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Aindling

16.04.2015

Defis sollen auch Kinder retten können

Ein Defibrillator kann bei einem Herzstillstand Leben retten. Je schneller das Gerät zur Stelle ist, desto größer ist die Überlebenschance.
Bild: Symbolfoto: Silvio Wyszengrad

Neue Defis in Aindling sollen auch Kinder retten können. Gemeinderätin Helga Holland erzählte dazu eine bewegende Geschichte.

Aindling Defibrillatoren, kurz Defis, können Leben retten. Helga Holland ist eine flammende Befürworterin dieser Geräte. Die SPD-Frau im Aindlinger Gemeinderat hat in ihrer eigenen Familie erfahren, wie wichtig die schnelle Verfügbarkeit derartiger Nothelfer ist. Ihr Enkel Noah hatte zwei Herzstillstände, bei denen er mit einem Defi gerettet wurde. Den dritten Herzstillstand überlebte der knapp zweijährige Bub allerdings nicht mehr.

Holland sprach die traurige Geschichte am Dienstagabend in der Ratssitzung an. Sie wollte ihre Kollegen davon überzeugen, dass alle 15 öffentlich zugänglichen Defis, die demnächst in der Marktgemeinde aufgestellt werden, mit einem Zubehör für Kinder ausgestattet werden.

Noah ist mittlerweile seit drei Jahren tot. Holland ist dankbar dafür, dass die Defis die wertvolle Zeit mit ihrem Enkel verlängert haben, wenn sie auch kurz war. Der Sohn ihrer ältesten Tochter hatte von Geburt an ein Problem mit der Entfaltung seiner Lunge. Dies schwächte das kleine Herz so sehr, dass er mit einem halben Jahr – in einer Klinik – und mit fast eineinhalb Jahren – im Urlaub in Helsinki (Finnland) einen Herzstillstand hatte.

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Das Thema Defis stand zum vierten Mal innerhalb weniger Monate auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Nicht Holland, sondern Benjamin Schröter (Perspektive Aindling) hatte im Vorfeld den Antrag gestellt, Geräte anzuschaffen, die auch für Kinder geeignet sind. Diese können mit speziellen Zusatzelektroden ausgestattet oder über einen Wahlschalter umgeschaltet werden.

Gertrud Hitzler informierte, dass das Zubehör Mehrkosten von etwa 120 bis 130 Euro pro Gerät verursachen würde. Ein Exemplar kostet je nach Hersteller etwa 2500 Euro plus Steuer. Hitzler plädierte dafür, Defis mit Kinder-Zusatz im Bereich von Kindergarten, Schule und Schwimmbad in Aindling anzubringen. Wo genau die 15 Geräte in Aindling und den Ortsteilen aufgebaut werden, steht noch nicht fest.

Michael Pollety (CSU/Freie Wählergemeinschaft) sieht Schröters Vorschlag kritisch. Bei den Paddles, den Kontakten, die auf den Brustkorb gedrückt werden, bestehe bei zwei Ausführungen durchaus Verwechslungsgefahr. Auch wenn die Paddles entsprechend beschriftet sind. Insbesondere Mütter und Väter, die sich in einer Stresssituation befänden, seien oft nicht mehr in der Lage, dies richtig abzulesen, so Pollety.

Der Feuerwehrmann berichtete auch von den Erfahrungen des Aindlinger First-Responder-Teams. „Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Reanimation bei einem Kind auftritt, ist sehr, sehr gering“, betonte er. Michael Balleis bestätigte Polletys Ausführungen. Seine Erkundigungen bei den Berufsfeuerwehren in Augsburg und München hätten ein ähnliches Bild ergeben.

Letztlich beschloss der Rat einstimmig, nur Defis anzuschaffen, die für Kinder zugelassen sind. Welche Geräte mit dem Zubehör ausgestattet werden, soll später geklärt werden. Zudem soll nach dem Aufstellen der Defis ein Infoblatt verteilt werden.

Helga Holland, die sich bald zur Defi-Ersthelferin ausbilden lässt, geht der Beschluss nicht weit genug. Sie will weiter dafür kämpfen, dass alle Defis kindertauglich ausgerüstet werden.

Geleitet wurde die Ratssitzung erstmals von zweiter Bürgermeisterin Gertrud Hitzler (CSU/Freie Wählergemeinschaft). Sie vertrat den erkrankten Tomas Zinnecker. Dieser hatte kürzlich eine Augenoperation und muss seine Augen schonen. Am Montag wolle er die Arbeit wieder aufnehmen, sagt Zinnecker.

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