Newsticker
Bundesregierung stuft mehr als 20 Länder als Hochrisikogebiete ein
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Busunfall: Warum wurden die verletzten Schüler in die Schule gebracht?

Kühbach

29.10.2020

Busunfall: Warum wurden die verletzten Schüler in die Schule gebracht?

Zu einem Busunfall ist es am Donnerstagmorgen in Kühbach gekommen.
Bild: Julian Leitenstorfer (Symbolbild)

Plus Der Schulbusunfall, bei dem am Donnerstag in Kühbach 27 Schüler verletzt worden sind, wirft Fragen auf. Als die Polizei am Unfallort eintrifft, sind die Schüler schon weg.

27 Schüler sind bei einem Schulbusunfall am Donnerstagmorgen in Kühbach verletzt worden. Doch anstelle vor Ort medizinisch versorgt zu werden, brachte sie ein Ersatzbus in ihre Schulen nach Schrobenhausen. Erst dort versorgten Sanitäter die Kinder und Jugendlichen. Erste Reaktionen in sozialen Medien folgten prompt. "Unverantwortlich": lautet etwa einer der Kommentare. Wie konnte das so laufen?

Die Polizei sucht fast eine halbe Stunde nach der Unfallstelle

Peter Löffler, Pressesprecher der Aichacher Polizei, sagt: "Da ist wirklich alles schiefgelaufen, was schieflaufen kann." Denn auch die Polizei brachten die kuriosen Umstände des Unfalls in Schwierigkeiten. Sie musste zuerst einmal die Unfallstelle suchen.

Ein Anrufer hatte bei der Polizei in Schrobenhausen gemeldet, dass auf der B300 zwischen Peutenhausen und Kühbach ein Auto ungebremst auf einen Schulbus aufgefahren sei. Der Rettungsdienst sei nötig. Die Polizei setzte deshalb ein Großaufgebot an Rettungskräften in Bewegung. Einen Unfall auf der Bundesstraße fanden die Helfer allerdings nicht. Sie suchten daraufhin nach Rücksprache mit dem Unfallmelder die Gegend zwischen Peutenhausen, Gachenbach und Kühbach ab. Die tatsächliche Unfallstelle lag laut Löffler Luftlinie mindestens einen Kilometer entfernt von der ursprünglich gemeldeten Stelle: auf der Kreisstraße am Ortsausgang von Kühbach in Richtung Gachenbach.

Als die Helfer am Unfallort in Kühbach eintreffen, sind die Schüler schon weg

Als die Helfer dort eintrafen, waren die Passagiere des Busses schon weg. Die Busfirma hatte einen Ersatzbus geschickt und die knapp 50 Schüler von fünften bis zehnten Klassen in ihre Schulen nach Schrobenhausen gebraucht. Laut Auskunft der Polizei Schrobenhausen handelte es sich um Schüler der Knabenrealschule, der Mädchenrealschule und des Gymnasiums.

Der Unfall hatte sich gegen 7.45 Uhr ereignet, als der 38-jährige Busfahrer zwischen dem Postweg und der Brunnenstraße verkehrsbedingt abbremsen und anhalten musste. Der 20-jährige nachfolgende Autofahrer übersah das und fuhr auf das Heck des Busses auf. Er erlitt dabei leichte Verletzungen und wurde ins Krankenhaus nach Aichach gebracht.

Der Fahrer eines Kleinbusses kam zufällig an der Unfallstelle vorbei. Laut Pressesprecher Löffler war er es, der die Information der Polizei übernahm. Das habe der 38-jährige Schulbusfahrer auch mitbekommen. Deshalb sei dieser nicht mehr tätig geworden, so Löffler. Irrtümlich übermittelte der Kleinbus-Fahrer allerdings den falschen Unfallort.

40 Sanitäter versorgen die Verletzten an den Schulen in Schrobenhausen

Aus diesem Grund dauerte es fast eine halbe Stunde, bis die Rettungskräfte eintrafen. In der Zwischenzeit waren die Schüler schon in Schrobenhausen. Dort zeigte sich bald, dass es vielen nicht gut geht. Die Schulen teilten der Polizei mit, dass es verletzte Schüler gibt. Etwa 40 Sanitäter wurden an die Schulen gerufen. Sie versorgten die Jugendlichen. Laut Polizei Schrobenhausen handelt es sich bei den Verletzten um Schüler der Knabenrealschule und der Mädchenrealschule. Vier Schüler wurden ins Krankenhaus gebracht. 23 waren leicht verletzt. Einem Polizisten zufolge hatten einige "schon sehr leichte Verletzungen".

Laut Löffler müssen die weiteren Umstände noch ermittelt werden. So bleibt bislang die Frage offen, warum die Schüler weggebracht wurden, bevor der Rettungsdienst eintraf. Die Helfer waren zahlreich ausgerückt: Sieben Krankenwagen, zwei Notärzte, ein Rettungshubschrauber, sechs BRK-Einsatzfahrzeuge und die Feuerwehren aus Hörzhausen, Rettenbach, Peutenhausen, Gachenbach und Schrobenhausen waren neben der Polizei Aichach und Schrobenhausen alarmiert worden.

Eine Mutter kritisiert: "Nicht alle Schüler haben einen Sitzplatz."

Dass so viele Kinder verletzt worden sind, führt die Mutter eines 14-jährigen Mädchens auch darauf zurück, dass der Bus stets so übervoll sei. Der Linienbus bringe täglich die Kinder von Kühbach nach Schrobenhausen. "Nicht alle Schüler haben einen Sitzplatz, sondern stehen im Gang. Teilweise können die Schüler sich nicht richtig festhalten, weil einfach nicht genügend Platz ist", schildert die Mutter, die sehr erleichtert darüber ist, das ihrer Tochter nichts passiert ist. Sie habe den übervollen Bus schon vor Monaten im Landratsamt bemängelt. Hinzu komme noch Corona. Abstand halten sei einfach nicht möglich. Sie hofft, dass nun für mehr Kapazitäten gesorgt wird. Denn: "Nicht auszudenken, wenn dies auf der B300 passiert wäre, wo andere Geschwindigkeiten herrschen."

Das könnte Sie auch interessieren:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren