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US-Politik

31.05.2018

Bauer AG aus Schrobenhausen muss sich Trump beugen

Die Sanierung des Staudamms am Forggensee ist für die Spezialtiefbau-Fima Bauer aus Schrobenhausen sozusagen eine Baustelle vor der Haustüre. Das Unternehmen ist weltweit aktiv.
Bild: Benedikt Siegert

Der Kurs der USA gegen den Iran hat direkte Auswirkungen auf deutsche Unternehmen. Auch auf die weltweit agierende Tiefbaufirma aus Schrobenhausen.

Wie sehr ein amerikanischer Präsident die Welt und damit auch deutsche Unternehmen beeinflussen kann, zeigt der Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran und die Wiederaufnahme der Sanktionen gegen dieses Land. Denn jedes Unternehmen, das mit den USA in geschäftlicher Beziehung steht, muss sich gründlich überlegen, wie es auf die Sanktionsandrohungen reagiert.

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Konkret betrifft das zum Beispiel das weltweit in 70 Ländern der Erde agierende Tiefbau- und Maschinenbauunternehmen Bauer aus der Nachbarstadt Schrobenhausen. Der größte Arbeitgeber der Region ist führend in der Herstellung komplexer Baugruben, Gründungen und Abdichtungen. Der Konzern entwickelt und fertigt aber auch geeignete Maschinen für den Spezialtiefbau-Markt. Drittes Geschäftsfeld sind Produkte und Dienstleistungen für die Bereiche Wasser, Umwelt und die Exploration, Förderung und Sicherung von Bodenschätzen.

Professor Thomas Bauer hat eine dezidierte Meinung, was den Ausstieg der Amerikaner aus dem Atomvertrag mit dem Iran angeht. Er hält mit seiner Meinung auch nicht hinter dem Berg. „Der amerikanische Präsident schürt momentan Brandherde in der ganzen Welt. Wer soll diesen wachsenden politischen Spannungen noch Herr werden?“ Seine Meinung ist das eine. Das Unternehmen sicher durch dieses unsichere Fahrwasser zu lenken, ist das andere. „Meine Meinung ist nicht wichtig. Wir alle müssen für die Zukunft der Firma Bauer sorgen. Als Chef kann ich eine persönliche Meinung haben, aber am Ende des Tages muss ich das Unternehmen vor Schaden schützen.“

Bauer AG aus Schrobenhausen muss sich Trump beugen

Und deshalb wird ein Satz des US-Botschafters in Berlin, der wie ein Befehl klingt, auch wie ein solcher verstanden – und umgesetzt. Natürlich ist der amerikanische Botschafter keinem deutschen Unternehmen weisungsbefugt. Aber die von Donald Trump erlassenen Sanktionen haben in den USA Gesetzeswirkung. Und jede Firma, die in den USA geschäftlich tätig ist, ist automatisch mit diesen Sanktionen belegt. „Das nennt man Schneeballsystem. Deshalb muss sich nicht nur unser Tochterunternehmen in den USA an die Sanktionsbestimmungen halten, sondern der ganze Konzern.“

Der Bauer AG drohen massive Strafen bei Verstoß

Die USA sei der Meinung, die gesamte Weltwirtschaft unter ihren Befehl stellen zu können, so Bauer. Und mit deutschen Firmen funktioniere das auch, weil 99 Prozent der großen Firmen in irgendeiner wirtschaftlichen Beziehung zu den USA und zu US-Firmen stünden. „Es reicht ja schon, wenn eine Firma in Dollar abrechnet.“ Sprechen also Deutschland und Europa davon, ihren eigenen Weg zu gehen und an dem Atomvertrag festzuhalten, so wird die deutsche Wirtschaft davon nichts haben. „Jede Firma, die gegen die Sanktionsbestimmungen verstößt, muss mit massiven Folgen und Strafen rechnen.“

Eine große Menge Aufträge gehen der Bauer AG im Iran nicht verloren. Das börsennotierte Unternehmen beschäftigt weltweit 11000 Mitarbeiter und erzielte 2017 einen Jahresumsatz von 1,7 Milliarden Euro. Im Iran macht das Schrobenhausener Unternehmen selbst in besten Zeiten höchstens ein Prozent seines Umsatzes. In den USA sind es weniger als zehn Prozent des Gesamtumsatzes.

Also alles gar nicht so schlimm für die Bauer AG? Weit gefehlt, so Thomas Bauer. Denn momentan sprießen die politischen Spannungen weltweit wie Pilze aus dem feuchten Waldboden. „Und politische Spannungen sind Gift für die Wirtschaft.“ Durch die Sanktionen würden die Beziehungen Irans zu China noch gestärkt. Chinesische Unternehmen habe der amerikanische Präsident nämlich nicht unter seinem Einfluss. „Am Ende bleibt unternehmerischer Erfolg auf der Strecke“, sagt Bauer.

Absichern könne sich eine Firma gegen solche Widrigkeiten auch nicht. „Es gibt nur zwei Ratschläge. Der erste lautet: Bleib in Deutschland. Aber damit ist die Stückzahl bei den Maschinen nicht darstellbar. Und ohne Stückzahl gibt es keine Innovation.“ Der zweite Ratschlag laute: Sei überall auf dem Globus vertreten. Aber momentan seien auf rund 30 Prozent der weltweiten Märkte politische Konflikte vorhanden.

Das ist auch für einen Global Player wie die Bauer AG zu viel. „Wichtig ist es, ruhig und gelassen zu agieren. Statt zu schnell auf die Bremse zu treten, gilt es, mit den Krisen in aller Ruhe umzugehen.“ Da müsse man auch einmal den Misserfolg in Kauf nehmen. Aber trotzdem, diese Art von Spannung hätte Thomas Bauer sich und seiner Mannschaft gerne erspart. (mit cli)

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