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Aichach-Friedberg

23.12.2020

Corona: So kommen Ausreißer in der Sieben-Tage-Inzidenz zustande

Die Sieben-Tage-Inzidenz für Mittwoch musste das Robert-Koch-Institut ohne neue Fallzahlen berechnen. Auch der Wert unter 100 vergangene Woche war wahrscheinlich ein Fehler.
Bild: Christoph Lotter (Symbolbild)

Plus Das Robert-Koch-Institut meldet täglich neue Zahlen zur Corona-Sieben-Tage-Inzidenz, auf die ist aber nicht immer Verlass, denn sie schwanken stark. Warum?

Als das Robert-Koch-Institut (RKI) am vergangenen Freitag für den Landkreis Aichach-Friedberg eine Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 meldete, schien das ein Grund zum Jubeln. Am nächsten Tag stieg der Wert allerdings wieder auf 150. Relativ schnell war klar, dass so ein starker Ausreißer wahrscheinlich ein Fehler sein muss. Auch das Landratsamt Aichach-Friedberg geht davon aus. Landratsamtsprecher Wolfgang Müller sagt: "Es sieht aus, als wären Zahlen unterwegs hängen geblieben."

Der Meldeweg geht vom Landratsamt über das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zum RKI. Daher hinken die Werte des RKI prinzipiell denen des Landratsamtes hinterher. Da der Ausreißer Müller zufolge keine weiteren Konsequenzen hatte, ist das Landratsamt dem nicht nachgegangen.

Aichach-Friedberg: RKI kann Ausreißer nicht erklären

Eine Sprecherin des RKI kann auf Nachfrage ebenfalls keinen Grund für den Ausreißer am Freitag nennen. "Es ist schwer nachzuvollziehen, wann welche Daten kommen", erklärt sie. Allerdings zählt das RKI auf seiner Internetseite verschiedene Ursachen auf, die zu solchen Fehlern führen können: Die Sieben-Tage-Inzidenz basiert auf dem Meldedatum, also dem Zeitpunkt, an dem der Fall dem lokalen Gesundheitsamt bekannt wird. Wenn sich die Übermittlung der Zahlen verzögert, kann es laut RKI "zu einer Unterschätzung der Sieben-Tage-Inzidenz kommen."

Weiter heißt es auf der Internetseite des RKI, dass "Qualitätskontrolle" dazu führen könne, dass Datensätze ergänzt oder korrigiert würden. Die Sprecherin erklärt, dass manchmal auch Fehleingaben dazu führen können, dass Zahlen des RKI im ersten Moment falsch sind.

Sieben-Tage-Inzidenz sinkt wegen fehlender Zahlen

Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt am Mittwoch laut RKI im Kreis Aichach-Friedberg von 150,8 auf 131,4. Allerdings ist auch dieser Wert nur mit Vorsicht zu betrachten. Laut der Sprecherin hat das RKI keine neuen Zahlen vom Dienstag einberechnet, die aktuellsten Corona-Fälle stammen noch vom Montag. Also wird der Wert in den nächsten Tagen wahrscheinlich wieder hochkorrigiert.

Grund für die aktuelle Verzögerung ist ein Software-Update im Gesundheitsamt Aichach-Friedberg. Das Update hatte zur Folge, dass am Dienstag die Zahlen nicht mehr rechtzeitig übermittelt werden konnten. Eine weitere Folge der neuen Software ist, dass das Gesundheitsamt bei den aktuellen Corona-Zahlen Ungereimtheiten nicht ausschließt.

 

Die neue Software hat laut Wolfgang Müller zwei Gründe: Zum einen benötigte das Gesundheitsamt vor Ort eine bessere Software, zum anderen ist inzwischen eine einheitliche Schnittstelle vorgeschrieben. Ziel ist, dass ab 1. Januar nicht mehr die Gesundheitsämter die Corona-Fälle in einem Programm erfassen und dann wieder in einem anderen Programm neu eingeben müssen, um sie dem LGL und dann wiederum dem RKI zu melden. Künftig sollen die Daten bereits vom Labor im System erfasst werden und ab da für Gesundheitsamt, LGL und RKI abrufbar sein.

Corona: Zwei weitere Menschen in Aichach-Friedberg sterben

Während das RKI eine gesunkene Sieben-Tage-Inzidenz meldet, gibt das Landratsamt Aichach-Friedberg an, dass in den vergangenen sieben Tagen 238 Menschen im Landkreis positiv auf Corona getestet worden sind. Davon leben 39 in Aichach, 69 in Friedberg, 18 in Mering und 10 in Kissing. Außerdem sind im Zusammenhang mit der Pandemie zwei weitere Menschen gestorben. Einer war Bewohner am Haus an der Paar in Aichach. 32 Covid-19-Patienten werden momentan stationär am Aichacher Krankenhaus behandelt. Acht davon liegen auf der Intensivstation, sechs werden beatmet.

Im Laufe der vergangenen Wochen standen vor allem die Ausbrüche an verschiedenen Seniorenheimen im Fokus der Aufmerksamkeit. Das Gesundheitsamt erklärt am Dienstag das Ausbruchsgeschehen am Heilig-Geist-Spital in Aichach für beendet. Am Haus an der Paar wurden ein weiterer Mitarbeiter und ein weiterer Bewohner positiv getestet. Für den Freitag ist ein Reihentest geplant. Das Haus muss auch über die Feiertage weiter in Quarantäne bleiben. Auch am Pro Seniore in Friedberg ist ein weiterer Bewohner positiv getestet worden. Die Ergebnisse des vergangenen Reihentests sind noch nicht ausgewertet. Auch am Haus St. Hildegard in Pöttmes liegen die Ergebnisse noch nicht vor.

Das Landratsamt weist in seiner Mitteilung darauf hin, dass das Gesundheitsamt am 24. Dezember und am 1. Januar nicht besetzt, sondern nur in Notfällen mobil erreichbar ist. Fallbearbeitung und Kontaktpersonenermittlung laufen weiter.

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