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24.10.2017

Baut Sparkasse Aichach-Schrobenhausen ein Viertel des Personals ab?

Die Aichacher Sparkassenzentrale an der Donauwörther Straße: Bei einigen Mitarbeitern der Sparkasse Aichach-Schrobenhausen herrscht seit vergangener Woche Unsicherheit, ob ihr Arbeitsplatz Bestand hat. Der Vorstand betont angesichts des Einsparpotenzials, das Experten sehen, man werde nach Möglichkeit betriebsbedingte Kündigungen vermeiden.
Bild: Erich Echter

Berater sehen Einsparpotenzial um bis zu 50 Vollzeitstellen. Entschieden ist noch nichts. Vorstand betont: Kündigungen sollen vermieden werden

Gute Nachrichten waren es nicht, die der Vorstand der Sparkasse Aichach-Schrobenhausen vergangene Woche den Mitarbeitern überbrachte: Nach einer Monate währenden Untersuchung sind Berater zu dem Schluss gekommen, dass das Geldinstitut enormes Einsparpotenzial hat. Die Fachleute halten es für möglich, auf bis zu ein Viertel des Personals zu verzichten. Das wären knapp 50 Vollzeitstellen und entspräche einer Einsparung von 1,5 Millionen Euro jährlich. Noch aber ist nicht über einen möglichen Personalabbau entschieden.

Die Informationen, die die Mitarbeiter erhielten, blieben nicht lange unter der Decke. Auf Anfrage unserer Zeitung ging der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Rainer Wörz auf die Hintergründe ein. Die Angestellten waren demnach informiert darüber, dass die Sparkassen Consulting GmbH seit April mit einer Untersuchung beauftragt war. Diese sollte herausfinden, ob und in welchen Bereichen die Sparkasse mit den zentralen Empfehlungen des Deutschen Sparkassen und Giroverbandes auf einer Linie liegt. Unter die Lupe genommen wurden 500 Tätigkeiten und sämtliche Bereiche. Stichwort: Optimierungsprozess. Die externe Beratung bezeichnet Wörz als das Fortführen des Fusionsprozesses, aber auch als eine Reaktion auf die Null-Zins-Phase. Es sei keine „einfache Zeit, die uns die europäische Zentralbank beschert“. Man stehe gut da. Doch angesichts der rückläufigen Zinserträge sagt Wörz: „Ewig können wir auch nicht zuschauen.“

Dass Optimierungspotenzial vorhanden ist, war dem Vorstand klar. Man habe 2013 Wert darauf gelegt, den Zusammenschluss schnell voranzubringen. Aus zweien wurde „ein Arbeitsmodell Aichach-Schrobenhausen“. Gewählt habe man jeweils die effektivsten Arbeitsabläufe. Komplett neu aufgestellt habe man sich aber nicht. Dass man den Effizienzgrad anderer Banken nicht erreicht habe, „dessen waren wir uns bewusst“. Wörz gibt aber zu, dass man auch im Vorstand vom Ergebnis der Untersuchung überrascht war: „Wir hätten mit ein bisschen weniger gerechnet.“ Aber man habe bei der Fusion im Interesse der Mitarbeiter langsam handeln wollen. Nun aber sieht Wörz die Zeit für Veränderungen gekommen. Man sei „noch im Zeichen der Stärke unterwegs“ und müsse zu dem Zeitpunkt reagieren, „wo es uns gut geht“.

Jetzt wird man sich bankintern mit dem Ergebnis auseinandersetzen. Die zwölf Bereichsleiter sollen bis Januar Vorschläge erarbeiten, wo sich der Expertenrat umsetzen lässt und wo er nicht passt. „Daraus wird sich das Effizienzpotenzial ergeben“, so Wörz. Er weiß, dass nun Unsicherheit in der Belegschaft herrscht. Jeder habe Sorge, dass es ihn betreffe. Doch: Man werde betriebsbedingte Kündigungen möglichst vermeiden, verspricht Wörz. Eine Hauruck-Aktion ist ihm zufolge nicht geplant. Das Vorstandsmitglied spricht von einem drei bis vier Jahre währenden Prozess. In diesem Zuge habe man eine „realistische Chance“ etwaigen Personalabbau über die natürliche Fluktuation umzusetzen. Bei derzeit rund 300 Mitarbeitern scheide immer wieder jemand aus durch Ruhestand, Altersteilzeit, Schwangerschaft oder eigene Kündigung. Bereits in den vergangenen Jahren hat so ein sanfter Personalabbau stattgefunden. Das Versprechen zur Fusion, es werde keine betriebsbedingten Kündigungen geben, habe man eingehalten, betont Wörz. Darauf hofft das Personal weiter. Michael Schmeer, stellvertretender Personalratsvorsitzender, betonte, er hoffe, dass es ohne Kündigungen vonstatten gehe. Hausintern wolle man in aller Ruhe nach Lösungen suchen.

Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann, Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse, verweist auf die epochalen Herausforderungen durch Digitalisierung und Null-Zins-Politik. Dafür habe man durch die weitblickende Fusion eine prima Basis gelegt und stehe gut und solide da. Es gelte rechtzeitig die Weichen zu stellen, damit der Übergang kunden- und mitarbeiterverträglich geleistet werden könne. Er mache sich „überhaupt keine Sorgen“ und die Mitarbeiter, ergänzt Habermann, sollten es auch nicht tun.

Filialschließungen als direkte Folge der Untersuchung wird es laut Wörz nicht geben. Das Kundenverhalten aber ändere sich wegen der Digitalisierung rasch. Die weitere Entwicklung sei hier deshalb nicht absehbar.

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