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Aichach

13.11.2019

Der Bedarf für Sozialarbeit an der Schule wächst

Familiäre Probleme, Konflikte mit Mitschülern, Mobbing: Die Gründe, aus denen sich Schüler an der Geschwister-Scholl-Mittelschule an Martina Osterhuber wenden, sind vielfältig. Sie ist dort für die Jugendsozialarbeit verantwortlich. (Symbolfoto)
Bild: Christian Maennling

Plus An der Geschwister-Scholl-Mittelschule in Aichach ist Martina Osterhuber für die Kinder und Jugendlichen da. Jeder dritte Schüler sucht Hilfe bei ihr.

An sie wenden sich Kinder und Jugendliche, wenn sie Probleme zu Hause oder mit Lehrern haben, wenn es Konflikte mit Mitschülern gibt, wenn sie gemobbt werden oder psychische Probleme haben: Die Bandbreite ist groß, mit der es Martina Osterhuber zu tun hat.

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Seit 2013 ist sie für die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) an der Geschwister-Scholl-Mittelschule in Aichach verantwortlich. Weil die Stadt einen Teil der Kosten für ihre Stelle trägt, gab sie im Finanzausschuss des Aichacher Stadtrats Einblick in ihre Arbeit.

Angestellt ist Martina Osterhuber bei einem freien Träger, der Augsburger Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (gfi). Diese betreibt Sozialarbeit mittlerweile an 24 Schulen, davon 18 im Landkreis Aichach-Friedberg. Osterhuber hat eine Vollzeitstelle.

Der Bedarf für Sozialarbeit an der Schule wächst

127 von 375 Schülern kamen zur Beratung

375 Schüler gibt es an der Mittelschule, davon haben 45 Prozent einen Migrationshintergrund, wie Martina Osterhuber berichtete. 127 Schüler kamen zu ihr wegen einer Einzelfallberatung, also etwa jeder dritte Schüler. Von diesen hatten sogar 56 Prozent einen Migrationshintergrund.

Die Einzelfallberatung ist das wichtigste Tätigkeitsfeld von Osterhuber. Dazu kommt die Arbeit mit Eltern, für die sie bei Bedarf auch Hausbesuche macht, die Zusammenarbeit mit den Lehrkräften und nicht zuletzt die Dokumentation ihrer Arbeit.

An der Schule organisiert sie zudem Projekte, zum Beispiel zur Suchtprävention oder zur Sexualpädagogik. Es gibt eine Arbeitsgemeinschaft Mobbing.

Wartezeiten bei Therapeuten sind lang

Zu ihrer Arbeit gehören auch die Vernetzung und Kooperation mit anderen Stellen, zum Beispiel mit dem Jugendamt, der Polizei, der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Josefinums in Augsburg, mit Psychologen und Therapeuten, mit dem Verein Brücke und mit der Drogenhilfe. Denn sie vermittelt Jugendliche und Eltern bei Bedarf an andere Stellen und begleitet sie gegebenenfalls dabei.

Die Weitervermittlung ist allerdings ein Problem, berichtete Osterhuber: Bei niedergelassenen Psychologen betrage die Wartezeit oft ein Dreivierteljahr. „Das ist für ein Kind mit akuten Problemen extrem lang.“

Auch die Verfahren bei Straftaten dauerten oft sehr lange. Gerade Jugendliche müssten die Konsequenzen ihres Handels aber zeitnah spüren, so Osterhuber.

79 Prozent kommen von selbst

Das A und O sind Vertraulichkeit und Freiwilligkeit. Die Kinder und Jugendlichen müssten sich darauf verlassen können, dass das, was sie ihr erzählen, nicht gleich bei den Eltern oder Lehrern landet, sagt Osterhuber.

Mittlerweile sei sie gut etabliert. Das Ergebnis: 79 Prozent der Schüler kommen von selbst, ohne Vermittlung von anderen, zu ihr. Die meisten sind Fünft- oder Sechstklässler. Mit 17 Prozent sind familiäre Probleme am häufigsten.

Probleme bringen manche schon aus der Grundschule mit

Schulleiter Franz Negele bestätigte die große Bedeutung der Sozialarbeit. Osterhuber sei mittlerweile Teil des Kollegiums. An der Schule gebe es viele Problemfälle, unter anderem eine ganze fünfte Klasse. „Die Probleme kommen von unten“, sagt Negele mit Blick auf die Grundschule. Manche Kinder bekämen von den Eltern nicht die Aufmerksamkeit, die sie bräuchten, die Kompetenz der Eltern in der Erziehung nehme ab. „Wir bekommen das voll ab.“

Eine Entwicklung, die auch die Finanzausschussmitglieder betroffen machte. Hermann Langer (CSU) sah das als Ergebnis der gesellschaftlichen Veränderungen. Die Kinder würden immer früher nicht mehr zu Hause betreut. „Das Problem ist: Wir müssen Plätze schaffen, um die Kinder von daheim wegzubringen“, sagte er. Dann müsse die Stadt wieder Geld ausgeben für Sozialarbeit an den Schulen. „Auf der Strecke bleibt das Kind“, fand Langer.

Auch Kristina Kolb-Djoka (SPD) kritisierte, dass Eltern ihrem Erziehungsauftrag nicht mehr gerecht würden und Erzieher einspringen sollen.

Bürgermeister: Ob das Sachaufwand ist?

Vor diesem Hintergrund betonte Habermann, wie wichtig Sozialarbeit schon in der Grundschule sei. Zur Sozialarbeit an der Mittelschule sagte er: „Es ist viel Geld, aber das ist gut angelegt.“

Über eines ärgerte er sich dennoch: dass die Stadt als Sachaufwandsträger mitzahlen müsse. Ob das Sachaufwand sei, bezweifelte der Bürgermeister. Da werde einmal mehr etwas von oben auf die Kommunen verlagert.

Wie Wilhelm Rottenkolber, Leiter der Finanzverwaltung, berichtete, zahlt die Stadt Aichach für die Jugendsozialarbeit an der Mittelschule 20000 Euro im Jahr. Mit der Sozialarbeit an der Ludwig-Steub-Grundschule und der Grundschule Aichach-Nord zusammen sind es rund 80000 Euro im Jahr. Zur Finanzierung der Jugendsozialarbeit an Schulen tragen außerdem der Freistaat Bayern, der Landkreis und der Träger, im Landkreis die gfi, bei.

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