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Scherneck

23.07.2018

Chaotisch, skurril und „genau richtig“

Der Schlosshof von Scherneck war ausverkauft – und Kabarettistin Martina Schwarzmann erfüllte auch diesmal die (gestiegenen) Erwartungen ihres Publikums – egal, ob es um Erziehung ging oder um Punks mit Irokesenschnitt...
Bild: Brigittem Glas

Martina Schwarzmann spricht über das Leben, die Liebe und den ganz normalen Alltagswahnsinn im ausverkauften Schlosshof von Scherneck

Ob man eine Chance hat, Kinder zu erziehen, wenn man sie nicht erpressen darf? Unter welchen Umständen brave Hausfrauen einen Thermomix bekommen und was „ihr g’heads doch alle mit Katzndreck daschossn“ auf Englisch heißen könnte: All das erfuhren die Gäste im seit Monaten ausverkauften Schlosshof von Scherneck bei Martina Schwarzmann.

Der Wahnsinn ihres ganz normalen Lebens auf dem Land mit Mann und drei kleinen Kindern lieferte für Martina Schwarzmann den Stoff für ihr sechstes Soloprogramm „Genau richtig“. Die mehrfach preisgekrönte Kabarettistin aus Altomünster eröffnete am Freitagabend den Schernecker Kultursommer 2018.

Martina Schwarzmann war schon öfter auf Scherneck und hatte ihr Publikum begeistert. Die Erwartungen ihrer Fans waren also hoch und sie wurden auch erfüllt. Die Zuschauer, die teils von weit her nach Scherneck gekommen waren, bekamen dieselbe Erfolgsmischung wie in den vorherigen Programmen.

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Eine Hälfte erzählte kabarettistische Geschichten, die andere Hälfte Lieder. Alles in breitestem Oberbayerisch. Auch sah Martina Schwarzmann aus wie immer: Blümchenkleid, rote Strickjacke, die Haare streng nach hinten frisiert. Aber dieses Aussehen täuscht. Von Anfang an präsentiert sie freche oder auch absurde Gedanken, die sie in Lieder und Geschichten packt. Sie nimmt alles aufs Korn, auch sich selbst: Dass sie mit fast 40 noch ganz nett ausschaut für ihr Alter, liegt wohl daran, dass sie mit drei Kindern und einem Landwirt als Mann gar keine Zeit findet, mit dem Saufen oder Drogen anzufangen, erklärt sie. Mit sich ist sie doch eher zufrieden: „I bin mittelalt, mittelgcheid, mittelschee, wia de meiste Leit.“ Ohne Rücksicht auf persönliche Verluste macht sie sich über das Altern, faltbare Brüste und Cellulitis lustig: „I find, mir steht’s!“ Klar, dass sie auch zum Weiberstammtisch geht. Dessen Mechanismen sind ihr klar: Vornherum ist man nett, hintenrum wird böse geredet. Ihre Lösung: Sie bleibt immer bis zum Schluss, um ja nicht Objekt der Lästerei zu werden.

In Schwarzmann steckt offenbar auch ein Punk. Zumindest bringt sie das glaubhaft rüber, indem sie behauptet, schon mal bei einem Punkkonzert ausgeholfen zu haben, als einem Gitarristen eine Saite riss. Und irgendwann werde sie schon noch in ihrer eigenen Punkband spielen. Bis dahin hat sie ihre eigenen Theorien. Warum es auf dem Land keine Punks gibt, das sei nur eine Frage der Frisur. Einmal habe sie einen auf der Rückbank eines Autos sitzen gesehen, der den Kopf die ganze Zeit schräg halten musste, weil der riesige Irokesen-Schnitt in ein landläufiges Auto einfach nicht reinpasst. Schwarzmanns Schlussfolgerung: Punks gammeln meist in und um Hauptbahnhöfen herum, weil sie nur dort und in S-Bahn oder Bussen aufrecht sitzen und ihre Frisur präsentieren können. Logisch.

Immer wieder kommt sie auf die Familie zurück. Sie bekomme einen Fluchtreflex, wenn ein Kind auf dem Spielplatz Durchfall bekommt und liebe ihren Mann am meisten, wenn er nicht da ist. Irgendwie kann sich jeder mit Schwarzmanns Geschichten identifizieren. Das Programm war, wie es heißt: Genau richtig.

Schwarzmann hatte ihre Praktikantin mitgebracht: Moni aus Tödtenried. Moni steht noch nicht so lange auf der Bühne und hat noch nicht ein so großes Publikum. Schwarzmanns Lösung war so einfach wie genial: „Ich leih’ ihr meines.“ Moni gab zwei ihrer selbst komponierten und getexteten Mundart-Pop-Folk-Songs zum Besten. Ihre Themen sind denen ihrer Mentorin ähnlich: das Leben, die Liebe, die Freiheit und die täglichen Herausforderungen.

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