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Aichach

25.12.2020

Corona-Pandemie: So wirkt sie sich auf Kinder und Jugendliche aus

Im Corona-Jahr 2020 ist die tägliche Internetnutzungsdauer von Jugendlichen gestiegen.
Bild: Tobias Hase, dpa (Symbolbild)

Plus Der Aichacher Psychotherapeut für Kinder und Jugendliche, Michael E. Silc, hat praktische Tipps für Mütter und Väter in dieser herausfordernden Zeit.

Wie kommen Familien gut durch die Corona-Zeit? Den Rat eines Fachmanns hat die Koordinierende Kinderschutzstelle (KoKi), Netzwerk frühe Kindheit am Landratsamt eingeholt. Unter dem Motto "Besondere Zeiten gemeinsam meistern" gibt der Aichacher Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Michael E. Silc in einer Pressemitteilung Tipps für Mütter und Väter.

Viele Kinder sind traurig, weil sie ihre Freunde nicht sehen

Wie der Therapeut berichtet, werden die Auswirkungen der nun andauernden Corona-Pandemie in seiner täglichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen immer deutlicher. Kinder berichten von Traurigkeit, weil sie ihre Freunde oder Großeltern nicht wie gewohnt treffen dürfen. Ihnen fehle das unbeschwerte Spielen und die Interaktion mit Gleichaltrigen. Jugendliche berichten von Zukunftsängsten, Wut und Einsamkeit. „Sie kennen genau die aktuellen Kontaktregelungen und fokussieren sich auf diese“, weiß Silc aus seinen Gesprächen. Sich schnell ändernde Regeln, wie etwa die Information, an Silvester zehn Freunde treffen zu dürfen und dann doch wieder nicht, verunsichere Jugendliche und führe zu negativen Gefühlen.

 

Silc: Der Medienkonsum hat deutlich zugenommen

Auch der Medienkonsum habe deutlich zugenommen, und Auswirkungen des Homeschoolings würden immer deutlicher. „Aus längeren Phasen im Distanzunterricht, das heißt ohne direkter Beschulung in den Klassenzimmern, können sich soziale Ängste und Schulverweigerung entwickeln“, warnt Silc. Viele Schüler hätten bei Online-Beschulungen stärkere Konzentrationsprobleme und liefen Gefahr, in ein vermeidendes Lernverhalten zu kommen. Der Fachmann betont: "Hier müssen wir unsere Kinder und Jugendlichen ganz genau beobachten und gut begleiten." Je nach Altersgruppe reagierten Kinder und Jugendliche unterschiedlich auf die aktuelle Krise.

Silc: Eltern können ihren Kindern Sicherheit geben

Silc will in diesen Zeiten den Eltern die Botschaft mitgeben, dass sie es sind, die den Kindern durch ihr eigenes Verhalten Sicherheit in der Krise geben könnten. Für Eltern sei es im Regelfall schwer auszuhalten, wenn das eigene Kind traurig sei oder leide. Doch je kleiner das Kind, desto abhängiger sei es von der Haltung und Meinung der Eltern. So müssten Eltern sich immer die Frage stellen: „Wie wirke ich gerade auf mein Kind?“ Kinder, die stets im Hier und Jetzt leben und denken, würden sich auf die Reaktionen des familiären Umfelds verlassen. „Sich Zeit zu nehmen für ein Spiel, für einen Spaziergang im Wald oder auch mal einen lustigen Videocall mit Oma und Opa, daran erinnern sich Kinder“, sagt Silc.

Michael E. Silc, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Aichach.
Bild: Silc

Eltern von Jugendlichen, die ihren Freundeskreis vermissen, rät Silc, Verständnis für deren aktuelle Gefühlslage zu zeigen. Jugendlichen helfe es, von ihren Eltern zu hören: „Ich kann dich verstehen, das ist auch gerade nicht leicht, und ich kann sehen, dass du traurig bist.“ Sich Zeit nehmen, in Ruhe zuhören und Mut zugesprochen zu bekommen, helfe Jugendlichen viel mehr als eine von Erwachsenen oft praktizierte Suche nach einer sofortigen Lösung oder schnell gesagte Sätze wie „Das ist halt so“ oder „Das geht uns allen so“. Wenn Jugendliche sich verstanden und ernst genommen fühlten, seien sie kreativ genug, um nach eigenen Lösungen zu suchen, und entwickelten ein gesundes Selbstwertgefühl.

Psychotherapeut rät: Im Zweifelsfall Hilfe holen

Silc ermutigt alle Eltern, sich Hilfe zu holen, sollte sich ihr Kind sich über einen längeren Zeitraum anders verhalten, zurückziehen, wütend sein oder nicht mehr sprechen wollen.

Insgesamt hat der Psychotherapeut in den vergangenen Monaten nicht nur beim Nachwuchs die Fähigkeit entdeckt, dass er gut mit den Einschränkungen umgeht. Er habe auch erlebt, wie kreative und empathische Eltern, Erzieher und Lehrer mit der herausfordernden Zeit umgingen. „Empathie, Verständnis, Kreativität und eine gute Portion Humor sind die Eckpfeiler, die unsere Kinder für ein gesundes Selbstwertgefühl benötigen, dann sind sie stark genug, um auch in Zukunft alle Krisensituationen des Lebens gut zu meistern“, betont Silc.

Ratschläge: Eltern können die aktuelle Pressereihe „Besondere Zeiten gemeinsam meistern“ mit Anlaufstellen aktuell unter www.lra-aic-fdb.de/aktuelles/pressemitteilungen verfolgen.

Kontakt: Michael E. Silc, Steubstraße 6, 86551 Aichach, Telefon 08251/8949690.

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