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20.06.2018

Christkönig krönt die Kreuzung in Bergen

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3 Bilder
Eberhard Hilbich hat dieses Kreuz an der Einmündung der Kreis- in die Staatsstraße in Bergen gestiftet.
Bild: Friedrich Stettmayer

Professor Eberhard Hilbich hat dem Affinger Ortsteil eine moderne Darstellung in Edelstahl geschenkt. Erste Reaktionen hat er schon erhalten

Es ist nicht zu übersehen. Vor allem an hellen Sommertagen. Dann funkelt das neue Edelstahlkreuz ganz besonders stark im Sonnenschein. Seit wenigen Wochen prägt es die Bergener Ortseinfahrt aus Richtung Affing. Dort, wo die Derchinger in die Augsburger Straße mündet, steht das knapp vier Meter hohe, moderne Glaubenssymbol, das Professor Eberhard Hilbich nicht nur gestiftet, sondern auch entworfen und gebaut hat. Aus Dankbarkeit, wie er betont.

Hilbich lebt seit fast 50 Jahren in der Gemeinde Affing. Er saß 24 Jahre im Gemeinderat. Er ist, wie er sagt, voller Dankbarkeit „für das Leben in der Großgemeinde Affing“. Seine Spende sieht er in der bayerischen Tradition der Wegekreuze. In seinem Fall handelt es sich um ein Votivkreuz. Denn es sei „ein Dank des Spenders und seiner Familie für Segen, Gesundheit und Wohlergehen“, so der 79-Jährige.

Vor einem Jahr hat Hilbich mit den Arbeiten an dem Kreuz begonnen. Die aktuelle Auseinandersetzung mit dem Thema Kreuz, ausgelöst durch den Erlass von Ministerpräsident Markus Söder, war damals nicht absehbar. Hilbich wollte, wie er sagt, in der heutigen Zeit des Umbruchs ein Zeichen als Christ setzen. Die aktuelle Kreuzdiskussion bezeichnet er als merkwürdig. Ein Kreuz bringe Heil, wie könne es spalten, fragt er sich.

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Einigkeit indes war Hilbichs Idee im Affinger Gemeinderat nicht beschieden. Hinter verschlossenen Türen beriet das Gremium im März 2017 über die Schenkung. Es bat sich Bedenkzeit aus. Ein paar Wochen später gab der Rat ebenfalls nichtöffentlich seine Zustimmung. Einigkeit aber herrschte dabei nicht: Mit 12:9 stimmte der Gemeinderat der Aufstellung zu. Bürgermeister Markus Winklhofer sprach danach von einer „bewussten, reiflichen Überlegung“. Er selbst konnte sich mit der modernen Darstellung anfreunden. Im Gemeinderat aber war das offenbar nicht jedermanns Sache.

Inzwischen kann jeder Hilbichs Interpretation des Christkönigs sehen. Er habe sich bewusst gegen die Darstellung eines leidenden Christus entschieden. „Bis jetzt hab’ ich noch niemanden schimpfen hören“, sagt der Spender, dem klar ist, dass sein Werk polarisierend wirken könnte. Stattdessen hörte Hilbich: „Es ist so schön, wenn man in die Arbeit fährt und wird vom Kreuz angeschaut.“

Hilbichs Wahl beim Material fiel auf den haltbaren Edelstahl. Das Kreuz ist kugelgestrahlt, Jesus’ Textilien sind geschliffen, sein Antlitz hochglanzpoliert und der Stirnreif vergoldet. Ein darin gefasster Strassstein symbolisiert einen Blutstropfen der Dornenkrone. Hilbichs Christus beobachtet mit betont großen Augen, „was der Mensch in der Gegenwart aus seiner Schöpfung macht“. Seinen Gesichtsausdruck beschreibt Hilbich als hoheitsvoll, aber freundlich. Mit der leichten Neigung des Hauptes nehme Christus die Zwiesprache mit den Menschen auf, erläutert Hilbich. Es handle sich um eine seltene, „wenn nicht einmalige Darstellung eines freundlichen Kurzifixes“.

Zwei Freunde haben Hilbich geholfen, das Kreuz aufzustellen. Das Fundament hat einen Edelstahlkern, darüber haben sie das Kreuz gestülpt und verschraubt. Ein Denkmal habe er sich damit nicht setzen wolle, betont Hilbich. Sein Name sei zwar am Kreuz angebracht, aber nur zu finden, wenn man ihn suche. Das Kreuz sei für die Allgemeinheit. Deshalb lädt er die Bergener Bürger auch zur Einweihung ein. Diese findet am Samstag, 30 Juni, um 10.30 Uhr statt. Den Segen spendet Pfarrer Jakob Zeitlmeir gemeinsam mit einem evangelischen Kollegen. Unter den Gästen wird neben Bürgermeister Markus Winklhofer und Gemeinderäten auch Landrat Klaus Metzger sein. Danach gibt’s eine Brotzeit. „Das ist für mich ein Risiko, denn ich weiß nicht, wer kommt“, sagt Hilbich lachend. Aber er freut sich auf das Fest. Das Dorfleben ist ihm wichtig, der Zusammenhalt ebenso. Beides will er unterstützen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar „Diskutable Kunst am Kreuz“

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