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Aichach

22.11.2019

Bei Aichacher Bürgerversammlung geht es um Radler und Senioren

Gefährlich findet eine Bürgerin die Aufstellfelder für Radfahrer vor der Ampel an der Werlbergerstraße. Von dort aus können Radler bei Grün als Erste losfahren. Die Bürgerin meint, es sei gefährlich, dorthin zu gelangen. Andere Bürger beschweren sich über rücksichtslose Radler auf den Gehwegen.
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Gefährlich findet eine Bürgerin die Aufstellfelder für Radfahrer vor der Ampel an der Werlbergerstraße. Von dort aus können Radler bei Grün als Erste losfahren. Die Bürgerin meint, es sei gefährlich, dorthin zu gelangen. Andere Bürger beschweren sich über rücksichtslose Radler auf den Gehwegen.
Foto: Carmen Jung

Plus In der gut gefüllten TSV-Turnhalle sprechen die Bürger vor allem Verkehrsthemen an. Auch Senioren bringen Wünsche vor – von Bänken bis hin zu Kleinbuslinien.

Etwa 140 Menschen hörten bei der zentralen Bürgerversammlung der Stadt Aichach in der TSV-Turnhalle zu, als Bürgermeister Klaus Habermann seinen gut einstündigen Bericht erstattete. Darunter waren 17 Stadträte, zwei Ortssprecher, alle Amtsleiter und weitere Mitarbeiter aus der Verwaltung sowie Altbürgermeister Heinrich Hutzler und Ehrenbürger Hannes Meisinger.

In der letzten Bürgerversammlung vor der Kommunalwahl ging Habermann auch auf Geplantes und auf die Großprojekte der aktuellen Amtszeit ein, unter anderem die Obere Vorstadt. Der Abschluss der Neugestaltung wird am heutigen Freitag um 11 Uhr gefeiert.


Radler auf dem Gehweg Um die Obere Vorstadt ging es dann auch in mehreren Wortmeldungen von Bürgern. Das neue Pflaster sei ein Paradies für die Radfahrer, sagte ein Anwohner aus der Werlbergerstraße. Das sei sehr gefährlich, wenn jemand aus einem Haus- oder Geschäftseingang tritt. „Dürfen die da fahren?“, wollte er wissen.

„Eigentlich nicht“, war die Antwort des Bürgermeisters. Weil es sich um eine stark befahrene Staatsstraße handelt, hatte er dennoch Verständnis für die Radler – „wenn die vernünftig fahren“. Jeder solle Rücksicht nehmen, sagte er.

Auch am Stadtplatz benutzen Radler wegen des Kopfsteinpflasters den Gehweg, klagte ein weiterer Bürger. Habermanns Appell auch hier lautete, gegenseitig Rücksicht zu nehmen.

Radlerin fordert: Parkplätze streichen

Radspur statt Parkplätze Neu sind in der Oberen Vorstadt die Aufstellfelder für Radfahrer vor der Ampel an der Werlbergerstraße. Eine Bürgerin wollte wissen: „Wie sollen die Radler ohne Gefahr da hinkommen?“ Die müssten zwischen den Autos durchradeln, die dann bei Grün losfahren. Sie schlug vor, die Parkplätze am Straßenrand zu streichen und eine Radspur einzurichten.

Michael Thalhofer, Projektleiter im Bauamt, erinnerte an die lange Planung, in der viele Anregungen aufgenommen worden seien. „Wir hätten gern einen Radweg eingerichtet“, sagte er. Das sei auf der Staatsstraße aus Platzgründen nicht gegangen. „Die Straße gehört nicht uns“, betonte er mit Blick auf das Staatliche Bauamt. Mit den Aufstellfeldern vor der Ampel mache man den Radlern das Angebot, dass sie an der Ampel als erste losfahren dürfen. Das könnten sie nutzen, müssten es aber nicht. Laut Straßenverkehrsordnung dürfen Radler offiziell rechts an Autos vorbeifahren. „Wir müssen einfach schauen, wie das funktioniert“, sagte Thalhofer.

Prieferstraße als Fahrradstraße Eine Bürgerin regte an, die Prieferstraße als Fahrradstraße auszuweisen. Dort sei es eng und es seien viele Schüler unterwegs. In einer Fahrradstraße haben Radler Vorrang. Dort könnte zum Beispiel Autoverkehr nur für Anlieger oder nur in eine Fahrtrichtung freigegeben werden. „Wir nehmen das mal als Anregung auf“, sagte Habermann.

Stadt soll am Stadtplatz blitzen

Am Stadtplatz blitzen Ein Bürger klagte, dass er in der Schulstraße, wo Tempo 30 gilt, geblitzt wurde. Man solle mal am Stadtplatz blitzen, wo Tempo 20 gilt, meinte er: „Da fahren die mit 50 durchs Tor.“

Absolutes Halteverbot aufheben An der Münchener Straße sollte das absolute Halteverbot durch ein eingeschränktes ersetzt werde, regte ein Bürger an. Dann könne man dort bei Arztbesuchen zumindest aussteigen lassen. Das wird geprüft.

Anliegen aus dem Seniorenbeirat Mehrere Anliegen brachte Horst Thoma, Vorsitzender des Seniorenbeirats, vor. Der Bedarf für Kurzzeitpflegeplätze sei groß, nachdem die Pflegestation im Aichacher Krankenhaus geschlossen hat. Das sei ein Problem, mit dem sich auch die Kommunalpolitiker, auch im Landkreis, befassen müssten.

Weitere Wünsche: bezahlbarer seniorengerechter Wohnraum, Kleinbuslinien, um Randbereiche und Ortsteile an die Kernstadt anzubinden, mehr Bänke im Stadtbereich und mehr Heckenpflege, damit die Gehwege benutzbar bleiben.

Mobilität: Flexible Modelle statt feste Linien

Solche Hecken sollten gemeldet werden, so Habermann. Das Thema Bänke werde man prüfen. Entwickeln sie sich zum Treffpunkt, gebe es aber schnell Beschwerden. Bei der Mobilität hielt er flexible Modelle mit Kleinbussen für zielführender als feste Linien.

Zum Thema seniorengerechter Wohnraum verwies er auf das Bauvorhaben der Arbeiterwohlfahrt für ein Betreutes Wohnen und auf Erweiterungspläne in Aichach-Nord.

Zum bezahlbaren Wohnraum sprach Habermann das Prinzip der sozialgerechten Bodennutzung an. Diese sieht bei Bauvorhaben einen Pflichtanteil für geförderte und bezahlbare Wohnungen vor. Ob dieser Denkansatz mehrheitsfähig wäre, ließ er dahingestellt. „Muss man überlegen“, sagte er. Der Mangel an Kurzzeitpflegeplätzen sei auf die Unterfinanzierung zurückzuführen. Hier seien Bund und Länder gefordert. „Das muss finanzierbar sein, dann findet sich schnell ein Träger.“

Haus der Senioren Aus dem Umfeld des Hauses der Senioren kam Kritik, weil es dort keinen Parkplatz für Gehbehinderte gibt. Für Habermann die Krux, weil das Haus so zentral liegt. Den ehemaligen Stadtgraben wolle man aber nicht zuparken lassen, zumal dort auch die Stadtführungen entlanggehen. Er verwies auf die öffentliche Tiefgarage. Diese sei nicht für Gehbehinderte geeignet, kam der Widerspruch. Früher habe man auf dem Bouleplatz parken können. Aus dem Haus der Senioren sei immer wieder die Bitte gekommen, den Bouleplatz wieder herzurichten. Deshalb habe man dort das Parken unterbunden. „Parkplatz und Bouleplatz – beides geht nicht.“ Habermann sagte zu, zu prüfen, ob in der Nähe ein Parkplatz ausgewiesen werden kann.


Weiteres aus dem Bericht von Bürgermeister Klaus Habermann:

Sehr viel nach vorn gebracht wurde in Aichach in den vergangenen Jahren. Dieses Fazit zog Bürgermeister Klaus Habermann in der Aichacher Bürgerversammlung.

Er ging auch auf das Thema Bauen ein. Gebraucht wird Baugrund für junge Familien. Man müsse aber abwägen, wo neue Baulandausweisungen zu vertreten sind. Mehrere hundert Wohnungen wurden in den vergangenen Jahren gebaut. Mit dem Wohnpark Sudetenstraße und dem Projekt der Stadt mit der Eleonore-Beck-Stiftung an der Franz-Beck-Straße kommen noch einmal an die 250 Wohnungen dazu.

Unter anderem dort könnte sich Habermann eine neue Art der Energieversorgung mit sogenannten „Insellösungen“ vorstellen. Die Grundlage dafür soll der Digitale Energienutzungsplan liefern, den der Stadtrat vor Kurzem in Auftrag gegeben hat. Das Biomasseheizkraftwerk habe insgesamt schon rund 40 Millionen Liter Heizöl eingespart. Bei der Stromerzeugung sei Aichach nahezu autark, eine weitere größere Photovoltaik-Freiflächenanlage sei bereits beantragt.

Bahnbrücke ist bald begehbar

Der Grünzug Paar mit dem Hochwasserschutz ist in seiner letzten Phase. Die Bahnbrücke soll bald begehbar sein.

Die ehemalige Eisenbahnbrücke über den Flutgraben iim Stadtgarten st bald begehbar.
Foto: Erich Echter

Weiter geht es laut Habermann mit den Bächen und Kanälen. So soll am Zeller Kulturgraben 2020 Baubeginn sein.

Ein Problemkind sei nach wie vor das Krankenhaus mit der geschlossenen Geburtshilfe. „Wir arbeiten daran“, sagte Habermann.

Stadt bewirbt sich um weitere Großveranstaltungen

Sein Fazit lautete: „Aichach ist lebendig wie nie zuvor.“ Das machte er an städtischen Veranstaltungen von der neuen Kunstnacht bis zum Volksfest fest, aber auch an Veranstaltungen wie dem Stereostrand-Festival oder den Ausstellungen des Kunstvereins. 2020 erwartet Aichach zur Bayerischen Landesausstellung mindestens 100 000 Besucher. Gleichzeitig bewirbt sich Aichach um den Schwabentag, eventuell auch noch um ein weiteres Großereignis, über das Habermann noch nicht mehr verraten wollte. 2021 stehen wieder die Mittelalterlichen Markttage an. „Es wird bestimmt nicht langweilig.“


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