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Kinofilm

30.05.2019

Die Aichacherin Simone Hage lebt ihren Traum

Simone Hage (rechts) hat einen Wanderritt mit einer Freundin und drei Pferden an die Nordsee-Küste nach Dänemark unternommen. Der Trip wurde verfilmt und kommt am 6. Juni ins Kino.
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Simone Hage (rechts) hat einen Wanderritt mit einer Freundin und drei Pferden an die Nordsee-Küste nach Dänemark unternommen. Der Trip wurde verfilmt und kommt am 6. Juni ins Kino.
Bild: Caro Lobig

Die 19-jährige Aichacherin hat auf ihren Pferden eine Reise nach Dänemark unternommen. Der Trip kommt am 6. Juni in die Kinos. Was den Film besonders macht.

Die Feuerwehr musste das Pferd mit Schläuchen und Seilen aus der Elbe ziehen. Es lief frei herum und wollte etwas trinken. Dann war es passiert. Das Wildpferd stürzte in den Fluss. „Ich dachte, dass es von uns geht“, sagt Simone Hage. Das sei ein besonders brenzliger Moment gewesen während ihrer Reise von Aichach nach Dänemark.

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Nach zwei Stunden war das Tier wieder in Sicherheit. Der Trip konnte weitergehen. Hage bezeichnet ihn als Wanderritt. Sie ist 19 Jahre alt und stammt aus Aichach. Sie zog im vergangenen Jahr mit einer Freundin und drei Pferden los gen Norden: Die dänische Nordseeküste war das Ziel. Die fünf waren im vergangenen Hitzesommer unterwegs. Von Anfang Juli bis Oktober, 100 Tage.

Mit dabei war hin und wieder auch ein Filmteam. Eine Produktionsfirma war in den sozialen Netzwerken auf die Reisenden aufmerksam geworden und bettete den Trip in einen Dokumentarfilm ein. Er heißt „Magie der Wildpferde“ und hatte Mitte Mai Deutschland-Premiere in Köln. Am 6. Juni kommt er in viele andere Kinos, auch nach Aichach.

Die Aichacherin Simone Hage lebt ihren Traum

Die Tiere bedeuteten für die Aichacherin Spiritualität

„,Die Magie der Wildpferde‘ zeigt uns, was es heißt, wirklich verbunden zu sein“, sagt Hage in dem Film. „Es ist unglaublich, wie viel uns Wildpferde schenken.“ Die Tiere bedeuteten für sie Spiritualität. „Ich hatte schon immer ein Faible für Pferde.“ Sie habe schon Pferde auf der ganzen Welt fotografiert. Nach der zehnten Klasse hat sie das Aichacher Deutschherren-Gymnasium verlassen und ging auf Reisen. „Manche Dinge muss man einfach machen, egal, wie verrückt sie sind.“ An ihrem ersten Ferientag flog sie für ein Jahr nach Irland, Skandinavien und Fuerteventura. Auf der Kanaren-Insel arbeitete sie als Tauchlehrerin. Über diese Abenteuer schrieb Hage auch für K!ar.Text.

Eigentlich dachte sie, dass sie es wie alle anderen macht: Schule, Ausbildung oder Studium, Job. „Aber wenn man einmal da draußen ist“, sagt sie, „geht es nicht wieder zurück.“ Es sei Wahnsinn, was sie da lerne, dafür brauche sie keine Bücher. Außer ihr Tagebuch, in dem sie alles festhält. „Es ist so unglaublich, was ich alles erleben darf. Deshalb muss ich es aufschreiben.“ Die beste Art für sie zu lernen sei es, das von anderen Menschen zu tun. Auf ihren Reisen lerne sie, mit Problemen klarzukommen.

Während ihre ehemaligen Mitschüler „fleißige Bienchen“ waren, wie Hage sagt, und sich 2017 auf das Abitur vorbereiteten, kaufte sie sich ein Wildpferd namens Coco. Sie wollte einen Wanderritt an die Küste machen. „Ich habe immer schon davon geträumt, mit Pferden am Strand zu reiten“, sagt sie und lacht. Es sei intuitiv gewesen, anstatt in den Süden in den Norden zu reiten.

Finanzielle Unterstützung erhält die Aichacherin von ihren Eltern nicht

Das erzählt sie an einem Vormittag in einem Café in Aichach. Das Wetter ist trüb, draußen buddeln Bagger die Obere Vorstadt um. Hage, Rastalocken, braune Augen, T-Shirt, Kette, Lächeln im Gesicht, besucht gerade ihre Eltern. Was sie dazu sagen, dass sie ständig reist? Hage lehnt sich zurück, holt tief Luft, muss überlegen. „Klar ist es doof für sie“, sagt sie. Ihre Eltern wünschten sich, dass sie „den klassisch-rationalen Weg“ gehe. Ihre Eltern reisten aber auch viel, sodass sie es schon verstehen könnten und ihre Lebensweise tolerierten. „Es ist so wichtig, seinen eigenen Weg zu gehen“, sagt Hage. „Man muss anderen gegenüber Toleranz entwickeln.“

Finanzielle Unterstützung erhält Hage von ihren Eltern nicht. Das Geld kommt durch ihre Fotografie rein. Seit 2016 verkauft sie Fotos von ihren Reisen. Sie gibt auch Onlineseminare für angehende Fotografen. „Ich liebe es, anderen das Fotografieren beizubringen.“ Doch sie kann verstehen, dass auch ein Bürojob glücklich machen kann. „Es gibt Leute, die lieben ihre Strukturen.“ Sie möchte nicht, dass alle auf Reisen gehen wie sie. „Aber ich finde es schade, dass manche Träume hegen und sie nicht verwirklichen.“

Auf dem Wanderritt schliefen sie und ihre Freundin bei anderen Leuten in Gästezimmern oder auf Wiesen. Den Weg nach Dänemark fanden die zwei Freundinnen mit einer App. Besonders in Erinnerung geblieben ist Hage, wie sie im Harz einen Hang hochgaloppierten. Auch, dass sie während des Ritts ihr zweites Wildpferd, die Konik-Stute Lona aus Polen, ausbilden konnte. „Sie ist nun lieb“, sagt Hage.

Ihre Freundin hat Hage bis nach Scharbeutz an die Ostsee begleitet. Hage ist danach alleine weiter, über Husum an der deutschen Nordsee-Küste nach Esberg in Dänemark. Dort blieb sie einen Monat, führte Strandritte und arbeitete bei einem Isländer-Hof. Danach zog es sie auf einen anderen Hof in der Nähe der deutsch-dänischen Grenze, wo sie gerade ihren Lebensmittelpunkt hat und – na klar – mit Pferden arbeitet.

Wie lange sie dort bleibt, weiß sie noch nicht. „Ich bin immer irgendwo, aber nie am selben Ort.“ Sie schätze das unabhängige Leben. „Wenn ich Lust auf etwas anderes habe, mache ich es.“ Manchmal habe man Ziele, um am Ende dort gar nicht anzukommen. „Sondern, um auf der Mitte des Weges etwas anderes zu finden.“

„Magie der Wildpferde“ läuft vom 6. Juni an im Cineplex in Aichach und dauert gut eineinhalb Stunden. Es geht in dem Film um die Verbindung zwischen Mensch und Wildpferd. Protagonisten sind unter anderem Sandra Schneider (Pferdetrainerin), Simone Hage (Wanderreiterin) und Arien Aguilar (europaweit bekannter Reitkunst-Trainer).

Lesen Sie dazu auch diesen Artikel: Mit zwei Pferden von Aichach nach Dänemark

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01.06.2019

Haben jetzt die Pferde oder die Reiterin die Reisestrapazen getragen?

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