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Konzert

28.04.2015

Beifallssturm für vier Gitarren und eine Orgel

Sie gaben ein grandioses Konzert in der Stadtpfarrkirche: (von links) Jürgen Geiger, Dale Kavanagh, Christian Gruber, Peter Maklar, Thomas Kirchhoff.
Bild: Manuela Rieger

Faszinierende Klangfülle in der Aichacher Stadtpfarrkirche dank einer eigentlich „undenkbaren“ Kombination: Zwei Gitarrenduos, Gruber & Makler und Amadeus, feiern ihr musikalisches Jubiläum zusammen mit einem Organisten

Das nahezu Undenkbare, nämlich ein Konzert mit Gitarren und einer Kirchenorgel musikalisch in Einklang zu bringen, bewiesen der Organist Jürgen Geiger aus Weilheim, das Gitarrenduo Amadeus und Gruber & Maklar zu ihren Jubiläen. Letzteres agiert seit 30 Jahren zusammen, das Duo Amadeus seit 25 Jahren.

Mit vier Gitarren und den Klängen der großen Kirchenorgel fanden unter anderem Kompositionen der spanischen Tonsetzer Issac Albeniz und Joaquin Rodrigo den Weg in den Kirchenraum. Wenig bekannt ist der Ursprung der aus heutiger Sicht ungewohnten Kombination. Orgel und Laute hatten im Mittelalter eine gemeinsame Geschichte, die aus heutigem Blick überraschend nicht im sakralen, sondern ganz weltlich im höfischen und sogar im vergnüglich-musikantischen Bereich lag. Die neuartige Formation von Kirchenorgel und Gitarren erzeugt dabei ein ungeheures Spannungspotenzial. Die klassische Gitarre wurde in Rodrigos Werken „Concierto de Aranjuez“ und „Concierto Andaluz“ von der Orgel orchestral unterstützt, und in den Kompositionen Luigi Boccherinis, Michael Praetorius’ und Johann Sebastian Bachs spielten vier Gitarren alleine.

Das Boccherini-Quartett mit dem Titel Fandango ist in der Interpretation der vier Gitarristen ausgesprochen vital und birst fast vor Lebensfreude und Überschwang. Das Amadeus Duo mit Dale Kavanagh (Kanada) & Thomas Kirchhoff zusammen mit dem Duo Gruber & Maklar (Christian Gruber & Peter Maklar) bewegten sich zielsicher durch das Arrangement für Gitarren. An den Registern und Tasten war später Jürgen Geiger präsent. Ganz barock waren die sechs Tänze aus Terpsichore von Michael Praetorius. Das sechste der Brandenburgischen Konzerte hatte der Eisenacher Musiker Johann Sebastian Bach ursprünglich für zwei Violinen, zwei Gamben und je ein Violoncello, Violone und Cembalo komponiert. Die vier Gitarristen bedienten sich für ihren Auftritt in der Stadtpfarrkirche einer Bearbeitung von Jörg Falk.

Zwei Paradestücke für klassische Gitarre: Dale Kavanagh spielte das Adagio aus „Concierto de Aranjuez“ von Joaquin Rodrigo (1901 bis 1999), in der Originalversion ein Konzert für Gitarre und Orchester. Jürgen Geiger an der Orgel ersetzte das Orchester mit Bravour. In diesem Satz gibt Rodrigo dem Schmerz über den Tod seines Kindes Ausdruck, aber auch der Hoffnung auf die Auferstehung.

Bei Jürgen Geigers Solo wurde die Orgel zum Musik-Kraftwerk, zum stampfenden Riesen. Wohl Mozarts berühmtesten Klavierstück – das Rondo alla Turca – wurde mit unendlich vielen Zwischentönen zur Panikattacke schlechthin. Grandios.

Die anschließenden drei Sätze aus dem Concierto de Aranjuez für vier Gitarren und Orchester, das Geiger mit seinem Orgelspiel vollständig ersetzte, beendeten einen großartigen Abend. Anschließend brandete lang anhaltender Applaus die Empore hinauf. Die Zugabe mit Alexander Borodins „Steppenskizzen“ konnte erraten werden und der Rater bekam eine CD. Mit viel Hilfe seitens der Gitarristen wurde diese gewonnen.

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