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Aichach-Friedberg

10.12.2020

Corona: Für die neuen Stellen im Landratsamt zahlt der Staat

Im Landratsamt in Aichach und den Außenstellen sind laut Stellenplan im nächsten Jahr insgesamt 480 Beamte, Angestellte und Arbeiter beschäftigt.
Bild: Erich Echter (Archivfoto)

Plus Der Landkreis gibt 2021 rund 21,7 Millionen Euro für Mitarbeiter aus. Das liegt im Vergleich unter dem Schnitt. Streit gibt es wegen einer zusätzlichen Stelle.

Landrat Klaus Metzger legt besonderen Wert darauf: "Es gibt weit und breit keinen Landkreis, der beim Personal so sparsam wirtschaftet wie das Wittelsbacher Land." Das Landratsamt übe "äußerste Zurückhaltung" beim Stellenplan, und andere Landkreise würden sich im Blauen Palais erkundigen, wie das gehe. Das gelte auch in Krisenzeiten, betonte der Landrat bei den Haushaltsberatungen von Kreis- und Kreisentwicklungsausschuss. Da hatte er auch kurzzeitig Ärger mit einem der Kreisräte.

Im Plan steigt die Gesamtzahl der Beschäftigten zwar von exakt 466 im aktuellen Jahr auf genau 478 im nächsten. Dieser Zuwachs liegt aber vor allem an Einstellungen für das Gesundheitsamt in der Corona-Pandemie. Das ist eine staatliche Aufgabe, und diese Personalkosten bezahlt deshalb auch der Freistaat. Das kommunale Landratsamt soll zwei zusätzliche Stellen bekommen: eine im Jugendamt, die aufgeteilt wird für die Jugendgerichtshilfe und das Pflegekinderwesen. Die zweite Stelle ist für die Abteilung eins (Zentrale Angelegenheiten) und dort speziell für den Sitzungsdienst der Gremien des Kreistags. Im Kreisausschuss stimmte nur AfD-Fraktionschef Josef Settele gegen den Stellenplan.

AfD-Fraktionchef Settele wirft Landrat vor, nicht "richtig" informiert zu haben

Der fühlte sich in der Begründung der Personalabteilung für die Notwendigkeit dieser Stelle direkt angesprochen. Da heißt es nämlich, dass in den ersten sechs Monaten seit der im März gewählte neue Kreistag im Amt ist, deutlich mehr Anfragen und Anträge von Mitgliedern zu beantworten gewesen seien als in einer vergleichbaren Zeitspanne in der Wahlperiode zuvor. Dazu sei die Abteilung mit zwei Klagen vor dem Verwaltungsgericht konfrontiert worden, heißt es weiter in Sitzungsvorlage. Da steht zwar nicht AfD, die ist aber gemeint. Wie berichtet, klagte die Fraktion zunächst gegen die Besetzung des Rechnungsprüfungsausschusses und wollte dann Anfang November die Behandlung ihres Antrags im Kreistag für den Kostenersatz von Masken von Schülern im Eilverfahren vor Gericht durchsetzen - beide Male blitzte die rechtspopulistische Partei ab.

Settele wollte sich die Stelle nicht zuschieben lassen: Der Landrat hätte ja über die Sitzverteilung des Ausschusses "richtig" informieren können, dann hätte seine Fraktion nicht klagen müssen. Das ließ sich Metzger nicht gefallen: "So brauchen Sie mir nicht zu kommen." Das Gericht habe ja genau so entschieden, weil alles rechtmäßig abgelaufen sei. Eine spätere Wortmeldung Setteles, Personalstellen für Asylaufgaben seien die Finanzierung von "Wirtschaftsflüchtlingen", ließen Metzger direkt und mehrere Kreisräte mit Zwischenrufen ins Leere laufen.

Zusätzliches Personal für die Flüchtlingskrise wurde zum Teil wieder abgebaut

In der Flüchtlingskrise, die 2015 begann, wurde das Personal deutlich aufgestockt. 2016 hat der Kreistag dafür 35 neue Vollzeitstellen bewilligt. Es wurde aber nur ein Teil dieser zusätzlichen Stellen dann auch wirklich besetzt, beziehungsweise 8,5 Stellen sind wieder aus dem Stellenplan gestrichen worden, und einige davon wurden inzwischen anderen Sachgebieten im Landratsamt zugeordnet.

Was steigt, sind die Personalkosten. Für 2020 wurde mit rund 20,8 Millionen Euro kalkuliert, laut Hochrechnung bleibt der Kreis aber mit 20,5 Millionen darunter. Für 2021 sind jetzt 21,7 Millionen Euro veranschlagt. Wird der Kostenersatz für Personal durch andere Behörden abgezogen, würden die Nettokosten des Landkreises um 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr anwachsen. Mit den 21,7 Millionen bezahlt der Kreis die knapp 390 Mitarbeiter der eigenen Verwaltung. Weitere rund 90 Beamte und Beschäftigte, die am Landratsamt hoheitliche Aufgaben übernehmen, finanziert dagegen der Freistaat Bayern. Fast 200 der insgesamt 480 Angestellten, Beamte und Arbeiter arbeiten in Teilzeit. Alle zusammen besetzen in etwa 370 Vollzeitstellen. Die Personalkosten steigen vor allem durch Tariferhöhungen und Höhergruppierungen.

Fast jeder achte Euro des Haushalts geht ins Personal-Budget

Die sogenannte Personalquote, das Verhältnis zwischen Personalkosten und Gesamthaushalt, liegt 2021 bei 13,2 Prozent. Das bedeutet: In etwa jeder achte Euro des Etats wird für Mitarbeiter ausgegeben. Diese Quote lag für Aichach-Friedberg 1991 noch bei 18,5 Prozent, ging dann nahezu kontinuierlich zurück bis auf 11,2 Prozent im Jahr 2014, auch weil heute ein Teil der Aufgaben vergeben und nicht mehr mit eigenem Personal erledigt wird. Bis 2019 stieg die Quote bis auf 14 Prozent und geht seither wieder leicht abwärts. Trotz steigender Personalkosten und auch im Sachaufwand liegt Aichach-Friedberg im Vergleich (Personalkosten je Einwohner) zu den anderen Landkreisen in Schwaben und Bayern deutlich unter dem Durchschnitt. Der Sachaufwand spielt hier eine Rolle, weil alle Kommunen ihre Personalkosten auch durch Auslagerungen und Vergaben (zum Beispiel bei der Reinigung von Gebäuden) senken.

Dass die Personalquote nicht deutlich höher ist, liegt aber auch maßgeblich an den enormen Einnahmensteigerungen des Wittelsbacher Landes seit der Finanzkrise. Das Volumen des Gesamtetats ist in zehn Jahren von 2011 bis 2021 um über 70 Prozent gewachsen. Die Personalkosten lagen 2008 bei 10,5 Millionen Euro. Dreizehn Jahre später liegen sie laut Planansatz mit 21,7 Millionen Euro mehr als doppelt so hoch. Vor über einem Jahrzehnt waren beim Kreis insgesamt 370 Mitarbeiter beschäftigt, jetzt sind es 480.

Zahlen und Fakten aus der Personalstatistik des Landratsamtes

Arbeitgeber Der öffentliche Dienst insgesamt, von der JVA Aichach über Polizei, Schulen und Kommunen bis Vermessungsamt, ist mit Abstand größter Arbeitgeber im Wittelsbacher Land. Der Landkreis selbst beschäftigt rund 1100 Menschen. Neben den rund 620 Mitarbeitern in den Kliniken in Aichach und Friedberg sind es 2021 rund 480 Angestellte, Beamte und Arbeiter (entspricht in etwa 370 Vollzeitstellen) im Landratsamt und zugehörigen Dienst- und Außenstellen.

Frauenanteil 310 Frauen zählt das Personalamt in der Kreisverwaltung und den anderen Kreiseinrichtungen (ohne die Kliniken). Das entspricht in etwa einer Zwei-Drittel-Mehrheit (65 Prozent). Von insgesamt 28 Sachgebieten im Landratsamt werden zehn von Frauen geleitet.

Teilzeit 182 Frauen und 21 Männer arbeiten in Teilzeit in über 70 verschiedenen Modellen.

Ausbildung Rund 30 junge Menschen werden ausgebildet. Neu seit Herbst: vier Azubis als Verwaltungsfachangestellte, insgesamt sechs Beamtenanwärter in der zweiten und dritten Qualifikationsebene. Auch 2021 sollen zehn junge Angestellte und Beamtenanwärter ausgebildet werden.

Schwerbehinderte Im Jahr 2021 sind im Landratsamt 21 Arbeitsplätze (bisher 20) mit Schwerbehinderten besetzt. Pflicht sind für den Kreis 18 Plätze. Es muss also keine Schwerbehindertenabgabe bezahlt werden.

Staatspersonal Rund 90 Beamte und Beschäftigte (entspricht in etwa 75 Vollzeitstellen) für hoheitliche Aufgaben werden vom Staat bezahlt. Die Anzahl der Teilzeitstellen beim Staatspersonal ist im Vergleich zur gesamten Kreisverwaltung deutlich niedriger. In der Corona-Pandemie hat der Freistaat das Gesundheitsamt um knapp zehn Stellen aufgestockt.

Krankheitstage Die Zahl der Krankheitstage (Jahr 2019) liegt im Schnitt bei 10,8 Tagen. Niedrigste und höchste Zahlen der vergangenen Jahre: 2008 (8 Tage), 2011 (15,6). Bei den Beschäftigten allein sind es durchschnittlich 16,9 Krankheitstage. Laut Finanzministerium kommen alle Beschäftigten in Bayern auf 10,5 Tage (Jahr 2019). Bei den AOK-Versicherten beliefen sich die Fehltage in diesem Jahr im Schnitt auf 17,6 Tage.

Alter Das Durchschnittsalter liegt bei 44,4 Jahren. Die Frauen, 43, sind „jünger“ als die Männer, 47,6.

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12.12.2020

"Mit den 21,7 Millionen bezahlt der Kreis die knapp 390 Mitarbeiter der eigenen Verwaltung."
Durchschnittlich ca . 4600 Euro / Monat. Und Pensionsansprüche sind nicht aufgeführt. Respekt.

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