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Zukunftsforum

10.04.2018

Aus Pionieren wird Bewegung für die Zukunft

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3 Bilder
So, das Haus samt Photovoltaikanlage im Vordergrund ist fertig. So kann Zimmermann Sepp den Richtspruch aufsagen und dieses Mal ausnahmsweise mit Wasser begießen.
Bild: Martin Golling

In Schloss Blumenthal geht es um Nachhaltigkeit in der Region  

Von Martin Golling

Aichach-Blumenthal Ein Jahr ist es her, dass sich in Schloss Blumenthal (Stadt Aichach) 180 Menschen im Rahmen des Forum Z (Zukunft) an zwei Tagen Gedanken machten, wie der Landkreis zukunftsfähig werden kann und die darin wohnenden Bürger ihr Leben nachhaltig gestalten können. „Was ist seither passiert?“. So zitierte Ernst Haile, der Kreisvorsitzende des als Veranstalter auftretenden Bund Naturschutz, jene simple Frage, die immer wieder an ihn herangetragen wird. Als Erster ergriff am Wochenende bei der Forum-Z-Neuauflage unter dem Motto „enkeltauglich leben“ in Blumenthal stellvertretender Landrat Peter Feile das Wort und konstatierte: „Forum Z hat die Perspektive schon verändert.“ Feile erinnerte an die Forderungen aus den vor einem Jahr vorgestellten acht Themenkreisen und griff jene nach einem kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr heraus. Völlig abwegig sei dies manchem damals vorgekommen, nun seien genau diese Töne von der hohen Politik in Berlin zu hören. Feile: „Man muss Mobilität völlig neu denken.“

Der Gemeinwohl-Gedanke spielte schon beim ersten Forum Z eine tragende Rolle. Franz Galler, der die Gemeinwohlbelange im Berchtesgadener Land und im Chiemgau voranbringt, erinnerte daran, dass nur ein Prozent der Menschheit über 50 Prozent des Vermögens verfügt. Der entscheidende Faktor für die längst fällige Transformation ohne Verwerfungen sei jeder Einzelne, sagte Galler und verwies auf den Ausspruch von Papst Franziskus, dass die bestehende Wirtschaftsform töte. 40 Mal komme der Begriff Gemeinwohl in der Enzyklika „Laudato si“ vor, so Galler. Einfach erscheint seine Schlussfolgerung: Menschwürde, Solidarität, Mitbestimmung, Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit müssten nicht nur für Menschen gelten, sondern auch für Tiere, Firmen und die Herstellung von deren Produkten.

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Aus dem Forum Z 2017 gingen die Arbeitskreise Wirtschaft und Handel, Energie, Mobilität, Demokratie, Bildung, Umweltbewusstsein, Land- und Forstwirtschaft und Biodiversität und Natur hervor, von denen Letzterer wohl am meisten bewegte. Dessen Leiter Wolfhard von Thienen konnte auf den erfolgreichen ersten Biodiversitätstag verweisen, der Ende Januar in Blumenthal stattfand. Die Faktenlage in Sachen Artenvielfalt bleibt jedoch dramatisch: „Wir als Spezies Mensch sind dabei, das sechste große Artensterben seit 4,5 Milliarden Jahren auszulösen. Wir verändern die Evolution, und dies wird noch in Millionen von Jahren nachweisbar sein“, so der Biologe. Er forderte, die Kooperation mit den Landwirten voranzubringen. „Eine naturverträgliche Landwirtschaft mästet keine 50000 Schweine auf wenigen Quadratmetern und unter Ausschluss von Tageslicht. Sie bricht mit dem Kreislauf der Agrargifte“, die sicher auch mitverantwortlich seien für das Artensterben, so Wolfhard von Thienen.

Beim Thema Energie konnte Alfred Seitz vermelden, dass sich einiges getan habe. Er verwies auf die Zusammenarbeit der beiden Augsburger Landkreise mit dem Wittelsbacher Land und auf die nach wie vor aktive Bürgerenergie-Genossenschaft Neuburg-Schrobenhausen-Aichach. Der Arbeitskreis Mobilität setzt auf das Projekt alltagstaugliche Radwege im Wittelsbacher Land und will sich starkmachen für ein Landkreis-Jahresticket für den Busverkehr im Landkreis für 365 Euro.

Alle Arbeitskreise wollen nach dem Forum Z 2018 wieder ihre Tätigkeit aufnehmen beziehungsweise fortsetzen. Durch den Tag führte Martin Horack als Moderator. Er machte sich dafür stark, Forum Z als alljährlich wiederkehrendes Event zu etablieren.

Hatten sich die Teilnehmer des Forum Z noch im letzten Jahr als Pioniere fühlen dürfen, so konnten sie heuer registrieren, dass sie beileibe nicht mehr allein unterwegs sind. Aus dem Marsch einiger weniger ist eine Bewegung erwachsen für ein nachhaltiges Wirtschaften in allen Bereichen. Julia Stanger referierte über nachhaltige Kommunalentwicklung, über regionale Vernetzung, nannte konkret Personen und Institutionen, die in ihren jeweiligen Bereichen entscheidend in dieser Richtung Entwicklungen vorangebracht hatten und immer weiter anschieben. Sie entwarf sehr positiv „attraktive Wege in eine gute Zukunft“, wie auch der Titel ihres Referats lautete.

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