Newsticker
Bundesverfassungsgericht: Corona-Demo in Stuttgart bleibt verboten
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Den Verirrungen der Zeit etwas entgegensetzen

Ausstellung

25.01.2020

Den Verirrungen der Zeit etwas entgegensetzen

Was auf den ersten Blick abstrakt erscheint, lässt beim näheren Betrachten versteckte Botschaften erahnen. Wie etwa bei „Changing Step by Step“.
2 Bilder
Was auf den ersten Blick abstrakt erscheint, lässt beim näheren Betrachten versteckte Botschaften erahnen. Wie etwa bei „Changing Step by Step“.

Künstlerin Maria Breuer zeigt derzeit unter dem Titel „20 aus 20“ Bilder im Aichacher Rathaus

Kaum ein Durchkommen gab es bei der Eröffnung der Ausstellung „20 aus 20“ mit Bildern von Maria Breuer im Aichacher Rathaus. Etwa 60 bis 70 Kunstinteressierte drängten sich in die Gänge und ins Treppenhaus, um der vielseitigen und beliebten Aichacher Künstlerin ihre Aufwartung zu machen. Bürgermeister Klaus Habermann bezeichnete Breuer in seiner Begrüßung als „eine der profiliertesten und renommiertesten Künstlerinnen der Stadt, die in allen nur möglichen Facetten und Techniken der Kunst und Malerei zu Hause ist“. Zeitkritisch, eindrucksvoll und ausdrucksstark bringe sie in ihren Arbeiten menschliche und gesellschaftliche Prozesse und Veränderungen zum Ausdruck, so Habermann. Die engagierte Künstlerin sei „praktisch an allen nur denkbaren städtischen Kunstaktivitäten beteiligt“. Im Einzelnen nannte er die Kunstmeile, Paarkunst und den Rathaus-Adventskalender sowie die zahllosen Gemeinschafts-Ausstellungen mit dem Kunstverein und ihre eigenen mittlerweile sechs Ausstellungen im Aichacher Rathaus.

Die Künstlerin wurde unter anderem im Jahr 2012 mit dem Aichacher Kulturförderpreis ausgezeichnet. Maria Breuer hat ihr Handwerk professionell gelernt und ist von der Akademie der Bildenden Künste als Künstlerin anerkannt. In ihrer Ausstellung mit dem Titel „20 aus 20“, die Bürgermeister Habermann als die „Goldenen 20er“ bezeichnet, nimmt sie die Besucher mit auf eine Reise durch 20 Jahre ihrer Schaffenskunst. Vielfach inspiriert von den politischen und sozialen Veränderungen der vergangenen beiden Jahrzehnte, Macht und Machtmissbrauch, Kriegen, Anschlägen und Katastrophen, möchte sie mit ihrer Kunst „die Menschen zum Nachdenken bringen“, wie sie sagt. Sie will „aufwecken, aber niemanden verletzen“, und „den Verirrungen der Zeit etwas entgegensetzen“. Dabei spricht Breuer die immer größer werdende Hektik und Oberflächlichkeit der sich schnell verändernden Zeit an.

Maria Breuer ist ein Freund der Sprache. Sie gibt ihren Werken gerne Titel und setzt bewusst darauf, dass diese vom Betrachter durchaus verschieden interpretierbar sind. Damit wolle sie zum Dialog anregen, wie sie sagt. Zum Dialog mit ihrer Kunst.

Schon in ihrer Begrüßung macht Maria Breuer deutlich, dass die Poesie der Sprache eine große Rolle bei ihren Kunstwerken spielt. So schlägt sie in geradezu poetisch klingendem Ton eine Brücke von einem Titel zum anderen – als ob diese miteinander korrespondieren würden: Zwischen „Sehnsucht und Erinnerung“ wagt sie – im „Gedankenaustausch“ mit „John Lennon“ – einen „Blick zurück nach vorne“. Sie lässt ihre Besucher durch „Schattenwelten“ und „Zwischenräume“ wandern, „Whispering Spaces“ erlauschen, „Philosophische Zeitschichten“ durchschreiten und „Räume im Raum“ erkunden. Sie lädt dazu ein, in einem „Wechselspiel“ – erfrischend wie „Aqua“ und archaisch wie „afrikanische Strukturen“ – „Prozesse der Veränderung“ zu erleben.

Ihre ausgestellten Werke spiegeln ihre künstlerische Vielfältigkeit wider. Emotional und ausdrucksstark, gesellschaftskritisch und leidenschaftlich transportiert sie ihre Botschaften, oft fröhlich bunt, manchmal auch trüb und düster wirkend. Was auf den ersten Blick abstrakt oder realitätsfern erscheint, lässt beim näheren Betrachten Figürliches entdecken und versteckte Botschaften erahnen. Diese Wirkung erreicht die Künstlerin durch überlagerndes, mehrschichtiges Auftragen und oftmals, indem sie verschiedene Techniken und Materialien kombiniert.

So auch bei „John Lennon“, einer Installation, mit der Breuer 2010 den ersten Preis einer Kunstausschreibung der Stadt Augsburg erhielt. Darin verbindet sie mehrere Portraitschnipsel und Collagen des verstorbenen Beatles-Songschreibers und Friedensaktivisten mit Glasbausteinen, Textauszügen und der unverkennbaren Nickelbrille zu einem Gesamtkunstwerk, das viel Beachtung findet. Um in der Sprache ihrer Bilder-Titel zu bleiben, stellt die Künstlerin Maria Breuer schließlich unbeirrt durch „Facebook oder Fakebook“ die Frage: „What’s next?“. Und gibt die Antwort dazu postwendend mit einem benachbarten Ausstellungsstück: „Nach vorne! Mit einem Blick zurück“.

Die Arbeiten der Ausstellung „20 aus 20“ von Maria Breuer sind ab sofort bis zum 20. März im alten Aichacher Rathaus am Stadtplatz zu sehen. Die Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 12.30 Uhr, Montag und Dienstag 13.30 bis 16 Uhr sowie Donnerstag 13.30 bis 18 Uhr.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren