Newsticker

Bayerns Ministerpräsident Söder sieht Kampf gegen Corona in entscheidender Woche
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Das bringt das neue Gesetz im Pflegealltag

Aichach-Friedberg

17.02.2015

Das bringt das neue Gesetz im Pflegealltag

Die alten Lieder bleiben im Kopf. Singen geht immer bei den älteren Gästen der Tagespflege beim BRK in Aichach. Übrigens: Die Frau mit den Stricknadeln, Frau Unverdorben, hat nicht nur weitergestrickt, sondern auch eine astreine zweite Stimme dazu gesungen, während Wilma John (stehend) und Nina Daumiller (sitzend) kräftig mitsingen.
Bild: Martin Golling

Pflegende Angehörige sollen entlastet werden. Wir erklären, was das neue Gesetz bringt und wo Betroffene Hilfe erhalten.

Aichach Wer zu Hause ein Familienmitglied pflegt, der weiß, warum er abends oft todmüde ins Bett fällt. Wenn er auch nachts noch stark gefordert ist, merkt dieser Mensch vor lauter Anspannung oft nicht, dass sein persönlicher Kraftvorrat aufgezehrt ist. Solche Erschöpfungssyndrome kommen häufig vor.

Sie machen die häusliche Pflege für die Kassen unter dem Strich wieder teurer. Der Gesetzgeber hat deshalb das „Pflegestärkungsgesetz 1“ geschaffen, dass am 1. Januar 2015 in Kraft getreten ist. Es soll für Nachbesserungen sorgen.

Die Zuschüsse für nötige Umbaumaßnahmen zu Hause sind erhöht worden. Das Pflegegeld ist um 2,7 Prozent gestiegen, das Geld für die Pflegesachleistungen um vier Prozent. Sogar verdoppelt haben sich die Sätze für Sachleistungen in der Tagespflege.

Das sind beispielsweise in der Pflegestufe 1 jetzt 468 Euro. Bisher gab es 225 Euro. Allerdings: Nur wer seine Angehörigen einige Male im Monat in die Tagespflege schickt, um Zeit für seine eigene Regeneration zu haben, der hat auch Anspruch auf Abruf dieser Tagespflegesachleistungen.

Was bedeutet das konkret? Wilma John, die Leiterin der Tagespflege beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) in der Rosenau in Aichach nennt Zahlen: „In der Pflegestufe 1 können pflegende Angehörige ab dem 1. Januar ihr zu pflegendes Familienmitglied zehn bis zwölf Mal pro Monat in die Tagespflege geben, ohne draufzahlen zu müssen. Eine enorme Erleichterung.“

Den größten Leistungssprung sieht John ab der zweiten Pflegestufe: „Ab da können sie ihre Angehörigen theoretisch fünf Mal pro Woche in die Tagespflege entlassen, ohne großen finanziellen Aufwand.“

John erklärt dies mit dem Tagessatz, den Institutionen wie das BRK mit den Pflegekassen abrechnen können: 33 Euro in der Pflegestufe 1 pro Tag und 37 Euro in der Stufe 2. Zu den Tagessätzen kommt der gesetzliche Eigenanteil für Verpflegung und Unterkunft von knapp 16 Euro pro Tag.

Die zusätzlichen Betreuungsleistungen von 104 Euro oder 208 Euro, je nach Pflegeaufwand, können diesen Eigenanteil zum Teil abdecken. Die Leiterin der BRK-Tagespflege sagt: „Diese Geldbeträge in der Tagespflege sind pure Sachleistungen. Wer das nicht in Anspruch nimmt, der schenkt das her. Da spart sich die Kasse das Geld und der Angehörige opfert Zeit, die er dringend für seine eigene Gesundheit bräuchte.“

Bei der Tagespflege des BRK werden die Pflegebedürftigen mit dem Bus am Vormittag abgeholt und nachmittags ab 16 Uhr wieder zurückgebracht, führt Wilma John aus, während vom Gemeinschaftsraum her gerade das Volkslied „Muss i denn zum Städtele hinaus“ erklingt.

Wilma John lauscht kurz und sagt lachend: „Wir haben uns selber ein Liederbüchlein gemacht und singen Volkslieder, die unsere Gäste aus ihrer Jugend kennen, wir backen mit ihnen Kuchen, einmal pro Woche kochen wir mit ihnen und heute Nachmittag steht zum Beispiel Tai Chi auf dem Programm.“

Joachim Bauch ist Pflegedienstleiter beim ambulanten Pflegedienst des BRK Aichach. Er bewertet die neuen Tarife so: „Zum einen bringen die Erhöhung von Pflegesachleistungen und Pflegegeld finanzielle Entlastung. Mindestens genauso wichtig ist meiner Meinung nach, dass pflegende Angehörige nun mehr Angebote wahrnehmen können, sich selbst Freiräume zu schaffen.“

Durch die Stärkung der Tagespflege hätten mehr Pflegende nun die Möglichkeit, ihren Angehörigen für einen oder mehrere Tage pro Woche in einer Tagespflege betreuen zu lassen, um auf diese Weise mehr Zeit für sich zu haben, so Joachim Bauch.

Und wie sieht es aus mit Pflegeplätzen in der Tagespflege? „Wir haben noch Plätze frei“, sagt Wilma John vom BRK Aichach. Das gilt auch für die Tagespflege des Pflegezentrums Ederer in Mering. Immer wieder werden auch Plätze bei der Tagespflege des BRK in Friedberg frei.

Beratung Jede Pflegesituation ist anders. Wie kann man die Leistungen am besten für sich nutzen? Beratung gibt es bei den Mitarbeitern der Seniorenberatung unter Telefon 08251/872233. Für persönliche Gespräche können Termine in Aichach, Friedberg oder Mering vereinbart werden.

Informationen zum Pflegestärkungsgesetz gibt es beim Bundesgesundheitsministerium.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren