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10.07.2017

Die Anonymen Alkoholiker gibt es seit 30 Jahren in Aichach

Sie finanzieren sich selbst, wahren die Anonymität und sind eine zuverlässige Anlaufstelle für die Alkoholabhängigen: Die AA. (Archivfoto)
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Sie finanzieren sich selbst, wahren die Anonymität und sind eine zuverlässige Anlaufstelle für die Alkoholabhängigen: Die AA. (Archivfoto)
Bild: Victorine Jeanty

Millionär oder Sozialhilfeempfänger - die Suchtkrankheit gibt es in allen Gesellschaftsschichten.  Für viele sind die AA mehr als eine Selbsthilfegruppe

„Ich wäre heute tot, wenn es nicht die Anonymen Alkoholiker geben würde.“ Dieser Satz fällt oft am Samstagnachmittag im Aichacher Pfarrzentrum. Die Aichacher Gruppe der Anonymen Alkoholiker (AA) feiert dort zusammen mit Freunden aus anderen AA-Gruppen ihr 30-jähriges Bestehen. Betroffene erzählen von ihrem Weg in den Alkohol oder wie es ist, als Angehöriger mit einem Alkoholiker zu leben.

Die liebevolle Begrüßung der einzelnen Teilnehmer untereinander erinnert an ein Treffen von langjährigen Freunden. Und irgendwie sind sie das ja auch. Sie alle haben einen langen, beschwerlichen Weg hinter sich und haben ihn nur mit Unterstützung der AA geschafft. Für sie sind die AA nicht nur eine Selbsthilfegruppe, sondern eine Gemeinschaft.

„Alkoholismus ist eine seltsame Krankheit“, sagt einer. Gefeit ist dagegen niemand. Weder Bildung, noch das Umfeld oder der familiäre Hintergrund schützen vor Alkoholismus. Ein Teilnehmer über die Treffen der AA: „Bei uns sitzt der Millionär neben dem Sozialhilfeempfänger und der Professor neben dem Analphabeten.“

Schon mit fünf Jahren kam Werner das erste Mal mit Alkohol in Kontakt, mit 14 Jahren hatte er seinen ersten Rausch. Auch während seiner Ausbildung habe er es immer mit Menschen zu tun gehabt, die viel getrunken haben, erzählt er. „Während meiner Bundeswehrzeit war ich stolz, dass ich die Großen unter den Tisch getrunken habe.“ Heute weiß er, dass er sich damals eigentlich nur seine Komplexe weggetrunken hat. Dass er schon längst ein Alkoholproblem hatte, war ihm nicht bewusst gewesen. Werner weiter: „Ich habe meine Arbeitsplätze versoffen.“ Im Suff hatte er sogar seiner Frau gedroht, sie zu erschießen, weil sie ihm kein Geld für Alkohol geben wollte. Heute, als trockener Alkoholiker, sagt er: „Ich habe das Leben gewonnen.“

Brigitte war mit einem Alkoholiker verheiratet, merkte aber lange nichts davon. Das Ehepaar hatte einen großen Freundeskreis und feierte oft. „Mir fiel anfangs gar nicht auf, dass mein Mann mehr trank als andere.“ Als ihr das bewusst geworden war, entwickelte sie einen Kontrollzwang. Die Folge: Ihr Mann begann, heimlich zu trinken. Brigitte erzählt: „Ich dachte, ich schaffe es mit Drohungen, dass er aufhört.“

Stadtpfarrer und Bürgermeister zollen den Mitgliedern Respekt

Damit das Umfeld nichts davon merkte, log sie für ihren Mann. Was manchmal zu peinlichen Situationen führte, wenn ihr Mann eine andere Geschichte erzählt hatte. Als sie mit ihrem Latein am Ende war, hörte sie von Al-Anon, der Selbsthilfegruppe für Freunde und Angehörige von Alkoholikern.

Dort lernte sie: „Ich habe nicht die Verantwortung für meinen Mann und nicht die Macht, ihn vom Alkohol wegzubringen.“ Für sie sei es erleichternd gewesen, die Verantwortung abzugeben, sagt sie rückblickend.

Aichachs Stadtpfarrer Herbert Gugler und Bürgermeister Klaus Habermann bringen in ihren Grußworten ihren Respekt für die Standhaftigkeit der trockenen Alkoholiker zum Ausdruck. Es sei nicht leicht, einem Vorsatz treu zu bleiben, sagt Gugler. Habermann sagte, gerade Jugendliche würden sehr lapidar mit der Krankheit Alkoholismus umgehen. Der Bürgermeister versicherte der Aichacher Gruppe, dass die Stadt sie weiterhin gerne unterstütze. Den Mitgliedern sagte er: „Großes Kompliment, dass Sie dieses Fest begehen, Ihre Krankheit öffentlich machen und damit vielleicht auch anderen helfen.“

Die Aichacher Gruppe der AA gründeten vor 30 Jahren vier trockene Alkoholiker, die bis dahin zu den wöchentlichen Treffen nach Augsburg gefahren waren. Das erste „Meeting“, wie die AA die Treffen nennen, in Aichach fand in dem Raum statt, wo die Zusammenkünfte noch heute jeden Mittwoch sind: in der ehemaligen Mädchenschule in Aichach, Martinstraße 9.

Mit einem Stamm von 12 bis 15 Freunden, wie sich die AA untereinander nennen, nimmt die Gruppe aktiv am Leben in der Region teil. Sie führen in Schulen und im Krankenhaus regelmäßig Informationsveranstaltungen durch und betreuen Insassen der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aichach.

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