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Projekttag

29.12.2015

Chuchu flieht aus seiner Heimat, weil er Christ ist

In Kleingruppen berichteten die Gäste beim Projekttag „Flucht und Asyl“ von ihren Erfahrungen. Bezirksjugendoffizier Peter Rief war 2013 in Afghanistan im Einsatz. Seit dem Abzug der Bundeswehr habe sich die Lage deutlich verschlechtert, erzählte er.
Bild: Katja Walther

Am Aichacher Gymnasium berichten Flüchtlinge, Soldaten und weitere Gäste von ihren Erfahrungen. Unter ihnen ist auch Chuchu, der von seiner Flucht aus Eritrea erzählt.

Chuchu ist ein Flüchtling. Er hat seine Heimat Eritrea aus religiösen Gründen verlassen. „Ich bin Christ und wollte meinen Glauben einfach frei ausleben können, ohne dafür in das Gefängnis zu müssen“, erzählt er der Schülergruppe, die ihm lauscht.

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Chuchu lebt im Landkreis Aichach-Friedberg. Er ist einer derjenigen, die beim Projekttag „Flucht und Asyl“ am Deutschherren-Gymnasium in Aichach von ihren Erfahrungen erzählen. In der dortigen Fachschaft Geschichte war die Idee entstanden, für die Schüler der 10. 11. und 12. Klassen einen Projekttag zum Thema Flüchtlinge zu organisieren.

Flüchtlinge, Asylhelfer und weitere berichten

Bei diesem berichten Flüchtlinge, Asylhelfer, aber auch Ehrengäste wie Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann oder Stadtpfarrer Herbert Gugler von ihren Erfahrungen. Die Schüler werden in Gruppen eingeteilt und haben jeweils zwanzig Minuten Zeit, sich mit den Gästen zu unterhalten – mit Gästen wie Chuchu.

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Die Flucht des Eritreers nach Deutschland gestaltete sich schwierig und dauerte zwei Monate, wie Chuchu in der Gesprächsrunde erzählt: „Als wir mit dem Schiff das Meer übersegelten, hatte ich schon sehr Angst.“ Chuchu musste seine Familie in Eritrea zurücklassen, hat aber Kontakt zu ihr. Momentan absolviert er eine Ausbildung zum Automechaniker.

Auch Viktor ist aus seiner Heimat geflohen. Der Nigerianer erzählt, dass er Deutschland sehr schön findet und in kürzester Zeit Arbeit als Koch gefunden hat. Viktor hat bereits in Italien eine Ausbildung zum Koch absolviert. In seinem Heimatland Nigeria wurde er des Mordes beschuldigt – einer Tat, die er nach eigener Aussage nie begangen hat. Da die Polizei ihn verfolgte, floh Viktor.

Ein Soldat erzählt von seinen Erfahrungen in Afghanistan

Von seinen Erfahrungen mit Asylbewerbern berichtet auch Franz Negele, Leiter der Geschwister-Scholl-Mittelschule Aichach. An der Schule gibt es eine Übergangsklasse, die nur aus Flüchtlingen besteht und das Ziel hat, den Schülern Deutsch beizubringen. „Einige der Schüler können noch nicht einmal schreiben oder lesen, andere wiederum schon“, sagt Negele. „Dennoch sind alle Schüler sehr bemüht die Sprache zu erlernen.“

Zu Gast ist beim Projekttag auch Bezirksjugendoffizier Peter Rief, der 2013 mit der Bundeswehr in Afghanistan im Einsatz war. „Die Menschen dort werden sehr von der Taliban unterdrückt und haben kaum eine eigene Meinung“, sagt er. „Als wir vor Ort waren, haben wir es geschafft, sie davon zu überzeugen, dass es für sie andere Möglichkeiten außer den Taliban gibt.“

Obwohl ihr Leben teils auf dem Spiel gestanden habe, hätten sich die Menschen in Afghanistan so stark wie nie zuvor an Wahlen beteiligt. Inzwischen habe sich die Lage jedoch wieder verschlechtert. „Seitdem wir dort abgezogen sind, gibt es wieder mehr Menschen, die sich den Taliban zuwenden“, so Rief.

Bei den Schülern kam der Projekttag gut an. „Meiner Meinung nach war er höchstinteressant“, sagt Florian Beck. „Man hat durch die Flüchtlinge vor allem deren persönliche Geschichte und Hintergründe für eine Flucht erfahren. So kann man sich nun besser in ihre Lage hineinversetzen und sie verstehen.“

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