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Landtagswahl 2018

06.10.2018

Das sind die Kandidaten im Wittelsbacher Land

Die Kandidaten bei der Podiumsdiskussion unserer Zeitung (von links) Simone Strohmayr (SPD), Christina Haubrich (Grüne), Peter Tomaschko (CSU), Karl-Heinz Faller (FDP) und Josef Settele (AfD).

Am 14. Oktober können Sie abstimmen, welcher Politiker Aichach-Friedberg im Landtag vertreten soll. Wir stellen ihnen die Direktkandidaten vor.

Am 14. Oktober ist es soweit: Bei den Landtagswahlen entscheiden Sie, wer das Wittelsbacher land künftig im bayerischen Landtag in München vertritt. Wir stellen Ihnen die Kandidaten vor. (Newsletter zur Landtagswahl)

Der Stimmkreis Aichach-Friedberg (identisch mit dem Landkreis) ist seit Jahrzehnten fest in der Hand der CSU. Auf Georg Fendt (Friedberg) folgte Christian Knauer (Aichach) und dann Reinhard Pachner (Friedberg) als direkt gewählter Abgeordneter. Peter Tomaschko (Merching) holte das Mandat bei seinem ersten Anlauf vor fünf Jahren mit 52,5 Prozent der Erststimmen. Eine absolute Mehrheit ist allerdings nicht notwendig, es reicht eine sogenannte relative Mehrheit. Das heißt, der Kandidat mit den meisten Erststimmen in einem Stimmkreis zieht direkt ins Parlament ein. Insgesamt treten zehn Direktkandidaten an.

CSU: Peter Tomaschko aus Merching

Warum wollen Sie Landtagsabgeordneter bleiben?

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Tomaschko: Weil ich mich gerne für meine Mitmenschen einsetze und mich um deren Anliegen kümmere. Als Abgeordneter habe ich zudem die Möglichkeit, die Zukunft mitzugestalten und dazu beizutragen, dass sich unser Wittelsbacher Land bestmöglich entwickeln kann. Was qualifiziert Sie für diese Aufgabe? Tomaschko: Meine über 20-jährige kommunalpolitische Erfahrung sowie das gute Netzwerk, das ich mir in den letzten fünf Jahren im Landtag aufbauen konnte. Deshalb freut es mich besonders, dass ich durch meinen Einsatz dazu beitragen konnte, dass in der letzten Legislaturperiode über 600 Millionen Euro in unsere Gemeinden und den Landkreis geflossen sind.

Peter Tomaschko

Welches politische Projekt für den Landkreis Aichach-Friedberg würden Sie als erstes im Maximilianeum anpacken?

Tomaschko: Ganz besonders wichtig ist mir die rasche Umsetzung und bestmögliche Förderung des Neubaus der Vinzenz-Pallotti-Schule in Friedberg. Dort wird seit Jahren hervorragende Arbeit geleistet und es ist mir ein besonderes Anliegen, die Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf auch in Zukunft optimal zu unterstützen. Was wollen Sie in den nächsten fünf Jahren im Landtag für das Wittelsbacher Land alles erreichen? Tomaschko: Es gibt viele, für die Menschen im Landkreis äußerst wichtige Projekte, die ich in den nächsten Jahren anpacken möchte. Dazu gehört der weitere Ausbau der Kinderbetreuungsmöglichkeiten genauso wie kraftvolle Investitionen im Bildungsbereich, insbesondere für mehr Lehrerstellen und die Ausstattung unserer Schulen. Zudem benötigen wir weitere Investitionen in Wohnbauprojekte und Straßenbaumaßnahmen und dürfen gleichzeitig das wichtige Thema Innere Sicherheit nicht aus den Augen verlieren. Vor allem ist es mir persönlich ein Anliegen, auch in Zukunft unsere Kommunen im Landkreis mit ganzer Kraft zu unterstützen.

Die geplante Augsburger Ostumgehung führt mitten durch den Kreis. Setzen Sie sich als Abgeordneter für oder gegen dieses Verkehrsprojekt ein?

Tomaschko: Bei den aktuell laufenden Vorplanungen geht es schon lange nicht mehr um eine Osttangente, sondern es geht darum, die Bürgerinnen und Bürger in Friedberg, Kissing und Mering durch Ortsumfahrungen zu entlasten. Im Kreistag haben wir uns festgelegt: Die B 2 neu soll möglichst flächensparend auf Bestandsstraßen verwirklicht werden und dabei ist den Belangen der Landwirtschaft sowie des Umwelt- und Naturschutzes Rechnung zu tragen. Wir wollen mit der Maßnahme vor allem die Verkehrssicherheit und den Verkehrsablauf auf den Hauptverkehrsstraßen verbessern und die von Lärm- und Schadstoffen belasteten Straßenanlieger entlasten. Dabei wird die Straßenverbindung zwischen Mering und der B 17 bei Oberottmarshausen in den nächsten Jahren planerisch nicht weiterverfolgt.

Welche Überschrift möchten Sie am Montag nach der Wahl nicht in der Zeitung lesen?

Tomaschko: AfD zieht in den Bayerischen Landtag ein.

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Die besten Bilder der Podiumsdiskussion
Bild: Erich Echter

SPD: Simon Strohmayr aus Stadtbergen

Warum wollen Sie Landtagsabgeordnete bleiben?

Strohmayr: Schon lange bevor ich in die Landespolitik ging, war (und bin) ich als SPD-Politikerin im kommunalen Bereich, also als Stadt- und Kreisrätin, tätig. Ich wollte Politikerin werden, um etwas verändern und bewegen zu können. Diesen spannenden und verantwortungsvollen Aufgaben wollte ich mich auch im Landtag stellen. Und natürlich ist es mir ein Anliegen, als Frau in der Landespolitik mitzuwirken, denn die Zahl der Parlamentarierinnen sinkt.

Was qualifiziert Sie für diese Aufgabe?

Strohmayr: Cicero, wohl einer der berühmtesten der Spezies Politiker, war der Sohn eines römischen Ritters aus einer kleinen Provinzstadt und als solcher für die politische Karriere wenig prädestiniert. Seine wichtigsten Eigenschaften: Fleiß, Ehrgeiz, eine gute Bildung, und er war ein Rhetorik-Ass. Er sagte einmal: Nur wer umfassend gebildet, charakterlich gefestigt und ohne Makel ist, ist sozusagen für diesen Beruf geeignet. Für meinen Teil kann ich nur sagen: Ich bin seit inzwischen 15 Jahren skandalfrei und ohne Unterbrechungen in der Landespolitik und habe auch die Expertise. Und wenn Sie so lange im Geschäft sind, kann Sie auch nichts mehr so schnell umhauen. Ich bin auch noch lange nicht müde, mich für die Belange der Menschen einzusetzen und in einer Gesellschaft, die von rechtsorientierten Gruppierungen bedroht ist, auf solide, soziale und demokratische Werte zu bestehen.

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Simone Strohmayr

Welches politische Projekt für den Landkreis würden Sie als Erstes im Maximilianeum anpacken?

Strohmayr: Ganz klar, Bildung. Da haben wir jetzt schon damit angefangen. Der spezielle Fokus liegt für mich im Augenblick auf der Befristung von Lehrerinnen und Lehrern. Dazu habe ich eine Petition gestartet: „Zeit für Bildung“, die Lehrerinnen und Lehrern und auch den Erzieher- und Pflegeberufen dabei helfen soll, dass sie endlich Perspektiven erhalten. Wer keinen vernünftigen Vertrag hat, der kann auch nicht sein Leben und seine Familie planen. Und auch die Schulkinder profitieren von einer guten personellen Situation. Denn Bildung hat mit Beziehung zu tun. Da ist es nicht gut, wenn Lehrerinnen und Lehrer ständig wechseln. Insgesamt waren 6957 Lehrkräfte in Bayern im Jahr 2016 nur mit befristeten Verträgen angestellt. Das sind knapp 800 Lehrerinnen und Lehrer mehr (13 Prozent) als noch 2012.

Was wollen Sie in den nächsten fünf Jahren im Landtag für das Wittelsbacher Land alles erreichen?

Strohmayr: Für mich sind die wichtigsten Themen „FFB“ – Frauen, Familie und Bildung. Und Wohnen. Bildung: Chancengleichheit ist eines der Kernthemen der SPD. Dafür brauchen wir deutlich kleinere Klassen, eine ausreichende Anzahl an Lehrern und multiprofessionelle Teams. Flächendeckend qualifizierte Ganztagsbetreuung auch in Ferien- und Randzeiten. Inklusion und Integration durch Zweitlehrkräfte und Unterstützung vor Ort. Individuelle Förderung und Lernformen, moderne pädagogische Konzepte. Bezahlbaren Wohnraum, das heißt in erster Linie eine bayerische Wohnungsbaugesellschaft und mehr staatliche Wohnraumförderung – und wir brauchen Anreize, dass private Investoren in den sozialen Wohnbau investieren. Den Nahverkehr müssen wir ausbauen, besser und am besten kostenfrei für alle. Dazu gehört auch, dass ländliche Regionen wie das Wittelsbacher Land vernünftig an Metropolregionen angeschlossen werden. Zudem: kostenfreie Kitas – Kitaplätze, qualitativ hochwertig, für alle, die es benötigen. Und ein weiteres Anliegen, für das ich mich einsetzen möchte: Die Region muss endlich glyphosatfrei werden.

Die geplante Augsburger Ostumgehung führt mitten durch den Kreis. Setzen Sie sich als Abgeordnete für oder gegen dieses Verkehrsprojekt ein?

Strohmayr: Circa 26 000 Autos wälzen sich täglich durch Kissing. Das ist eine große Belastung für den Ort. Die Ortsumfahrung Kissing ist jetzt im Bundesverkehrswegeplan. Hier müssen die Planungen abgewartet werden. Ich persönlich bin nicht dafür, dass eine Tangente durch ein Natur- und Wasserschutzgebiet geführt wird.

Welche Überschrift möchten Sie am Montag nach der Wahl nicht in der Zeitung lesen?

Strohmayr: Joachim Löw muss nach historischer Niederlage gegen die Niederlande (1:7) zurücktreten. Subheadline: Landtagswahl in Bayern ist angesichts dieses Desasters völlig untergegangen.


Grüne: Christina Haubrich aus Merching

Warum wollen Sie Landtagsabgeordnete werden?

Haubrich: Ganz klar, ich möchte in Bayern etwas verändern. Nicht nur schimpfen, sondern aktiv anpacken und mitgestalten. Wir haben gerade einen der heißesten Sommer hinter uns. Der Klimawandel ist auch bei uns deutlich zu spüren. Um die fatalen Folgen des Klimawandels noch aufzuhalten, müssen wir jetzt beherzt handeln. Als Verbraucherin möchte ich eine ökologische Landwirtschaft mit artgerechter Tierhaltung, die auch zum Klimaschutz beiträgt. Um das Überleben einer breiten Artenvielfalt zu sichern, dürfen wir nicht sämtliche Flächen zubetonieren. In Zeiten, in denen wir mit so rasanten Veränderungen zu kämpfen haben, braucht es Politiker, die mutig die Schritte einleiten, die nötig sind, um unsere Lebensgrundlagen zu erhalten. Damit Bayern Heimat bleibt!

Was qualifiziert Sie für die Aufgabe?
Haubrich: Zum einen qualifiziert mich meine berufliche Erfahrung. Als Krankenschwester habe ich in der Pflege gearbeitet, ein Bereich, der im Moment starke Unterstützung braucht und in dem ich meine Erfahrung gut einbringen kann. In der Erwachsenenbildung arbeite ich viel mit Alleinerziehenden, Flüchtlingen, aber auch mit Strafgefangenen und burnoutgefährdeten Managern, sodass ich viele Probleme unserer Gesellschaft aus verschiedensten Standpunkten kenne. Um mich als Selbstständige auf dem Markt zu behaupten, braucht es viel Kreativität, Ideenreichtum und intensiven Einsatz. Ich denke, diese drei Eigenschaften sind es auch, die nötig sind um neue Wege in der Politik zu gehen.
Welches politische Projekt für den Landkreis würden Sie als erstes im Maximilianeum anpacken?
Haubrich: Als Erstes würde ich das Thema Osttangente aufgreifen. Diese ist ein überregionales Projekt, das den Verkehr massiv anziehen und dadurch für viele Menschen im Landkreis erhebliche Nachteile bringen wird. Die Osttangente wird durch Wasserschutzgebiete, Naturschutzgebiete wie die Kissinger Bahngruben und eine Frischluftschneise verlaufen. Außerdem werden die Menschen von ihren Naherholungsgebieten abgeschnitten. Von den zu erwartenden Emissionen und dem Flächenverbrauch ganz abgesehen. Selbstverständlich müssen wir Lösungen für verkehrsgeplagte Anwohner in Kissing und Friedberg finden, aber wir müssen, was Mobilität angeht, umdenken. Nur ausschließlich auf Straßen zu setzen, bringt uns nicht weiter.

Was wollen Sie in den nächsten fünf Jahren im Landtag für das Wittelsbacher Land alles erreichen?
Haubrich: Das Thema Osttangente zeigt, wie wichtig es ist, dass sich in Sachen Mobilität etwa ändert. Hier müssen wir Geld in den öffentlichen Nahverkehr in der Region investieren. Zum einen für den Ausbau des ÖPNV, damit auch die ländlichen Regionen im Landkreis gut angebunden sind, und zum anderen für kostengünstigere Angebote als echte Alternative zum Auto. Zudem wird das Fahrrad, beflügelt von E-Bikes, immer mehr zu einer Alternative im Berufsverkehr. Diesen Trend möchte ich durch eine fahrradfreundliche Verkehrsplanung weiter fördern. Für junge Eltern ist es wichtig, dass die Möglichkeiten der Kinderbetreuung weiter ausgebaut werden, aber auch die Kommunen gilt es bei den Kinderbetreuungskosten zu entlasten. Bei der medizinischen Versorgung wurde in den letzten Jahren im Landkreis schon einiges auf den Weg gebracht. Was noch fehlt, ist eine Notfallpraxis in Mering, damit auch der Landkreissüden insbesondere an den Wochenenden versorgt ist und es zu einer Entlastung der Notaufnahmen in Friedberg und Aichach kommt. Bei der flächendeckenden Versorgung mit leistungsfähigem Breitbandinternet müssen wir darauf achten, dass die ländlichen Bereiche unseres Landkreises nicht abgehängt werden. Und auch in unserem Landkreis müssen wir dafür Sorge tragen, dass der Flächenverbrauch möglichst gering ausfällt, um den Lebensraum Wittelsbacher Land zu erhalten. Hier gilt es, durch eine Rückkehr zum Anbindegebot Logistikzentren auf der grünen Wiese zu verhindern, und auch die Konkurrenz der Gemeinden um Gewerbegebiete muss durch eine Änderung der kommunalen Finanzierung beendet werden.

Die geplante Augsburger Ostumgehung führt mitten durch den Kreis. Setzen Sie sich als Abgeordneter für oder gegen dieses Verkehrsprojekt ein?
Haubrich: Ich würde mich ganz klar gegen das Verkehrsprojekt einsetzen. Verkehrsentlastung ja, aber nicht, indem man eine autobahnähnliche Straße durch unsere Region baut, die zusätzlichen Schwerlastverkehr anzieht und, wie man in Mering sehen kann, möglicherweise auch noch zahlreiche Logistikzentren mit sich bringt. Moderne Verkehrsgestaltung sieht anders aus.

Bei der Podiumsdiskussion unserer Zeitung stellten sich fünf Direktkandidaten den Fragen der Bürger.
Video: Sebastian Richly

Welche Überschrift möchten Sie am Montag nach der Wahl nicht in der Zeitung lesen?
Haubrich: Ich möchte nicht "CSU holt absolute Mehrheit" lesen, sondern stattdessen viel lieber: "Sensation: Grüne werden überraschend stärkste Partei in Bayern".


FDP: Karl-Heinz Faller aus Dasing

Warum wollen Sie Landtagsabgeordneter werden?

Faller: Ich liebe meine Heimat. Bayern ist ein tolles Land. Wenn man wie ich lange im Ausland tätig war, hat man den Vergleich und schätzt das, was wir haben noch mehr. Wenn man will, dass das so bleibt, darf man sich nicht auf den Erfolgen ausruhen. Ich meine, nichts ist so gut wie ein Bayern, das noch besser werden will. Dafür will ich mich einsetzen.

Was qualifiziert Sie für diese Aufgabe?
Faller: Meine Tätigkeit in unterschiedlichsten Bildungsbereichen, als Geschäftsführer im Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft. Beispiele: Fachschulen, Fachakademien, duale Berufsausbildung, berufliche Rehabilitation, berufliche Weiterbildung. Die Erfahrung, die ich sammeln konnte in der Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zur Lösung politischer, gesellschaftlicher und individueller Probleme. Beispiele: berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (Jugendarbeitslosigkeit), Umschulungen (Strukturwandel Augsburger Textilindustrie), Umorientierung und Integration (Akademikerarbeitslosigkeit), Umschulungen für die Menschen in den neuen Bundesländern nach dem Kollaps der Planwirtschaft, Integration von Spätaussiedlern und Flüchtlingen (Sprachkurse, Anpassungsqualifizierungen). Es gibt für alle gesellschaftlichen Probleme Lösungen, man muss sie allerdings beherzt anpacken. Das Hintergrundwissen über Politik und das Funktionieren von Ministerien, das ich zum Beispiel bei Schulprojekten sammeln konnte (offene Ganztagsklassen, berufliche Orientierung an Schulen, Schulsozialarbeit). Meine Managementerfahrung in den Bereichen Personalführung, Verwaltung und Finanzen. Meine kommunalpolitische Tätigkeit.

Welches politische Projekt für den Landkreis würden Sie als erstes im Maximilianeum anpacken?
Faller: Dafür sorgen, dass wir in Zukunft genügend Pflege- und medizinische Fachkräfte im Landkreis Aichach-Friedberg haben, durch: gesetzliche Regelung zur Gebührenfreiheit an Fachschulen. Kampagne an Schulen, Arbeitsämtern und in der Öffentlichkeit zur Gewinnung von Auszubildenden und Rückgewinnung von ehemaligen Pflegekräften. Initiative für eine generelle Anhebung der Einkommen im Pflegebereich. Förderung eines Projekts zu Vorbereitung (Deutsch) und Gewinnung qualifizierter ausländischer Pflegekräfte. Organisation beziehungsweise Schaffung entsprechender Wohnmöglichkeiten.

Was wollen Sie in den nächsten fünf Jahren im Landtag für das Wittelsbacher Land alles erreichen?
Faller: Digitalisierung im Bildungswesen (Schulen, Berufsschulen, Weiterbildung, Erwachsenenbildung). Ausstattung unserer Schulen (Glasfaserverbindungen, Endgeräte, Server). Mittel für jede Schule zur Entwicklung/Einrichtung digitaler Technik (Konzepte, Software, Weiterbildung für Lehrkräfte). Verbesserung der Qualität und des Angebots an unseren Kitas durch verbesserte Personalschlüssel und flexible Betreuungszeiten. Schließung der Mobilfunklöcher im Landkreis. Weiterer Ausbau der Glasfasernetze auch in den ländlicheren Regionen unseres Landkreises. Die Bremsen im Wohnungsbau lösen. Bauen günstiger machen durch Reduktion der Auflagen (Landesgesetzgebung) und steuerliche Maßnahmen (zum Beispiel Grunderwerbssteuer). Wohnen muss bezahlbar bleiben und Wohneigentum gefördert werden. Sicherstellen, dass das Umfeld für unsere Unternehmen und Investitionen weiter günstig bleibt. Den Hochschulstandort Augsburg stärken und bedarfsgerecht ausbauen. Fachkräftesicherung für unsere Unternehmen, das Handwerk und die Landwirtschaft durch Aufwertung der dualen Ausbildung und der sich daran anschließenden Aufstiegsqualifizierungen (Meister, Techniker, Fachwirt, Finanzbuchhalter, Betriebswirt IHK, etc.).

Die geplante Augsburger Ostumgehung führt mitten durch den Landkreis Aichach-Friedberg. Setzen Sie sich als Abgeordneter für oder gegen dieses Verkehrsprojekt ein?
Faller: Wie die Mehrheit der Bürger in Kissing spreche ich mich für die dortige Ortsumfahrung aus. Allerdings müssen Belange des Natur- und Trinkwasserschutzes berücksichtigt werden. Beispiele: Flüsterasphalt und Lärmschutzwände, Straßenkörper in Wanne gelegt, Grünbrücken, etc. Es spricht nichts (auch keine Naturschutzbelange) gegen einen mehrspurigen Ausbau zwischen der Anschlussstelle A 8 in Derching (Friedberg) und Kissing. Für die Anwohner der B 300 in Friedberg würde es hierdurch zu einer erheblichen Entlastung kommen.

Welche Überschrift möchten Sie am Montag nach der Wahl nicht in der Zeitung lesen?
Faller: Großer Wahlerfolg der AfD. Erstmalig kommt es zu Forderungen nach Grenzschließungen und Ausweisungen von Ausländern.

Freie Wähler: Johannes Hatzold aus Friedberg

Johann Hatzold

Warum wollen Sie Landtagsabgeordneter werden?

Hatzold: Mein Wille zur Gestaltung. Ich sehe, dass es für viele kommunale Aufgaben den Draht zu höheren Ebenen braucht. Außerdem bin ich der Meinung, dass das Parlament wieder mehr Spiegel der Gesellschaft sein muss und mehr Menschen jeden Alters und unterschiedlichster Berufsgruppen vertreten sein müssen.

Was qualifiziert Sie für diese Aufgabe?
Hatzold: Ich habe jahrelange kommunalpolitische Erfahrung und komme aus der Mitte der Bürgerschaft. Ich weiß, wo der Schuh drückt, insbesondere beim Handwerk und Mittelstand.

Welches politische Projekt für den Landkreis würden Sie als erstes im Maximilianeum anpacken?
Hatzold: Zusammen mit dem Kreistag den flächendeckenden Ausbau des ÖPNV, der sich finanziell für alle Beteiligten lohnen soll. Außerdem liegt mir der absurde Bürokratiewahn, dem unsere Handwerksbetriebe unterliegen, wirklich im Magen. Das erlebe ich ja aus erster Hand in meiner Werkstatt.

Was wollen Sie in den nächsten fünf Jahren im Landtag für das Wittelsbacher Land alles erreichen?
Hatzold: Mir ist der Erhalt unserer Krankenhausstandorte und Arztpraxen wichtig. Es darf nicht sein, dass man im Krankenfall vom Land in die Großstadt muss, um eine ausreichende Versorgung zu erhalten. Auch die Themen Altenpflege und bezahlbares Wohnen treiben mich. Um dies im Wittelsbacher Land sicherzustellen, bedarf es grundlegender landesweiter Änderungen.

Die geplante Augsburger Ostumgehung führt mitten durch den Landkreis Aichach-Friedberg. Setzen Sie sich als Abgeordneter für oder gegen dieses Verkehrsprojekt ein?
Hatzold: Ich bin gegen die Osttangente und fordere endlich einmal einen überlegten Umgang mit unseren landschaftlichen Ressourcen. Es kann nicht sein, dass wir einen Logistiker nach dem anderen ansiedeln, Flächen zubetonieren und uns hinterher wundern, woher der Verkehr kommt und warum die Händler und Betriebe in unseren Dorfkernen und Innenstädten dichtmachen.

Welche Überschrift möchten Sie am Montag nach der Wahl nicht in der Zeitung lesen?
Hatzold: "AfD und Die Linke schaffen Einzug in Landtag". Ich bin gegen extreme Tendenzen von links und rechts, befürworte eine geregelte Mitte.

AfD: Josef Settele aus Gaulzhofen

Warum wollen Sie Landtagsabgeordneter werden?
Settele: Weil es zu wenig Praktiker im Landtag gibt.

Was qualifiziert Sie für diese Aufgabe?
Settele: Lebenserfahrung, 28 Jahre Gemeinderat, 18 Jahre Kreisrat, 34 Jahre im Kfz-Gesellenprüfungsausschuss, Nebenerwerbslandwirt und seit über 40 Jahren Selbstständigkeit als dreifacher Handwerksmeister!

Welches politische Projekt für den Landkreis Aichach-Friedberg würden Sie als erstes im Maximilianeum anpacken?
Settele: Gleiches Baurecht in ganz Bayern und dass nicht jedes Landratsamt das Gesetz anders auslegt. Vorgaben absenken, dadurch günstigeres Bauen ermöglichen. Infrastruktur ausbauen. Digitalisierung vorantreiben.

Was wollen Sie in den nächsten fünf Jahren im Landtag für das Wittelsbacher Land alles erreichen?
Settele: Schulen, Schwimmbäder, Kindergärten und Krippen sanieren und erweitern. Sozialwohnungen für junge deutsche Familien. Ortsumgehungsstraßen bauen, dadurch Ortschaften vom Verkehr entlasten.

Die geplante Augsburger Ostumgehung führt mitten durch den Landkreis Aichach-Friedberg. Setzen Sie sich als Abgeordneter für oder gegen dieses Verkehrsprojekt ein?
Settele: Das sollte durch einen Bürgerentscheid im Landkreis geregelt werden. Die AfD ist für Bürgerbeteiligung - Bürgerentscheide.

Welche Überschrift möchten Sie am Montag nach der Wahl nicht in der Zeitung lesen?
Settele: Dass die AfD nicht zweitstärkste Partei ist.

Linke: Andreas Zwiselsberger aus Friedberg

A. Zwiselsberger

Der Friedberger Andreas Zwiselsberger ist 32 Jahre alt und hat eine interessante Berufs-Vita: Der gelernte Kfz-Mechatroniker hat über den dritten Bildungsweg Politikwissenschaft studiert, im Staatsdienst und in der Privatwirtschaft gearbeitet und ist jetzt angestellter Berater im Online-Marketing. Der Direktkandidat engagiert sich bei der Gewerkschaft Verdi und setzt seine politischen Schwerpunkte im Bereich Digitalisierung, insbesondere für Breitbandausbau auf dem Land und Industrie 4.0.

Außerdem liege ihm der gesellschaftliche Zusammenhalt am Herzen, sagt Zwiselsberger. Er sehe gerade in der Bildungspolitik große Chancen, um in Zeiten von Fake News wieder zu einem vernünftigen Miteinander, ohne rechte Hetze, zu gelangen. Der Kandidat möchte sich für eine "echte Wohnraumpolitik" engagieren, die für die Menschen eine wirkliche Verbesserung bringe. Zwiselsberger hat unserer Redaktion Anfang der Woche mitgeteilt, dass er "aufgrund eines schweren persönlichen Schicksalsschlags", gezwungen sei, alle seine Wahlkampfaktivitäten komplett einzustellen. Er nimmt deshalb auch nicht an der Podiumsdiskussion unserer Zeitung teil.

Bayernpartei: Gerhard Eser aus Mering

Gerhard Eser

Mit Gerhard Eser geht ein Meringer für die Bayernpartei ins Rennen. Der selbstständige Immobilienkaufmann und Vermögensverwalter trat bereits vor fünf Jahren als Direktkandidat für den Landtag an. Damals aber noch für die Republikaner. Zuvor war der heute 66-Jährige von der FDP zur rechtskonservativen Partei gewechselt. 2011 wurde er Bezirksvorsitzender. Doch die Republikaner gebe es "faktisch" heute gar nicht mehr. Seit zwei Jahren ist Eser jetzt bei der Bayernpartei und da ist der Name gleichzeitig Programm. Bayern sei ein großartiges Land: "Es geht um Bayern und wir wollen, dass Bayern auch Bayern bleibt und nicht islamistisch wird." Langfristiges Ziel sei die Eigenständigkeit des Freistaats. "Das geht natürlich nur in mehreren Schritten", weiß Eser.

Es gehe um politische Schritte in die Richtung Sezession, also die Lösung aus Bundesrepublik und EU. Zum Beispiel mit einem eigenständigen Steuerrecht für Bayern. Bis 1966 war seine Partei im Landtag und dabei insgesamt sieben Jahre an der Staatsregierung beteiligt. Wie schätzt der Familienvater (zwei Kinder) die Chancen der Bayernpartei ein? "Wir arbeiten sehr engagiert an unserer Idee."

V-Partei3: Frank Liermann aus Friedberg


Frank Liermann

Der Friedberger Frank Liermann ist Direktkandidat seiner neu gegründeten Partei für den Landtag und für den Bezirkstag. Wir haben den selbstständigen Kfz-Meister bereits kurz vorgestellt. Die V-Partei 3 ist bei dieser Wahl zum ersten Mal mit Direktkandidaten wählbar. Liermann betreibt einen Kfz-Handel.

Das im Namen enthaltene "V hoch drei" steht laut Mitteilung für "Veränderung, Vegetarier und Veganer" und gleichzeitig für das Programm mit den Schwerpunkten Tierrechte, Umwelt- und Verbraucherschutz. Auch für den sozialen Bereich und die Bildungspolitik werden von der Partei Veränderungen gefordert.

ÖDP: Maria Posch aus Inchenhofen

Maria Posch aus Inchenhofen ist Logopädin, verheiratet und hat drei Kinder. Das Thema frühkindliche Erziehung liegt der 33-Jährigen besonders am Herzen. Sie fordert ein steuer- und sozialversicherungspflichtiges Erziehungsgehalt von 1100 Euro. Mütter oder Väter sollten Wahlfreiheit haben, ihre Kinder unter drei Jahren selbst zu betreuen oder einer Krippe anzuvertrauen. Der Kindergarten ab drei Jahren soll kostenlos sein und in der Grundschule müssten pädagogische Kräfte in jeder Klasse die Lehrer unterstützen. Die bäuerliche Landwirtschaft soll mit einer Existenzversicherung unterstützt werden.

Im Gegenzug müssten sich Landwirte aber am Gemein- und Tierwohl orientieren, weniger Pestizide und Insektizide einsetzen, die Artenvielfalt fördern und dürften keine Massentierhaltung betreiben. Posch will raus aus der Kohleenergie, eine Regionalversorgung voranbringen, Energiespeicherung fördern und die 10-H-Abstandsregel für Windräder abschaffen. Die Energiewende solle aber dennoch im Einklang mit den Bürgern geschafft werden.

Maria Posch

Der Flächenverbrauch in Bayern soll von täglich 13 auf fünf Hektar sinken. Dazu sollen Gewerbeflächen zentralisiert und einstöckige Gebäude nur noch ausnahmsweise genehmigt werden. Konzernspenden lehne ihre Partei generell ab, betont Maria Posch.

Die Kandidaten bei der Podiumsdiskussion unserer Zeitung

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