieder aufgebaut.

Das Schloss liegt am südwestlichen Rand eines weitläufigen Landschaftsgartens mit Wasserlauf, Teich, idyllischen Brücken und einem Bootshaus. In der Orangerie werden nach wie vor Pflanzen überwintert. Die alten böhmischen geätzten Gläser sind eine Seltenheit und in dieser Form heute unerschwinglich. Von dem kleinen Pavillon (er stammt aus der Pariser Weltausstellung von 1900) schweift der Blick über eine große Rasenfläche.

Versteckt unter Baumkronen ist die Mariengrotte, die die Gräfin von Boullion, Urgroßmutter des Barons, im 19. Jahrhundert aus Verehrung für die Pilgerstätte von Lourdes errichtete. Noch heute wird sie für Maiandachten genutzt. Von den früheren Nutzungen der Wirtschaftsgebäude wie Schreinerei, Brauerei und Schmiede hat nur die Gärtnerei überlebt. Die übrigen Gebäude werden nach und nach saniert und neuen Nutzungen zugeführt.

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