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20.06.2009

Bina freut sich über die Besucherin aus Aindling

Aindling Die Aindlingerin Gudrun Eichenseher hat zwei Patenkinder in Nepal. Die beiden wollte sie unbedingt sehen, um selbst zu erfahren, wie ihre Hilfe über Plan-International wirkt. So nimmt Gudrun Eichenseher das Abenteuer auf sich, als allein reisende Frau in eine der am schlechtesten erschlossenen Gebiete der Welt zu reisen.

"Ich habe lange gewartet, bis die Reise aus politischen Gründen überhaupt möglich wurde", sagt die 38-jährige Lehrerin. Und dann das: Wenige Wochen vor ihrem Abflug nach Katmandu wird ihr mitgeteilt, dass sie eines der beiden Mädchen, die mittlerweile 18-jährige Nusarat, mit der sie seit sieben Jahren durch eine Patenschaft verbunden ist, nicht besuchen kann. Nusarat wohnt im Terai-Gebiet, und dort, so hieß es, bestehe die Gefahr von Überfällen durch Maoisten.

Seit November 2007 ist die Aindlingerin auch Patin der sechsjährigen Bina. Sie wohnt mit ihren Eltern im Makwanpur-Bezirk, etwa 160 Kilometer südlich der Hauptstadt Katmandu. 160 Kilometer in Nepal, das bedeutet: endloses Geschaukel auf grob-steinigen Schotterpisten.

In der Bezirkshauptstadt Hetauda hatte Plan-International ein Zimmer für Gudrun reserviert. Am nächsten Morgen ging es per Jeep weiter: "Zwei Stunden für 35 Kilometer", schränkt sie selbst negativste Erwartungen noch einmal ein. Die letzten Kilometer sind ohnehin nur zu Fuß zu schaffen.

Bina freut sich über die Besucherin aus Aindling

Binas Eltern und ihre drei Geschwister begrüßen ihren Gast mit Blumengirlanden aus Bougainvilla-Blüten, dem "Namaste" und den vor der Brust gefalteten Händen. "Die drei Aktionen gehören immer zusammen", stellt Gudrun fest. Ernst nimmt Bina ihre Geschenke entgegen: "Eine Seifenblasendose, einen Hüpfgummi - kannte sie alles nicht, ein selbst besticktes Handtuch mit ihrem Namen, allerdings in lateinischen Buchstaben, Bleistifte und Hefte hatte ich in Hetauda gekauft", zählt Gudrun auf. Für die Familie hatte sie einen Kalender dabei mit Bildern von europäischen Haustieren "und ein auf Englisch beschriftetes Fotoalbum mit Bildern von mir - und eine Dynamo-Taschenlampe".

Freilich war sie auf eine kulturelle Besonderheit Nepals vorbereitet, dennoch bleiben diese Geschenksituationen für einen Mitteleuropäer gewöhnungsbedürftig. Gudrun erklärt, wieso: "Es gibt kein Dankeschön. Denn mit dem Geschenk, so der religiöse Hintergrund des Hinduismus und des Buddhismus, verschafft sich der Schenkende ein besseres Karma. Er wäre also selbst zu Dank verpflichtet." Die Taschenlampe übrigens erwies sich als Volltreffer, denn Strom gab es keinen, fehlte ebenso wie ein Schrank, Tisch oder Stuhl. "Nur die Eltern und die Kleinen hatten ein Bett, die anderen schliefen auf Strohmatten am Boden", konnte Gudrun erkennen, als sie sich an die Dunkelheit in dem kleinen, aus Natursteinen errichteten Haus gewöhnt hatte. Und noch etwas war im wahrsten Sinn des Wortes atemberaubend: Der beißende Qualm, der von der offenen Feuerstelle am Boden ausging.

Neben dem Besuch bei Bina hatte Gudrun Eichenseher noch Zeit für Land und Leute. Doch allein mit Englisch kommt man in Nepal selten durch, denn selbst die Schriftzeichen auf öffentlichen Schildern sind in "Devanagari" gehalten.

Kurios ist, dass Gudrun in Patan die beiden Aichacher Rupert und Johanna Jung traf. Dafür ist die Welt nicht zu groß. Beim Besuch im Chitwan Nationalpark hat Gudrun der Anblick der Rhinozerosse schwer beeindruckt. Schwer trägt das Land an der fehlenden Infrastruktur und an den Streiks, die überall und jederzeit alles lahmlegen können.

Gudrun Eichensehers Fazit über Nepal: "Solange es kein vertrauenswürdiges Rechtssystem gibt, wird es wohl noch lange dauern, bis Nepal lernen kann, was Demokratie bedeutet." Bezüglich ihrer Patenkinder sagt sie: "Ich weiß jetzt, wie sie leben. Es geht ihnen gut, das freut mich."

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