1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Die Blütenpracht für einen Tag entfaltet sich nur nach harter Arbeit

Rehling-Sankt Stephan

10.10.2010

Die Blütenpracht für einen Tag entfaltet sich nur nach harter Arbeit

Die Blütenpracht für einen Tag entfaltet sich nur nach harter Arbeit
2 Bilder
80 Jahre alt ist er nun schon, Jakob Lindermeir aus Bergen, ein treues Mitglied beim Verein Freunde der Natur, und er ist noch immer tatkräftig an jeder Aktion beteiligt, so auch diesmal mit seiner Sense beim Mähen im Taglilienfeld. Fotos: Josef Abt (3)

Es ist Knochenarbeit, und sie machen sie freiwillig: Die Freunde der Natur Sankt Stephan greifen zu Sense und Gabel, um ein Natur-Kleinod der Gemeinde Rehling zu pflegen: das Taglilienfeld mit angrenzendem Wald westlich von Sankt Stephan. Von Josef Abt

Rehling-Sankt Stephan. Es ist Knochenarbeit, und sie machen sie freiwillig: Die Freunde der Natur Sankt Stephan greifen zu Sense und Gabel, um ein Natur-Kleinod der Gemeinde Rehling zu pflegen: das Taglilienfeld mit angrenzendem Wald westlich von Sankt Stephan.

Die Wiese mit einem Bestand von Tausenden von Lilien, die im Juni blühen, ist ein botanischer Schatz. Sie kann als einzigartig in Mitteleuropa bezeichnet werden. Der älteste Helfer ist 80 Jahre alt. Jakob Lindermeir aus Affing-Bergen macht die Arbeit Spaß. Ihn freut, "weil man doch noch gefragt ist in der Gesellschaft".

Unter Vorsitz von Lorenz Bachmeier sind die Freiwilligen zweimal im Jahr in dem Naturschutzgebiet in den Lechauen tätig. Der Lohn für die Mühen ist die herrliche Pracht der Taglilien. Die schaut sich im Sommer auch Lindermeir "ein paarmal an", denn "ich will sehen, wie das ist". Jetzt stand das Mähen an. Nachdem der erste Termin wegen schlechten Wetters abgesagt werden musste, nahmen die Helfer nun einen neuen Anlauf. Bewaffnet mit Sense und Gabel, aber auch Kreiselmäher und Traktor samt Hänger entfernten sie das teilweise 80 Zentimeter hohe Gras. Bachmeier gab den Helfern die Instruktionen. Man könne "nicht einfach so drauflosmähen", betonte er. Es gibt ganz exakte Vorgaben. Auf die hat Georg Wenger von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt hingewiesen. Vor Ort legten die Verantwortlichen einen Pflegeplan fest. Ein Mitspracherecht hat auch der Naturwissenschaftliche Verein Schwaben, der seit 1930 Eigentümer des Grundstückes ist.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ziel der Naturschützer ist es, den Auenwald als Vegetationsbrücke zwischen Alpen und Jura, als Klimaschutz zu erhalten. Das Bett des Lechs mit seinen weitverzweigten Armen erstreckte sich einst auch bis auf die Höhe dieses Taglilienfeldes. Das Naturdenkmal wurde 1982 unter Schutz gestellt, um die charakteristische Restfläche der ursprünglichen Auenlandschaft zu bewahren und die Flora zu schützen. Neben den Taglilien sind auch Hummelragwurz, Spinnenragwurz, verschiedene Händelwurzarten, Frauenschuh, Türkenbund, Melisse, Lein, Sibirische Schwertlilie, Seidelbast und Laserkraut zu finden, ebenso die Ranken der Waldrebe.

Man darf die Natur nicht sich selbst überlassen

Um die Raritäten zu bewahren, darf man die Natur nicht sich selbst überlassen. Ein Einsatz ist zweimal jährlich nötig: im Taglilienfeld und am Rand. Bürgermeister Alfred Rappel lobt die Hilfe: "Das Taglilienfeld ist für Rehling ein Aushängeschild für praktizierten Naturschutz vor Ort. Die Pflege durch den Verein Freunde der Natur sehe ich als ein herausragendes Beispiel für das Engagement privater Bürger zum Erhalt unserer schönen und liebenswerten Landschaft", sagt er. Die Helfer wissen es: Das Taglilienfeld um den abgepflockten Bereich wird in der Regel nicht gemäht. Hier werden in der zweiten Julihälfte lediglich die Wurzeln der kanadischen Goldraute und Disteln von Hand herausgerissen, damit die besondere Pflanze nicht verdrängt wird. Am Randbereich wird ein vier Meter breiter Streifen gemäht.

Im Herbst muss die Restheidefläche gemäht werden

Im Herbst geht es stets um die Pflege der Restheidefläche und des angrenzenden Gemeindewaldes. Hier darf nicht gemulcht, sondern nur gemäht werden. Bei den großen Flächen wird, soweit möglich, ein Kreiselmäher eingesetzt. Doch es bleiben viele Stellen, die nur mit Sensen zu bearbeiten sind. Da sind diejenigen gefragt, die die alte Kunst noch beherrschen. Wie der 80-jährige Lindermeir. "Solang i no kann", hilft er mit. Ist es anstrengend? "Für mi ned", sagt Lindermeir, der dabei auch die "gute Gesellschaft" schätzt.

Während Lindermeir und die anderen mähen, braucht ein anderer Trupp viel Kraft beim Zusammenrechen und Aufladen des nassen Mähgutes. Aber auch ihnen macht die Arbeit in der Gemeinschaft Spaß. Klar, dass nach getaner Arbeit bei der stolzen Begutachtung des Werkes die Brotzeit besonders gut schmeckte, die der Vorstand servierte. Am 14. Oktober gibt es eine "Abnahme" mit den Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde, dem Naturwissenschaftlichen Verein und den Freunden der Natur. Dabei werden die künftigen Aktionen besprochen. Lindermeir und die anderen Helfer können sich aber jetzt schon auf eine neue Blüte "ihres" Taglilienfeldes im nächsten Sommer freuen. Von Josef Abt

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20k3620321.tif
Verlosung

Gewinnen Sie Zwei Karten für die Tanzshow „Heartbeat“

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen