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Premiere

18.11.2013

Das Geld und die Verlogenheit der Welt

Gierig warten die Erbschleicher darauf, was im Testament Volpones steht. (von links) Richter (Alf Neumaier), Voltore (Ferdinand Kreitmair), Corbaccio (Jörg Richartz), Corvina (Stefan Dauber) und Canina (Nicole Mahrenholtz).
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Gierig warten die Erbschleicher darauf, was im Testament Volpones steht. (von links) Richter (Alf Neumaier), Voltore (Ferdinand Kreitmair), Corbaccio (Jörg Richartz), Corvina (Stefan Dauber) und Canina (Nicole Mahrenholtz).

Das Aichacher Volkstheater erlebt eine besondere Reaktion des Publikums

Aichach Es geht um Geld, Geld und wieder Geld. Volpone, ein reicher venezianischer Kaufmann, treibt ein intrigantes Spiel. Er stellt sich todkrank und ruft damit eine ganze Schar von Erbschleichern auf den Plan. Die Laiendarsteller des Aichacher Volkstheaters stellen mit „Volpone“, einem Stück um die Gier nach Macht und Geld, ihr Können unter Beweis. Das Premierenpublikum am Samstag war begeistert. Während des Stückes gab es Szenenapplaus, am Ende standen die 150 Besucher auf, trampelten und spendeten lang anhaltenden Beifall. Damit honorierten sie die besondere Leistung der Spieler.

So nah wie diesmal waren die Zuschauer wohl noch nie dabei. Die Geschichte um den intriganten Volpone (Robert Predasch) spielt nicht nur auf der Hauptbühne. Auch auf zwei kleinen Nebenbühnen im Zuschauerraum gibt es kurze Szenen. Manchmal sitzen die Darsteller sogar direkt neben den Zuschauern, spazieren auf die Bühne und nehmen die Besucher dabei auch mal genau in Augenschein.

Minimalistisches Bühnenbild, überzeugende Darsteller

Das Bühnenbild selbst ist minimalistisch angelegt. Üppig ist jedoch das große Bett gestaltet, in dem der angeblich todkranke Volpone stöhnend seine Besucher empfängt und jubelnd auf ab und springt, wenn es seinem listigen Diener Mosca (Alexander vom Stein) wieder einmal gelungen ist, einem Besucher Wertvolles abzuschwatzen. Die beiden Hauptdarsteller stehen während der rund zweieinhalbstündigen Vorstellung fast ununterbrochen auf der Bühne und führen die meisten Dialoge. Es ist ein sprachliches Feuerwerk, das die Zuschauer erleben. Ausdrucksstark spielen die beiden Hauptdarsteller ihre Rollen.

Auch die anderen Darsteller verstehen es, in ihren Rollen zu überzeugen. Da ist Canina (Nicole Mahrenholtz), die Kurtisane, die jeden Mann sofort umgarnt. Corbaccio (Jörg Richartz), ein alter Wucherer, der Volpone beerben möchte. Dafür enterbt er sogar seinen Sohn Leone (Udo Artmann). Corvina (Stefan Dauber) ist krankhaft eifersüchtig, bietet seine Frau Colomba (Teresa Neumaier) trotzdem Volpone an. Und auch der Notar Voltore (Ferdinand Kreitmair) hofft, ein Stück vom Kuchen des Venezianers abzubekommen. Mosca spielt die Erbschleicher geschickt gegeneinander aus und stachelt sie dazu an, einander in ihren Gunstbezeugungen für den vermeintlich Sterbenden zu übertreffen. Weitere Schauspieler sind der Richter (Alf Neumeier), Diener (Elisabeth Drescher und Theresa Schilberth) und Sbirren (Anna Kuschke).

Das von Ben Johnson, einem Zeitgenossen Shakespeares, verfasste und von Stefan Zweig frei überarbeitete Stück spielt in Venedig. Das zeigt sich in den Kostümen, aber teilweise auch in der fantasievollen Schminke. Mit ein bisschen Farbe habe er versucht, das Venezianische hervorzuheben, sagt Florian Kreis, der erstmals beim Volkstheater Regie führt. Mit der Leistung seiner Darsteller ist der 33-jährige Regisseur sehr zufrieden. „Das Spiel mit dem Publikum ist sehr anspruchsvoll und sie machen das sehr gut“, lobt er. Ein so großes Stück zu spielen sei für alle eine Herausforderung gewesen, sagt Kreis. „Das Ergebnis kann sich sehen lassen“, findet er. „Volpone“ sei zu einem wirklich einmaligen Theatererlebnis herangereift. Mit ihrem Mut, sich zu zeigen, würden die Spieler es dem Publikum außerdem ermöglichen, sich inmitten des Theatergeschehens wiederzufinden. Donnernder Applaus am Ende der Vorstellung bestätigt den Regisseur in seiner Einschätzung.

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