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Windpark

06.06.2014

Der „Baarer“ und die Windkraft

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Die Bevölkerung steht laut Experten des Projekts „Lokale Passung“ differenziert zur Windenergie und soll eingehend befragt werden. Der Rat lehnte jetzt eindeutig den Antrag für vier Anlagen ab. Aber hat das Auswirkungen?

Wie denkt der „Baarer“ über die Energiewende und speziell die Windkraft? Laut Michael Schneider sehr differenziert: Der „Baarer“ ist laut dem Direktor des Umweltinstituts Bifa generell positiv gegenüber der erneuerbaren Energieerzeugung eingestellt und hat per se nichts gegen Windräder, auch wenn sie das Dorf gespalten und nahezu für „soziale Unruhen“ in der Kommune ganz im nordöstlichen Zipfel des Wittelsbacher Landes gesorgt hätten. Aber bei einigen Abstrichen (speziell auf die WEA 4, siehe Grafik) könne sich der „Baarer“ durchaus Windräder am Baarer Berg vorstellen – am liebsten wäre ihm aber dabei ein interkommunales Projekt mit den Nachbargemeinden.

Das ist in etwa die Quintessenz aus Befragungen mit 17 sogenannten Stakeholdern, also Vertretern der unterschiedlichen örtlichen Interessengruppen im Rahmen des Projekts „Lokale Passung“ zum geplanten Windpark von Bifa (Augsburg) und Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Wie die Baarer und auch die Bürger aus Thierhaupten (Kreis Augsburg), Holzheim und Münster (beide Donau-Ries) konkret über rund 200 Meter hohe Windräder am Schnittpunkt von drei Landkreisen denken, soll in einer Befragung aller Haushalte deutlich werden. Die wird derzeit vorbereitet. Schon im Juli ist als Auftakt für die vier Kommunen eine Ausstellung in Baar geplant. Da soll die Wirkung von Windrädern in 3-D-Simulationen demonstriert werden. Vorgesehen sind verschiedene Referate, Infos und Szenarien auch zu anderen Möglichkeiten für regenerative Energieerzeugung in der Region.

Wie der im März neu gewählte Baarer Gemeinderat konkret in Sachen Windkraft denkt, wurde in der jüngsten Sitzung deutlich. Nach rund zweistündiger breiter und allgemeiner Windkraft-Vordiskussion mit vier Experten der Projektstudie kam es zum eigentlich spannenden Tagesordnungspunkt: Der Antrag der Firma Uhl (Ellwangen) auf Bau von vier Windrädern im Westen der Gemeinde wurde aufgerufen – und ohne große Diskussion kurz und schmerzlos mit 11:2 Stimmen abgelehnt. Der kürzeste Abstand einer Anlage zu einem Wohnhaus (Jägerbreite) liegt bei rund 1200 Meter. Laut Antrag werden die Grenzwerte für Lärm deutlich unterschritten und die für Schattenwurf eingehalten. Rund 20 Bürger verfolgten im Feuerwehrhaus die Sitzung mit mehr oder weniger Beteiligung – wie Zwischenfragen, Zwischenrufen und auch persönlichen Angriffen. Bürgermeister Leonard Kandler ließ das weitestgehend zu, bis ihm zwischenzeitlich der Kragen platzte: „Wenn jetzt nicht Schluss ist, dann lasse ich den Saal räumen.“ Kandler stimmte wie Vitus Riedl für den Antrag. Letzterer konnte nicht nachvollziehen, warum sich im Zwölfer-Gremium (neun „Neue“) abzeichnet, das Windräder im bislang gemeindefreien Gebiet „Brand“ im Anschluss an den Baarer Berg akzeptiert werden könnten. Kandler soll jedenfalls, im Auftrag des Rates, das Baarer Interesse an einem interkommunalen Park weiter vertreten. Für Riedl eine inkonsequente Linie der Windpark-Gegner im Rat.

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Für die hatte Zweite Bürgermeisterin Johanna Ruisinger eine fünfseitige Begründung der Ablehnung in 16 Punkten ausformuliert: Die Gemeinde werde durch das Projekt massiv in ihrer baulichen Entwicklung behindert. Baar werde durch weitere geplante Windprojekte in der Nachbarschaft „umzingelt“. Die Kommune macht Belästigungen der Bürger durch Lärm, Infraschall, Schattenwurf geltend. Das Landschaftsbild werde durch die dominanten Anlagen stark beeinträchtigt, das gelte besonders für die Wallfahrtskirche Maria im Elend.

Ob das Baarer Nein überhaupt Auswirkungen auf die Genehmigung hat, ist offen. Die Anlagen sind nämlich baurechtlich privilegiert. Verwaltungsgerichtsurteile stützten zuletzt mehrmals Windinvestoren. Uhl hat Anfang Februar, sozusagen auf den letzten Drücker, den seit Langem erwarteten Antrag für den Windpark gestellt (wir berichteten damals exklusiv). Seit Mitte 2008 wird über Windräder am Höhenrücken zwischen Lechtal und der Kleinen Paar diskutiert und gestritten. 2009 lehnte eine klare Mehrheit der Baarer in einem Bürgerentscheid die Windkraftnutzung dort ab – seither war das Thema aber nie vom Tisch. Kurz vor der Entscheidung im bayerischen Kabinett für eine neue Abstandsregel für Windräder (10H – hier wären das rund 2000 Meter) ging der Antrag vor vier Monaten im Landratsamt ein. Für genehmigungsfähige Anträge, die vor dem Stichtag gestellt wurden, gilt Vertrauensschutz – also die alten Abstandsregeln (800 Meter zu Wohngebieten). "Kommentar Seite 1

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