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Aichach

21.01.2020

Das Wittelsbacher Museum wird neu konzipiert

Ungewohnte Leere: Neu konzipiert wird das Wittelsbacher Museum im Unteren Tor in Aichach.
4 Bilder
Ungewohnte Leere: Neu konzipiert wird das Wittelsbacher Museum im Unteren Tor in Aichach.
Foto: Claudia Bammer

Plus Das Untere Tor rückt bei dem Konzept von Archäologe Martin Straßburger verstärkt in den Blick. Bis zur Landesausstellung soll alles fertig sein.

Martin Straßburger trägt Arbeitshose. Er schleift im Unteren Tor in Aichach gerade alte Infotafeln ab, damit sie neu beschriftet werden können. Der Archäologe hat nicht nur das neue Konzept für das Wittelsbacher Museum erarbeitet, er legt bei den Arbeiten auch selbst Hand an. Schließlich ist noch einiges zu tun. Bis die Bayerische Landesausstellung Ende April beginnt, soll auch das Museum fertig sein.

Die Landesausstellung ist nicht der Grund für die Neukonzeption, aber ein „Beschleuniger“. Von seiner Gründung 1989 an bis Juli 2019 war das Museum eine Zweigstelle der Archäologischen Staatssammlung München. Für diese war das kleine Museum mit rund 2500 Besuchern im Jahr allerdings nicht wirtschaftlich zu betreiben.

Um das Museum dauerhaft zu erhalten, hat die Stadt die Trägerschaft übernommen. Es ist nun eine Zweigstelle des Stadtmuseums. Dessen Leiter Christoph Lang sagt: „Die Ausstellung war gut gemacht.“ Die ehrenamtlichen Leiter Robert Hurler und Theresia Sulzer hätten viel Herzblut investiert. „Sie haben dafür gesorgt, dass das Museum etwas ist, von dem man sagt: Das muss weitergehen“, sagt Lang. Nach mehr als 30 Jahren sei die Ausstellung aber überholungsbedürftig. Die Landesausstellung, die sich schließlich den Wittelsbachern widmet, habe einen gewissen Handlungsdruck erzeugt.

Derzeit sind die Handwerker am Werk: Neu konzipiert wird das Wittelsbacher Museum im Unteren Tor in Aichach. Das übernehmen Martin Straßburger (links) und Christoph Lang, Leiter des Stadtmuseums, zu dem das Wittelsbacher Museum nun gehört.
Foto: Claudia Bammer

Brandschutz muss im Wittelsbacher Museum erneuert werden

Bauamtsleiterin Carola Küspert sagt, auch ohne Neukonzeption hätte die Stadt tätig werden müssen: Der über 30 Jahre alte Brandschutz entsprach nicht mehr den aktuellen Vorschriften. Die Türen werden auf allen Ebenen durch rauchdichte ersetzt, auch die Brand- und Einbruchsmeldeanlage wird erneuert.

Außen haben die Bauhofmitarbeiter das Untere Tor 2019 schon neu gestrichen. Innen müssen die Räume auf den vier Etagen noch für die Ausstellung hergerichtet werden. Bis auf einige Vitrinen, die weiterhin genutzt werden, sind sie leer geräumt. Die Räume sind frisch gestrichen, teilweise musste der Putz ausgebessert werden. Der Holzdielenboden wird stellenweise abgeschliffen. Arbeiten an der Elektrik, der Beleuchtung und der Alarmanlage stehen noch aus.

Spätestens bis Ende März, Anfang April müssen die Handwerker fertig sein, sagt Christoph Lang. Denn dann muss es zügig an die Einrichtung gehen. Lang sagt: „Das wird ein Kraftakt.“ Dennoch ist er zuversichtlich, dass alles rechtzeitig fertig wird. Das liegt auch an Martin Straßburger. Er ist als Projektmanager vorerst bis 2022 in Teilzeit eingestellt. Finanziert wird die Stelle über die Leader-Förderung der Europäischen Union (EU), die die Stadt für das Museum bekommt. Straßburger hat Langs Grobkonzept ausgearbeitet und scheint die komplette Ausstellung schon vor Augen zu haben. Der Zeitraum, den das Museum widerspiegelt, wird etwas verändert, das Gebiet vom Landkreis auf die Stadt konzentriert.

Das Wittelsbacher Museum ist im Unteren Tor zu finden. (Archivfoto)
Foto: Erich Echter

Die Burg der Wittelsbacher und das Grubet im Aichacher Museum

Der erste Stock wird einen Überblick über die Aichacher Landschaft und Siedlungsgeschichte geben von der Jungsteinzeit bis ins Hoch- und Spätmittelalter. Infotafeln werden von Schlüsselfunden ergänzt. So ist zum Beispiel zum Neolithikum, der Jungsteinzeit, der Dolch von Oberwittelsbach zu sehen. Thema wird nun auch das denkmalgeschützte Untere Tor selbst sein. Der Turm war Teil der Stadtbefestigung, die Untergeschosse stammen aus dem Jahre 1418. „Er ist bisher zu kurz gekommen“, findet Straßburger.

Die zweite Etage widmet sich dem Grubet und dem Bergbau dort. Beides hat Straßburger selbst ausgiebig erforscht und auf einem archäologischen Freigelände erlebbar gemacht. Im Museum wird ein Grabungsfeld mit Schichten und Funden zu sehen, ebenso die Werkzeuge der Archäologen und ein Rennofen.

Der dritte Stock steht passend zur Landesausstellung im Zeichen der Wittelsbacher mit ihrem Stammsitz in Oberwittelsbach, und zwar vom Bau der Burg bis zu ihrem Ende 1208/09. Lang betont: „Die Burg bleibt das wichtigste Thema als identitätsstiftender Ort.“ Die Besucher sollen eine Vorstellung vom Leben dort bekommen, von den Essgewohnheiten ebenso wie von der Wasserversorgung oder der Freizeitgestaltung. Kinder können ein Kettenhemd anziehen und sich wie ein Ritter fühlen.

Ausblick: Vom Unteren Tor aus ist der Alte Friedhof zu sehen.
Foto: Claudia Bammer

Der vierte Stock wird mit dreidimensionalen Rekonstruktionen neben den Fenstern Einblicke in verschiedene Epochen der Aichacher Vergangenheit geben. So wird neben dem Fenster in Richtung Oberwittelsbach die Burg um 1200 mit Ritter und Dame zu sehen sein, neben einem anderen Fenster der Stadtplatz im 15. Jahrhundert samt einem Kaufmann mit seiner Frau.

Nach Ende der Landesausstellung sollen einige multimediale Elemente aus der Ausstellung im „Feuerhaus“ dauerhaft ins Wittelsbacher Museum ziehen. Ergänzend denkt Straßburger über eine App für Smartphones nach, die vor Ort frühere Gebäude erlebbar macht, und über spezielle Führungen am Burgplatz und im Grubet.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Wittelsbacher Museum stiftet Identität

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