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Ehekirchen-Schönesberg

08.07.2010

Bauer sucht Standort

Bauer sucht Standort: Weil der Ehekirchener Gemeinderat den Bau einer Biogasanlage am östlichen Ortsrand abgelehnt hat, ist der Bauer nur weiter auf der Suche. Von Norbert Eibel

Das Votum fiel einmütig aus, ohne Gegenstimme verweigerte der Ehekirchener Gemeinderat am Dienstag einem Schönesberger Landwirt den Bau einer Biogasanlage am östlichen Ortsrand. Das Objekt liege mit rund 100 Meter Abstand zu nah an der Wohnbebauung, so die Begründung. Außerdem ist aus Sicht der Gemeinde eine Privilegierung fraglich, weil kein räumlicher Zusammenhang mit der Hofstelle besteht. Die Zufahrt zur Anlage über das Wohngebiet im Leitenweg ist nicht zulässig. Mit dem Antragsteller waren bereits vorab Vermittlungsgespräche geführt worden, er soll bei der Suche nach einem Alternativstandort unterstützt werden.

Die Argumente waren vor der Sitzung längst ausgetauscht, auf der extra einberufenen Bürgerversammlung in Schönesberg war der massive Widerstand im 300-Seelen-Dorf unmissverständlich klar geworden. Die Anlieger befürchteten durch die Biogasanlage Lärm- und Geruchsbelästigung und ein erhöhtes Verkehrsaufkommen durch die Anlieferung. Außerdem lagen Bürgermeister Günther Gamisch 198 Unterschriften von Gegnern vor. "Es herrscht ein gewaltiges Konfliktpotenzial. Wir sind nicht gegen die Landwirtschaft, bei so einem Projekt muss man aber zu einem Kompromiss kommen", brachte Gamisch seine Erläuterungen auf den Punkt. Die Diskussion, von der die Gemeinderäte Maria Lang (FW) und Sofia Käfer ( CSU) ebenso wie von der Abstimmung wegen persönlicher Beteiligung ausgeschlossen waren, verlief eindeutig.

"Dem Gemeinwohl verpflichtet"

Bauer sucht Standort

"Der Standort ist der verkehrte. Ich finde es aber lobenswert, dass der Bauherr für Alternativen offen ist", setzte Ralf Wittmann (CSU) auf Verständigung. "Ich kann den Bauherren verstehen, aber wir sind dem Gemeinwohl verpflichtet. Die Mehrheitsverhältnisse in der Gemeinde sind nach der Bürgerversammlung klar", fand Otto Plath (CSU). Und Paul Kammerer (FW) setzte sich für eine Kooperation mit dem Landwirt ein. "Wir sollten ihn bei der Standortsuche unterstützen. Das Grundstück hat eine gute Lage und ist ideal zum Tauschen." Ob dies allerdings ganz so einfach wird, darf bezweifelt werden. Noch vor der Diskussion verlas Bürgermeister Gamisch den Brief eines Anliegers, der auch einen in der Bürgerversammlung vorgeschlagenen Standort 350 Meter östlich der Ortschaft ablehnte.

Für Ärger in Schönesberg sorgte zuletzt nicht nur die Biogasanlage. Der projektierte, rund 40 Meter hohe BOS-Sendemasten auf dem höchsten Punkt der Gemeinde (540 m.ü.N.N.) trifft wegen des sensiblen Themas elektromagnetische Strahlung auf Vorbehalte. Die Firma Telent plant im Auftrag des Innenministeriums 950 Anlagen für den behördlichen Digitalfunk im ganzen Freistaat. Bis 2012 sollen damit 3500 Analogfunkanlagen entbehrlich gemacht werden. Laut Bescheinigung der Bundesnetzagentur (BNetzA) werden mit der verwendeten Technik (digitaler Bündelfunk) die Grenzwerte der Bundesimmsionsschutzverordnung eingehalten. Nichtsdestotrotz sprachen sich laut Günter Gamisch bei der Bürgerversammlung spontan 18 Unterzeichner auf einer Liste gegen den Mast aus. Die Abstände zur nächstgelegenen Bebauung betragen 862 Meter (Schönesberg) bzw. 961 Meter nach Ried. "Es stellt sich die Frage, können wir die Standortwahl überhaupt beeinflussen", stellte Maria Lang in den Raum. "Es handelt sich hier nicht um einen x-beliebigen Handymasten, sondern um Behördenfunk. Wir haben in der Gemeinde etliche Funklöcher, ich denke ein Menschenleben wiegt schwerer", gab Thomas Braun (CSU) zu bedenken. Da das Ministerium eine erste Anfrage "aus Gründen der Vertraulichkeit des Projekts", so Gamisch, nur mit einer Broschüre beantwortete, will der Bürgermeister eine erneute Anfrage in München starten und auch die Möglichkeit eines Alternativstandortes ausloten. Von Norbert Eibel

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