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Aichach

07.05.2015

Der Baupfusch in der JVA ist ein Fall für Justiz

Das neue Versorgungszentrum in der JVA Aichach ist fertig. Allerdings nur von außen betrachtet - innen gibt's Ärger mit unsachgemäß verlegten Boden- und Wandfliesen.
Bild: Lars Dau, JVA Aichach

Hohl, bucklig und nicht dicht verlegt: Mangelhafte Fliesenarbeiten verzögern die Fertigstellung des 18-Millionen-Projekts im Gefängnis – mindestens bis zum Jahresende.

Der hochmoderne Neubau mitten in der denkmalgeschützten Justizvollzugsanstalt Aichach ist ein Blickfang. Er ist fertig – aber nur von Außen. Innen arbeiten im neuen Versorgungszentrum drei Jahre nach dem Spatenstich nämlich allenfalls Gutachter und keine Handwerker – seit Monaten sind die Ausbauarbeiten blockiert. Der Grund: Pfusch bei den Fliesenlegearbeiten. Das aktuell größte Hochbauprojekt im Landkreis ist ein Fall für die Justiz.

Nach dem ursprünglichen Zeitplan sollte das Gebäude für Bäckerei, Wäscherei und Kantine bereits im Herbst vergangenen Jahres bezogen werden. Im Januar hoffte das zuständige Bauamt in Augsburg auf eine Fertigstellung zur Jahresmitte. Mittlerweile geht Amtsleiter Ulrich Blickle von Anfang 2016 aus – aber dann müsse es jetzt sehr schnell gehen.

Fliesen liegen teilweise hohl und sind bucklig verlegt

Dass bei JVA-Leiter Konrad Meier und bei den Beschäftigten beim Blick auf das „fertige“ Versorgungszentrum keine Freude aufkommt, ist klar. Die Verantwortlichen vom Bauamt würden das 18-Millionen-Projekt auch lieber heute als morgen übergeben, sagt Blickle: „Aber uns sind die Hände gebunden.“ Das liegt an 4800 Quadratmeter Fliesen, die an Böden (2200 Quadratmeter) und Wänden im Versorgungszentrum kleben.

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Allerdings nicht so, wie es Stand der Bautechnik ist und wie es sich der Auftraggeber vorstellt. Die Fliesen liegen teilweise hohl, sind bucklig verlegt und vor allem gibt es Probleme bei der Dichtigkeit. Mittelfristig drohten deshalb Schäden für den eigentlichen Baukörper. Das hat schon im Herbst ein vom Bauamt beauftragter Gutachter festgestellt. In Küche, Wäscherei oder Bäckerei würden schwer beladene Rollwägen die Böden intensiv beanspruchen, betont Blickle. Es gehe nicht um ein optisches Problem, sondern um nicht hinnehmbare Mängel. Der Sachverständige hat eine Reparatur ausgeschlossen und Tabula rasa empfohlen. Das heißt: Nahezu alle Fliesen runter und neue verlegen.

Wer zahlt?

Und wer zahlt das? Der Staat als Auftraggeber will das natürlich nicht, aber auch das Unternehmen winkt ab. Genau hier werden die Bauarbeiten in der JVA eine Sache fürs Zivilgericht. Zur Abklärung des Schadensverursachers hat das Bauamt nämlich ein sogenanntes gerichtliches Beweisverfahren eingeleitet.

Der Auftrag „musste“ (betont das Bauamt) im Rahmen einer EU-weiten Ausschreibung an eine spanische Firma vergeben werden. Für 380000 Euro, laut Blickle. Schon auf der Baustelle gab es ganz offensichtlich Ärger mit dem Unternehmen. Die Arbeiten seien „nur zögerlich“ erfolgt. Soll heißen: Das Unternehmen aus Südeuropa hatte Probleme mit dem Terminplan und liefert dann noch schlechte Arbeit ab.

Das Landgericht Augsburg hat vor Kurzem entschieden, dass eine neue Expertise über die Baumängel für das Verfahren erstellt werden muss. Dieser Gutachter war vergangene Woche auf der Baustelle. Blickle hofft jetzt, dass bald eine Entscheidung fällt. Möglich ist auch, dass der Freistaat schon vor dem Urteil in Vorleistung geht. Dann müssten Abriss und Neuverlegung der Fliesen finanziert werden. Ohne zu wissen, wer am Schluss die Rechnung bezahlt. Vorteil: Auf der Baustelle könnte weitergearbeitet werden und bis Anfang 2016 ist das Versorgungszentrum nutzbar. Andernfalls droht eine weitere Hängepartie.

JVA wartet zeigt Jahren auf den Neubau

Für das Aichacher Gefängnis ist die Investition ein Meilenstein. Dort wartet man seit Jahren auf den Neubau. Die bestehenden Versorgungseinrichtungen entsprechen nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Jetzt müssen sich die Mitarbeiter und die dort beschäftigten Gefangenen noch mindestens ein dreiviertel Jahr länger gedulden.

JVA-Leiter Meier wäre natürlich „froh, wenn wir das Versorgungszentrum endlich nutzen könnten.“ Eine weitere Überbrückung sei in den bestehenden Wirtschaftsgebäuden möglich. Allerdings nur, solange sich an der Zahl der zu versorgenden Gefangenen in Aichach und anderen Anstalten nichts ändert, schränkt Meier ein.

Wie mehrmals berichtet, soll die neue Wäscherei und Bäckerei künftig auch die Justizvollzugsanstalt Gablingen mitversorgen. Derzeit übernimmt Aichach das auch schon für die Anstalten in Augsburg in der Karmelitengasse und auf dem Hochfeld (rund 300 Haftplätze). Im Juli beginnt in Gablingen der „Probebetrieb“ mit 100 Häftlingen, die aus dem Hochfeld umziehen. Bei Vollbetrieb können in Gablingen aber über 600 Haftplätze belegt werden.

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