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Affing-Haunswies

04.06.2009

Bauernhöfe als sicherer Platz für Kinder

"Es schockt einen, wenn man lesen muss, dass ein Opa beim Zurückfahren seinen Enkel totgefahren hat." Diesen Satz sagte Landrat Rupert Reitberger gestern auf dem Kindersicherheitstag in Haunswies. Was er ansprach, passiert immer wieder - leider. Um die Zahl solcher Unfälle zu reduzieren, greifen der Bauernverband und die Land- und Forstwirtschaftliche Sozialversicherung zu erprobten Mitteln: Sie helfen den Kindern, die Gefahren auf Hof und Feld besser zu erkennen. Von Martin Golling

Affing-Haunswies "Es schockt einen, wenn man lesen muss, dass ein Opa beim Zurückfahren seinen Enkel totgefahren hat." Diesen Satz sagte Landrat Rupert Reitberger gestern auf dem Kindersicherheitstag in Haunswies. Was er ansprach, passiert immer wieder - leider. Um die Zahl solcher Unfälle zu reduzieren, greifen der Bauernverband und die Land- und Forstwirtschaftliche Sozialversicherung zu erprobten Mitteln: Sie helfen den Kindern, die Gefahren auf Hof und Feld besser zu erkennen.

"Wir haben nach diesem Tag im vorigen Jahr im Landkreissüden die mehrfache Rückmeldung erhalten, dass etliche Kinder ihre Eltern auf schwerwiegende Sicherheitsmängel in ihrem Betrieb aufmerksam machten", erzählt Kreisbäuerin Martha Brunnenmeier von den Erfahrungen aus solchen Kindersicherheitstagen.

"Ihr seid das Wertvollste, was wir haben. Und deshalb wollen wir euch schützen", rief Affings Bürgermeister Rudi Fuchs den 80 Kindern zwischen sieben und zwölf Jahren aus den Höfen im Landkreisnorden zu und er riet seinen jungen Zuhörern, das hier Gelernte nicht für sich zu behalten, sondern den Freunden und den Eltern weiterzuerzählen."

Bauernhöfe als sicherer Platz für Kinder

"Wir brauchen die Kinder. Sie sind aufmerksamer als die Erwachsenen und die besseren Multiplikatoren. Wir sind ja oft schon betriebsblind und übersehen die Sicherheitsmängel in Hof und Stall", argumentiert Martha Brunnenmeier.

Bauernverband und Land- und Forstwirtschaftliche Sozialversicherung haben für die Kinder einen Parcours erstellt, auf dessen Stationen sie auf die gängigsten Gefahren hinweisen. Freilich dürfen darunter die Silo- und Güllegase nicht fehlen. Aufmerksam verfolgt eine Gruppe, wie Konrad Haggenmüller eine Kerze in einen Maßkrug senkt. Die Kerze brennt weiter. Nun füllt er Kohlendioxid ins Glas und schon verlöscht die Kerze beim Eintauchen. Eine klassische Gefahrensituation, die immer noch jährlich im Durchschnitt zwei Todesopfer in Bayern fordert, so Fritz Allinger von der Land- und Forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft Niederbayern/Oberpfalz und Schwaben.

Weniger bekannt sind die Schwefelwasserstoffe, die beispielsweise beim Gülleaufrühren oder beim Ablassen der Kanäle aus der Flüssigkeit treten. "Sie sind ähnlich toxisch wie Zyankali", weiß Allinger und präzisiert: "Wenn man's merkt, ist es schon zu spät." Derweil hat Konrad Haggenmüller die Nebelmaschine im Hackschnitzelbunker der Haunswieser Landwirtsfamilie von Hubert und Angelika Higl in Gang gesetzt. Der Nebel soll die normalerweise unsichtbaren Gase erlebbar machen. Mit einem Gebläse treibt Haggenmüller die Gase aus dem Bunker. So lässt sich also sicher arbeiten. "Bei uns dahoam macht der Opa o boid wieda a Silo auf. Dann stinkt's wieda", berichtet Lucas aus Edenried in herrlich breitem Dialekt.

Gefühl für Bewegung verlernt

Eine Station weiter macht Heidi Diesenbacher auf ein allgemeines Defizit heutiger Kinder aufmerksam: "Sie verlernen das Gefühl für Bewegung. Es heißt immer nur: Klettere ja nicht dort hinauf, mach jenes nicht - viel zu gefährlich", sagt sie und fordert ihre Schützlinge mit Koordinationsübungen und Gedächtnistraining. "Erste Hilfe" ist ein weiteres Thema an einem der Stände und vor allem der Gefahrenbereich um Schlepper und Anhänger. "Die im Landkreis eingesetzten Milchtankfahrzeuge haben alle mittlerweile eine Rückfahr-Kamera an Bord", verweist Andreas Neumair auf eine sinnvolle Investition für den Landwirt.

Und noch eines: Mit einem Weitwinkelspiegel kann der Schlepperfahrer sogar im toten Winkel neben den Reifen noch Kinder sehen. Bürgermeister Rudi Fuchs und Sicherheitsberater Meinrad Fußeder sind sich einig: "Solche Geräte sollten serienmäßig an den Schleppern sein." Dann würde der eingangs erwähnte Schock wohl seltener auftreten.

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