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Aichach

16.07.2010

Bald fließt Wasser aus der Leitung statt aus dem Tank

So sieht die Straße von Al Mihlaf nach Ta'izz aus. Sie soll ausgebaut werden, hat der Gouverneur der Provinzhauptstadt zugesagt.
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So sieht die Straße von Al Mihlaf nach Ta'izz aus. Sie soll ausgebaut werden, hat der Gouverneur der Provinzhauptstadt zugesagt.

Nach ihrer jüngsten Reise nach Al Mihlaf hat Aenne Rappel gute Nachrichten im Gepäck. Eine Straße soll endlich gebaut werden. Von Claudia Bammer

Erfreuliche Neuigkeiten hat Aenne Rappel, Vorsitzende der Aichacher Jemenhilfe, von ihrer jüngsten Reise in das arabische Land mitgebracht: Derzeit wird ein dringend notwendiger Brunnen gebaut. Das Krankenhaus, das der Verein dort seit zehn Jahren im Dorf Al Mihlaf betreibt, bekommt endlich eine Wasserversorgung. Schriftlich hat Rappel auch die Zusage, dass die langersehnte Straße von der Provinzhauptstadt Ta'izz nach Al Mihlaf gebaut wird. Ein großer Schritt vorwärts für das Dorf.

Wenn der Jemen Schlagzeilen macht, sind es meist negative: Es gab Entführungen von Touristen und anderen Ausländern, das Auswärtige Amt warnt wegen der Gefahr terroristischer Anschläge und immer wieder aufflammender Stammeskonflikte vor Reisen in bestimmte Teile des Landes und ruft generell zu erhöhter Wachsamkeit dort auf.

Tourismus liegt danieder

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Aenne Rappel bedauert diese Entwicklung zutiefst. Der Tourismus liegt danieder, die Reisenden fehlen den Hotels, Fahrern, Händlern. Das trägt noch weiter bei zu der ohnehin schon großen Armut in dem Land am Golf von Aden, in dem die Arbeitslosenquote laut Rappel bei 40 Prozent liegt und die meisten Einwohner Analphabeten sind. "Die Menschen dort sind wirklich verzweifelt", berichtet Rappel. In ihren Augen ist die Armut "ein Nährboden für Al Kaida". Auch deshalb hofft sie, dass die Arbeit ihres Vereins dort Früchte trägt. Bei ihrem jüngsten Besuch erlebte sie, dass es tagelang keinen Strom gab und die Menschen für Gasflaschen Schlange standen. Es gab Demonstrationen für Strom und Wasser im ganzen Land, erzählt Rappel.

Ein großes Problem ist auch die Wasserknappheit. "Durch die anhaltende Dürre sind die Wasserlöcher ausgetrocknet oder verschlammt", berichtet Rappel. Wasser für das Krankenhaus musste deshalb gekauft werden. "Dafür sind wir jeden Tag mit dem Pick-up und einem großen Container nach Ta'izz gefahren", erzählt Rappel. Die Provinzhauptstadt liegt zwar nur 35 Kilometer entfernt. Weil es keine Straße gibt, dauert die einfache Fahrt aber locker anderthalb Stunden. Deshalb freut sich Rappel riesig über die schriftliche Zusage des Gouverneurs von Ta'izz, dass endlich die Straße gebaut werden soll.

Noch wichtiger ist aber der Brunnenbau: Nachdem in den vergangenen Jahren ein Mitglied der Jemenhilfe regelmäßig höhere Summen für eine Wasserversorgung des Krankenhauses gespendet hat, hat die jemenitische Regierung eingewilligt, einen Brunnen zu bohren. Die Arbeiten sind schon weit fortgeschritten, wie sich Aenne Rappel vor Ort überzeugen konnte; "Es wurde bis in 300 Meter Tiefe gebohrt." Das Pumpenhaus war bei ihrem Besuch schon im Bau, die Rohre für die Wasserleitung hinauf zum Krankenhaus hinauf lagen schon bereit. Der Brunnen soll aber natürlich auch das Dorf versorgen, so Rappel.

Was ansteht, ist nun auch die Sanierung des zehn Jahre alten Krankenhauses. Die Regierung habe zugesagt, diese zu finanzieren, berichtet Rappel.

Ein weiteres Projekt plant der jemenitische Staat selbst: ein Frauenzentrum, das beim Krankenhaus entstehen soll. Dort sollen alleinstehende Frauen Lesen, Schreiben und Nähen lernen, damit sie für ihren Lebensunterhalt sorgen können, so die Vereinsvorsitzende. Viele Männer seien auf der Suche nach Arbeit über die grüne Grenze nach Saudi-Arabien geflohen, viele seien verschollen. Die Frauen stehen alleine da. Erst vor zwei Jahren sei eine Frau mit ihren fünf Kindern verhungert, erzählt Rappel.

Keinen Schritt allein gemacht

Diese große Armut ist es, die sie dazu bewegt, sich schon seit mehr als zehn Jahren für dieses arabische Land zu engagieren. Aber auch die Menschen dort und ihre Gastfreundschaft.

Die Reisewarnungen nahm aber auch sie sich in den vergangenen Jahren zu Herzen: "Ich habe keinen Schritt alleine gemacht, um kein Risiko einzugehen." Aus Sicherheitsgründen musste sie diesmal auch von der Hauptstadt Sanaa in die Provinzhauptstadt Ta'izz fliegen, anstatt mit dem Auto zu fahren. Dabei ist ihr in dem Land generell "nicht mulmig". Bestimmte Landesteile müsse man einfach meiden.

Rappel kennt das Land gut: Mindestens einmal im Jahr fliegt die 75-Jährige dorthin, um nach dem Rechten zu sehen, die Abrechnungen zu kontrollieren oder auch Behördengänge zu erledigen - übrigens immer auf eigene Kosten. Von Claudia Bammer

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