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Meisterschaft

02.10.2018

Deutschlands beste Rutenbauer in Handzell

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6 Bilder
Sebastian Kiebist, Schwiegersohn von Karl Bartsch und zweimaliger Gewinner der Deutschen Meisterschaft im Rutenbau, hat keine Scheu vor grellen Farben. Sehr pink ist das Modell, mit dem er in den Wettkampf geht.
Bild: Vicky Jeanty

Acht Männer und eine Frau stellen sich dem Wettkampf um die beste Rute im Land. Eine „Handgemachte“ ist einiges wert. So ist es dem Lokalmatadoren ergangen.

Die Herausforderung ist groß: „In zehn Stunden an einem Tag aus dem blanken Rutenrohling eine fischbare Rute zusammen zu bauen, das gibt es weltweit sonst nirgendwo.“ Axel Falkenauer muss es wissen. Der Viernheimer ist passionierter Angler, mehrfacher Teilnehmer der Deutschen Meisterschaft im Rutenbau und seit einigen Jahren Mitglied der Jury, die einmal im Jahr den Rutenkönig krönt. Am Wochenende hatten Karl Bartsch und Tochter Melanie im Handzeller „Schlupfloch“ den Köder zur mittlerweile achten Meisterschaft ausgelegt und wahre Cracks im Rutenbau bissen an.

Die Teilnehmer kommen aus Deutschland: aus Marburg, Augsburg, Ingolstadt, Ulm, Odenwald oder Traunstein. 20 Kandidaten hatten Bartsch Bewerbungsruten nach Handzell geschickt, zehn von ihnen haben sich für den Wettkampf qualifiziert. Wegen einer Absage kämpfen nun eine Frau und acht Männer um die ersten Plätze.

Die Materialien und das Handwerkszeug sind vor Ort. Die Kandidaten bekommen einen schlichten Kohlefaserrohling, den sogenannten Blank, aus dem sie in zehn Stunden eine fischbare Angelrute herstellen müssen. Sie bedienen sich in Bartschs bestens bestückten Anglerzubehör-Lager, um dann an der Werkbank loszulegen. „Die Bewertungskriterien werden immer härter“, sagt Karl Bartsch. Die Rute muss nicht nur funktionstüchtig sein, sie muss auch technisch und handwerklich ausgereift und stimmig sein.

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Einer der besten Rutenbauer Deutschlands

Das setzt großes Können und Tüftelkompetenzen voraus. „Wir wollen zudem was Innovatives, Kreatives sehen“, ergänzt Bartschs Tochter Melanie, die mit in der Jury sitzt. „Bewertet wird der Aufwand, mit dem die einzelnen Komponenten angebracht und aufeinander abgestimmt sind“, erklärt sie. Das kann der Griff sein, der aus mehrfarbigem Hartgummi zusammengestellt ist. Das sind vor allem die Zierwicklungen, deren Muster sich filigran um die Rute wickeln und den Eindruck feinster Stickereiarbeit vermitteln. Das kann auch die Farbwahl bei der Lackierung sein, die von leuchtend grün über knall gelb oder pink-rosa reicht.

Den Entstehungsprozess der Unikate können Laie wie Angelkumpel direkt miterleben. Die Kandidaten lassen sich bereitwillig über die Schulter schauen und registrieren geduldig Fragen und Kommentare der Besucher. Nina Steidle aus Gersthofen ist zum wiederholten Male in die Endausscheidung gekommen und konzentriert sich auf ausgefallene Wicklungen in gewagter Farbkombination. „Mittlerweile kann ich das besser als mein Mann“, sagt die junge Frau, deren Ehemann vor Jahren am Wettbewerb teilgenommen hatte.

Für Karl Bartsch ist es eine Genugtuung, dass etliche Kandidaten der Meisterschaft ehemalige Schüler von ihm sind. Bartsch genießt Renommee als einer der besten Rutenbauer Deutschlands, er gibt europaweit Kurse und ist weltweit vernetzt. Seine Angleraffinität ist direkt auf seine Tochter Melanie übergegangen.

Ein Unikat für den Löwen-Fan

Die heute 30-Jährige baute bereits im Kindesalter unter Papas Anleitung ihre erste Rute, als Jury-Mitglied muss sie heuer das Werk ihres frisch gebackenen Ehemanns Sebastian Kiebist begutachten, der bereits zweimal deutscher Rutenbau-Meister war. Beim Wettkampf in Handzell treffen sich die eingefleischten Anglerkumpels, die oft von weit her anreisen. Gäste aus Hamburg, Berlin und Schleswig-Holstein werden begrüßt. Man kennt sich, es wird gefachsimpelt, heiße Anglertipps werden diskutiert, Anglerurlaube geplant. An sechs Ständen werden zum Teil hochwertige Anglerartikel zu Flohmarktpreisen angeboten. Vertreten ist auch das einzige Münchner Auktionshaus für Anglerzubehör. Der Pöttmeser Angelsportverein übernimmt die Verpflegung. Unter anderem gibt es Steckerlfisch. Und der regionale Fernsehensener a.tv. ist vor Ort. Am Sonntagvormittag ist Siegerehrung im „Schlupfloch“. Die drei besten Rutenbauer erhalten Pokale und Sachpreise. Es gewinnt Lokalmatador Sebastian Kiebist, gefolgt von Reinhard Augustin und Stefan Micheler. Geehrt werden auch die drei besten des Freibau-Rutenwettbewerbs, der zeitgleich mit der offiziellen Meisterschaft ausgerichtet wird.

Was passiert jetzt mit den edlen Angelruten, die zum Teil für bis zu 600 Euro pro Stück gehandelt werden? Kiebist weiß das ganz genau: Ein Angelfreak aus München hat sein grell pinkes Exemplar gekauft. Die Rutenbau-Szene boomt: Ein 1860-Fußball-Fan hat sich von Kiebist eine in den Löwen-Farben gehaltene Rute anfertigen lassen. Aber es geht auch einfarbig: Axel Falkenauer hat mit einer seiner selbst gebauten Ruten einen über zwei Meter langen und 75 Kilo schweren Waller aus dem Neckar an Land gebracht – und das sei garantiert kein Anglerlatein, fügt er hinzu.

Fernsehbericht Der Regionalsender a.tv sendet am Dienstag, 2. September, zwischen 18 und 19 Uhr einen Bericht über die Meisterschaft in Handzell.

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