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Aichach

05.07.2019

Baustelle Obere Vorstadt: Läden fehlt Laufkundschaft

Große Stelen informieren über die Baustelle in der Oberen Vorstadt. Vor allem Geschäftsleute brauchen aber im Moment noch Geduld.
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Große Stelen informieren über die Baustelle in der Oberen Vorstadt. Vor allem Geschäftsleute brauchen aber im Moment noch Geduld.
Bild: Claudia Bammer

Plus Die Neugestaltung in Aichach ist für die Geschäftsleute eine schwierige Zeit. Weil weniger Kunden kommen, büßen sie deutlich an Umsatz ein.

Irene Helfer aus Altomünster (Kreis Dachau) kommt gerade aus der Konditorei Gulden und läuft über die aufgerissene Werlbergerstraße zu ihrem Auto. „Ich musste ganz schön überlegen, wie ich jetzt hierherkomme“, sagt sie. Die Sperrungen seien schlimm. „Aber ich halte den Geschäftsleuten hier trotzdem die Treue“, sagt sie und lacht. Die Neugestaltung von Aichachs Oberer Vorstadt stellt nicht nur sie vor eine Herausforderung. Viele Geschäftsleute klagen über deutliche Umsatzeinbußen.

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"Ich habe den Eindruck, viele Leute meiden Aichach total"

Im Schuhhaus Winkler sagt Inhaberin Birgit Weber: „Die Baustelle beeinträchtigt uns schon sehr.“ Schmutz während der Pflasterarbeiten vor ihrem Geschäft, und die Laufkundschaft falle komplett weg. Die Verkehrsführung ändere sich immer wieder. Das verunsichere die Kunden. „Ich habe den Eindruck, viele Leute meiden Aichach total“, sagt sie. Dass es in Laufnähe in der öffentlichen Tiefgarage am Tandlmarkt ausreichend Parkplätze gibt, wüssten viele gar nicht, stellt Weber fest. Ihre Umsatzeinbußen werden etwas von ihren weiteren Geschäften in Aichach und Schrobenhausen aufgefangen. Dazu hat sie viele Stammkunden, die trotz Baustelle kommen.

Die Bauarbeiten in der Oberen Vorstadt nähern sich dem Ende.
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In Bildern: So gehen Bauarbeiten in der Oberen Vorstadt voran
Bild: Erich Echter

Obere Vorstadt: Viel Lob für die Bauarbeiter

Das ist auch in der Bäckerei und Konditorei Gulden der Fall. Inhaber Fritz Gulden sagt zwar: „Wir haben das Glück, dass viele bei uns Torten bestellen.“ Gerade Ältere würden aber anrufen und fragen, wie sie noch zur Konditorei kommen. „Viele fahren nicht mehr nach Aichach“, stellt auch er fest. In der heißen Jahreszeit sei es zwar immer ruhiger, relativiert er, aber dass die Laufkundschaft fehlt, spürt auch er. Umsatzeinbußen gebe es vor allem bei den Bäckereiwaren. „Es trifft uns schon“, sagt seine Frau Irmgard. Beide sind deshalb froh, dass es auf der Baustelle so gut vorangeht. Für die Bauarbeiter der Firma Schelle aus Pfaffenhofen an der Ilm haben sie nur Lob. „Die sind wirklich zuvorkommend, hilfsbereit und arbeiten sehr flott.“ Das unterstreicht auch Birgit Weber. Alle tun ihr Möglichstes, ist ihr Eindruck. Die schon fertigen Flächen gefallen ihr gut. „Das wird schon toll“, sagt sie. „Der Vorteil hier in Aichach ist, dass die Baustelle in einem Jahr durchgezogen wird“, sagt Birgit Weber. In Schrobenhausen werde im vierten Jahr gebaut. „Da müssen wir jetzt einfach durch“, sagt sie. „Danach wird’s umso schöner.“

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Irmgard und Fritz Gulden bemerken durch die Baustelle deutliche Umsatzeinbußen. Für die Baufirma gibt es von ihnen aber viel Lob.
Bild: Claudia Bammer

Baustelle: Tische und Bänke vor der Metzgerei

Auch Martina Miller ist angetan von dem, was vor der Metzgerei Miller an der Augsburger Straße schon entstanden ist. Vor der Metzgerei stehen jetzt Tische und Bänke. Vor allem die barrierefreie Gestaltung komme bei den Kunden gut an, erzählt die Filialleiterin. Baufirma und Michael Thalhofer, Projektleiter bei der Stadt, hätten immer ein offenes Ohr. Dennoch habe sie ganz schöne Umsatzeinbußen. „Ich sehe ein, dass das gemacht werden muss“, sagt Miller, „aber es ist einfach schwierig.“ Die Metzgerei sei zwar erreichbar, der Durchgangsverkehr fehle jedoch: die Arbeiter, die schnell halten, um sich eine Brotzeit zu holen. Der Kundenparkplatz im Hof sei oft von Fremdparkern belegt. Sei plant derzeit mit weniger Personal. Im August ist wie immer drei Wochen lang Betriebsurlaub. „Wir haben auch überlegt, einen zusätzlichen Urlaub zu machen“, sagt Miller. „Aber man muss ja präsent sein für die Kunden.“

Weniger Personal ist für die Gastronomen keine Alternative. Schließlich ist solches schwer zu finden. In der Wandelbar spricht Inhaber Ralf Reh von Umsatzeinbußen im zweistelligen Prozentbereich. „Aber die Kosten bleiben gleich“, sagt er. „Das kostet uns alle richtig Geld.“ Ähnlich ist es laut Inhaber Gianfranco Busatto im Eiscafé San Marco. Sein Hauptgeschäft macht er im Sommer. Beim Eis zum Mitnehmen sei der Umsatz besonders stark zurückgegangen. Musa Gigi vom City-Kebaphaus sagt ebenfalls: „Wenig Leute, wenig Umsatz, aber die Kosten sind gleich.“ Das sei bei der langen Bauzeit schon schmerzhaft. Viele Kunden würden sich über die Sperrungen aufregen, erzählt er. Wie er freut sich auch Ralf Reh darauf, wenn die Bauzeit vorbei ist. „Wir hoffen, dass die Kunden dann wiederkommen.“ Reh fehlen derzeit vor allem die Parkplätze.

Parkplätze fehlen in der Oberen Vorstadt

Die fehlen auch der Zahnarztpraxis Kern, wie Tim Kern erzählt. Patienten von außerhalb rufe man vorher an, um sie zu informieren. Richtig geärgert hat er sich über die Polizei, die um fünf früh Strafzettel wegen Falschparkens an Autos der Familie verteilte, als deren Grundstückszufahrt gesperrt war. Sie wurden zurückgenommen. Die Baufirma lobt auch er.

Bürgermeister Klaus Habermann sagt: „Dass die Anwohner ein Stück weit unter der Baustelle leiden, ist klar.“ Man bemühe sich sehr, die Einschränkungen möglichst gering zu halten. Ende Juli soll ein erstes kleines Baustellenfest stattfinden, mit Musik und Baustellenführung. Anatolij Giesbrecht, der seit 25 Jahren in Aichach lebt und sich im Schatten vor der Metzgerei Miller einen Eiskaffee schmecken lässt, findet die Neugestaltung „super.“ Die Stadt werde schöner und schöner. Auch Irene Helfer gefällt, was schon zu sehen ist. „Wenn’s schön wird, dann ist es das auch wert.“

Lesen Sie dazu auch den Artikel: Obere Vorstadt: Martinstraße ist ab Montag gesperrt sowie den Artikel Obere Vorstadt: So geht es jetzt weiter mit den Bauarbeiten

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