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Aichach

31.07.2020

Das ist Mr. TSV Aichach - die Erfolgsgeschichte des Klaus Laske

Klaus Laske legt am heutigen Freitag auf der Jahreshauptversammlung nach 50 Jahren sein Amt als Vorsitzender des TSV Aichach nieder. Der 77-Jährige blickt zurück.
Bild: Sebastian Richly

Plus Vor 50 Jahren wird Klaus Laske unfreiwillig Vorsitzender des TSV Aichach. Nun tritt der 77-Jährige ab – von Faulheit, Zufällen und Liebe auf den ersten Blick.

Den großen Fußballkaiser Franz Beckenbauer lehrte er als Torwart das Fürchten, und auch die nationale Sprintelite zitterte bei den deutschen Meisterschaften in Augsburg vor der Schnelligkeit eines Klaus Laske. Sein größter Erfolg ist aber zweifelsohne ein „Turnverein“ – konkret der Turn- und Sportverein TSV Aichach. „Dabei hatte ich vom Turnen gar keine Ahnung“, gibt Laske zu. Vor mehr als 50 Jahren übernahm der damals 27-Jährige den Vorsitz. Damals gab es acht Abteilungen mit rund 600 Mitgliedern. Ein halbes Jahrhundert später sind es 2800 verteilt auf 18 Abteilungen und der Vorsitzende ist immer noch der Gleiche – zumindest bis heute Abend.

Selbst Klaus Laske tut sich schwer, alle Sportangebote seines Vereins aufzuzählen. „Zum Glück kenne ich mich nicht überall aus. Das brauche ich aber auch gar nicht. Ich lasse meine Abteilungen an der langen Leine, auch wenn es Regeln gibt, die eingehalten werden müssen.“ Nur zwei Mal musste Laske eingreifen und den Abteilungsleiter austauschen: „Mein Erfolgsgeheimnis war mein gutes Team. Ich habe nicht von allem eine Ahnung und genau da habe ich mich auch rausgehalten. Ohne meine langjährigen Wegbegleiter hätte ich das nicht geschafft.“

Klaus Laske hört nach 50 Jahren als Vorsitzender des TSV Aichach auf. Im Video-Interview spricht er unter anderem über seine persönlichen Höhenpunkte in dieser Zeit.
Video: Sebastian Richly

Laske, obwohl als Leichtathlet und Fußballer selbst im leistungsorientierten Amateursport sehr erfolgreich, setzte als TSV-Vorsitzender konsequent auf den Breitensport: „Das war uns immer am Wichtigsten. Es ist heute schön zu sehen, wie alle Altersklassen auf dem Gelände vertreten sind in so vielen verschiedenen Sportarten.“ Bewusst wollte Laske keine Fußballer in seinem Verein: „Selbst in niedrigen Klassen werden Gehälter an die Spieler gezahlt. Das würde nur Unruhe in den Verein bringen.“ Überhaupt ging es dem Bankkaufmann stets um die finanzielle Gesundheit des TSV Aichach.

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Das hat Klaus Laske beim TSV Aichach bewegt

Einfach war es nicht immer, denn 1974, vier Jahre nach Amtsantritt, geriet der TSV nach der Renovierung der TSV-Halle in eine finanzielle Notlage. Laske spricht von rund 400.000 Mark Schulden. „Wir hätten Konkurs anmelden können, doch ich wollte den Verein Schritt für Schritt aus der Krise führen.“ Durch die Anhebung der Mitgliedsbeiträge konsolidierte sich der Verein, Anfang der 90er-Jahre war der TSV schuldenfrei: „Ich habe nie daran gedacht, hinzuschmeißen. Das hätte dem Verein auch nicht geholfen. Die Mitglieder haben unseren Weg mitgetragen und so wurde das Ganze eine Erfolgsgeschichte.“

Als Höhepunkt seiner Amtszeit nennt Laske die Qualifikation zur Weltmeisterschaft im Kunstturnen 1988 in Aichach. Besonders stolz ist Laske auch auf die Fertigstellung der Sportbox 2019, wobei er hier die Lorbeeren an Ehefrau Brigitte weitergibt: „Ich bekam das Angebot, das Gelände zu kaufen, habe aber im ersten Moment abgelehnt. Meine Frau hat mir aber sofort den Kopf gewaschen. Das war eines der seltenen Male, dass wir unterschiedlicher Meinung waren.“

Überhaupt verdankt Mister TSV Aichach seiner Frau viel: „Das hat bei uns perfekt gepasst. Sie war und ist als Sportlerin und BLSV-Kreisvorsitzende auch viel unterwegs und so haben wir beide ehrenamtlich immer viel zu tun gehabt. Streit gab es nie, obwohl wir nicht viel Zeit zu zweit hatten. Wir haben uns gegenseitig unterstützt, der Sport verbindet uns.“ Schon bei der ersten Begegnung im Jahr 1962 hatte es gefunkt – zumindest für Klaus Laske: „Für mich war es Liebe auf den ersten Blick.“ Laske, damals als Fußballer in Diensten des BC Aichach, nahm aus einer Laune heraus an den Leichtathletik-Stadtmeisterschaften teil. Sensationell gewann er über die 100 Meter gegen die favorisierte Konkurrenz: „Ich wusste, dass ich schnell bin, aber damit habe ich niemals gerechnet“, so Laske.

Klaus Laske tritt nach 50 jahren nicht mehr als Vorsitzender des TSV Aichach an. Seine Ehefrau Brigitte brachte ihn einst zum TSV.
Bild: Sebastian Richly

Klaus und Brigitte Laske - das Traumpaar des Aichacher Sports

Zur Belohnung gab es ein Küsschen von einer jungen Frau. Brigitte Laske erinnert sich: „Es war damals üblich, auf die Weise zu gratulieren. Er kannte das vom Fußball wohl nicht.“ Ein Paar wurden die beiden aber erst ein halbes Jahr später. „Am 15. Februar 1963, 21.45 Uhr – Rosenmontagsball“, Klaus Laske hat noch immer das Datum und sogar die Uhrzeit parat. Drei Jahre später folgte die Hochzeit. Der Faschingsball bildete gleichzeitig den Startschuss für Laskes Leichtathletik-Karriere. Treibende Kraft für den Wechsel vom Tor auf die Tartanbahn war Brigitte. „Ich war in der Ausbildung und wir haben uns nicht viel gesehen. So konnten wir wenigstens die Tage bei den Wettkämpfen gemeinsam verbringen“, erinnert sich Klaus Laske.

Über die 100 Meter gewann der Spätstarter mehrere Kreismeisterschaften und schwäbische Titel. Zusammen mit Bruder Reiner, Herbert Braun und Manfred Neumann stellte Laske auch den Vereinsrekord über die 4x100-Meter 1965 auf – die 43,7 Sekunden haben bis heute Bestand. Mit einer Sondergenehmigung dürfte sich Laske sogar bei den deutschen Meisterschaften in Augsburg mit den besten nationalen Sprintern messen. Im Vorlauf lag Laske sensationell bis zur 60-Meter-Marke vorne, schied dann aber noch aus. „Meine Frau war völlig perplex. Die anderen waren viel trainierter und konnten durchziehen. Dafür fehlte mir die Kraft. Ich war richtig trainingsfaul und hätte eigentlich mehr erreichen können“, so Laske, der aber betont: „Ich bereue nichts. Schließlich dürfte ich sogar Autogramme geben.“

Die 4x100-Meter-Staffel des TSV Aichach läuft 1965 einen Vereinsrekord für die Ewigkeit: (von links) Herbert Braun, Manfred Neumann, Klaus Laske und Reiner Laske.
Bild: Archiv

Klaus Laske lässt Franz Beckenbauer verzweifeln

Ein Autogramm wollte Franz Beckenbauer zwar nicht, aber beeindruckt hatte Laske den Fußballkaiser dennoch. In einem Testspiel zwischen dem BC Aichach und dem FC Bayern München scheiterte Beckenbauer immer wieder am Torhüter. Auch wenn die Münchner am Ende siegten, stand der heimliche Held im Team des BCA: „Beckenbauer war richtig sauer. Ich habe tatsächlich einige Dinger rausgeholt, die ich sonst nicht gehalten hätte. Sogar Gerd Müller hat nur ein Tor gemacht“, erinnert sich Laske an das Spiel seines Lebens. Dennoch verließ Laske das Tor des BCA 1963. Zwar kehrte er von 1966 bis 1968 nochmals zum Fußball zurück, doch wartete eine größere Aufgabe auf den jungen Bankkaufmann. Dass Laske Vorsitzender des TSV Aichach wurde, war aber ein Zufall.

Zunächst war er als Stellvertreter eingeplant. Doch acht Tage vor der Jahreshauptversammlung musste der eigentliche Kandidat berufsbedingt absagen und die Wahl fiel auf Laske: „Ich war völlig überrascht und habe gezögert. Schließlich habe ich mich dann aber überreden lassen.“ Ehefrau Brigitte war damals wenig begeistert, schließlich übernahm Laske den Vorsitz nach 20 Jahren von ihrem Vater Hanns Muck: „Ich wusste, was das für eine Verpflichtung ist und was damit alles einhergeht. Ich habe ihn gewarnt, aber er wollte nicht auf mich hören.“

Der Start als TSV-Chef verlief aber alles andere als geplant. Nur ein halbes Jahr nach der Versammlung starb Laskes Schwiegervater und damit sein wichtigster Ansprechpartner. Insbesondere durch die Unterstützung seiner Schwiegermutter Gertrud Muck, die lange Jahre als Hauptkassier im TSV tätig war, überwanden Laske und Co. auch diese Krise. Ans Aufhören dachte der Aichacher lange nicht nach: „Das war immer ein Automatismus und stand außer Frage. Ich wollte das eigentlich nie so lange machen.“

Vom damaligen Staatssekretär Georg Schmid bekommt Klaus Laske das Bundesverdienstkreuz für seine ehrenamtlichen Tätigkeiten.
Bild: Lea Thies

So geht es für Klaus Laske jetzt weiter

Nach 30 Jahren im Amt kam Laske erstmals der Gedanke, aufzuhören. Doch erst 20 Jahren später übergibt er nun auf der Jahreshauptversammlung am Freitagabend den Vorsitz an Richard Hangl. Laske: „Ich hatte schon oft angekündigt, aufzuhören, aber nie nahm es jemand ernst und so bin ich geblieben. Du brauchst aber auch den richtigen Nachfolger. Den habe ich jetzt und deshalb kann ich ruhigen Gewissens aufhören.“

Ob er etwas vermissen wird? Über diese Frage muss Laske lange nachdenken: „Das werde ich erst dann wissen, wenn es so weit ist. Langweilig wird mir aber sicher nicht werden.“ Denn der 77-Jährige hat noch weitere ehrenamtliche Posten. 2004 erhielt er für seinen Einsatz das Bundesverdienstkreuz. Jetzt freut sich der 77-Jährige auf seine dazu gewonnene Freizeit: „Durch die Corona-Krise hatte ich jetzt schon etwas mehr Zeit. Wir werden sicher noch mehr Kartenspielen und Kochen – das habe ich für mich entdeckt.“

Klaus Laske - Mr. Ehrenamt

TSV Aichach

  • 1966-1968 Abteilungsleiter Leichtathletik und Mitglied Turnrat
  • 1968-1979 Wirtschaftsbeirat und Mitglied Turnrat
  • Seit 1970 Vorsitzender

Stadtverband der Sport- und Schützenvereine

  • 1991-1999 Vorsitzender
  • Seit 1999 Mitglied Vorstand

Bayerischer Landes- und Sportverband (BLSV)

  • Seit 1977 Mitglied Kreisvorstand
  • 2013-2018 Revisor im Bezirk
  • Seit 2018 Mitglied Aufsichtsrat

Bayerischer Turnverband

  • 1973-1976 Stellvertretender Vorsitzender Gau Augsburg
  • 1976-1978 Stellvertretender Vorsitzender Bezirk Schwaben
  • 1978-1978 Vorsitzender Bezirk Schwaben

Politik

  • 1972-1990 Stadtrat und Sportreferent
  • 1984-1990 Mitglied im Kreistag Aichach-Friedberg

Sonstiges

  • 1973-1979 Vorsitzender Faschingsgesellschaft Paartalia

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