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Dasing

14.08.2017

Die Blutsbrüder sitzen in Dasing wieder im Sattel

Helmut Urban im Kostüm Old Shatterhands (links) und Matthias M. alias Winnetou reiten wieder: Gut zwei Wochen nachdem es in der Western-City brannte, dürfen die Schauspieler der süddeutschen Karl-May-Festspiele wieder durch den Sand der Arena galoppieren.
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Helmut Urban im Kostüm Old Shatterhands (links) und Matthias M. alias Winnetou reiten wieder: Gut zwei Wochen nachdem es in der Western-City brannte, dürfen die Schauspieler der süddeutschen Karl-May-Festspiele wieder durch den Sand der Arena galoppieren.
Bild: Elisa-Madeleine Glöckner

Nach dem Großbrand in der Western-City nimmt das Ensemble um die süddeutschen Karl-May-Festspiele in Dasing den Betrieb wieder auf. Wie Akteure, Helfer und Besucher die Premiere empfinden

Es riecht verbrannt. Wie ein Schleier legt sich der Geruch über die Western-City. Zumindest über das, was von ihr übrig blieb. Doch die Besucher bekommen nicht viel davon mit, denn das Team der Westernstadt hat die Spuren des Feuers vor zwei Wochen gut verwischt. Planen versperren die Sicht auf das Trümmerfeld. Vor einer hat sich Tim positioniert. Im Cowboy-Kostüm begrüßt der Elfjährige die Gäste und zieht den Hut. Für gewöhnlich steht er hier jedes Wochenende. Und auch heute scheint alles normal. Doch es ist anders. Zum ersten Mal nach dem verheerenden Großbrand steht das 80-köpfige Ensemble um die süddeutschen Karl-May-Festspiele wieder im Sand der Arena, um den Betrieb von „Winnetou und die Felsenburg“ aufzunehmen.

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Mulmiges Gefühl hinter den Kulissen

In 30 Minuten beginnt die Vorstellung. Hinter den Kulissen werken die Schauspieler, satteln die Pferde, verzieren Schweif und Mähne. Es ist ruhig. „Die Stimmung ist anders“, sagt Regisseur Peter Görlach. „Man sieht es in den Augen der Kollegen“, meint auch Winnetou-Darsteller Matthias M. „Es ist ein mulmiges Gefühl“, beschreibt der Hauptakteur – zumal der Tagesablauf von der Norm abweicht. „Wir haben, anders als sonst, im Vorfeld keinen Kontakt zu den Gästen.“ Das fehle, sagt er und streichelt sein Show-Pferd Grizzly.

Die Unsicherheit sitzt dem Team in den Knochen. Viele Mitglieder waren in jener Nacht vor Ort. „Es ist was verloren gegangen“, sagt Marion Petermeier über die Morgenstunden des 30. Juli. Seither hätten sich Dinge geändert: „Jetzt halten wir Nachtwache.“ Die Angst, etwas verteidigen zu müssen, sei sehr präsent. Gestern Nacht, zum Beispiel. „Es gab eine Fehlzündung beim Starten des Notstromaggregats“, erzählt Petermeier. Ein Schuss, dann der Schock. „Wir sind alle auf Hab-Acht-Stellung.

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Auch Kostüme waren verbrannt

Nicht nur Gebäude sind dem Brand zum Opfer gefallen – auch Teile des Bühnenbilds. „Es sind Kostüme, Halfter und Sättel abhandengekommen“, erklärt Peter Görlach. Eine Leidtragende ist Martina Kerschdorfer. Ihr Zimmer fing Feuer. Sie hatte zwar versucht, einiges zu retten. Gelungen ist es ihr nicht. Die Akteurin fährt jedes Wochenende 300 Kilometer nach Dasing, um in der Arena die Kriegerin zu geben. Schlafen muss sie nun in einer Blockhütte. „Es ist vor allem der ideelle Wert, der hier verloren ging“, meint Freundin Karin Bacanovic-Weiser. Aber man hilft sich in der Western-City: „Wir sind wie eine große Familie“, bekräftigen die beiden. Auch Regisseur Görlach betont: „Der Zusammenhalt in dieser besonderen Situation. Hut ab.“ Von alldem bekommt das Publikum in der Arena nichts mit. Manager Volker Waschk begrüßt die Gäste, die Show beginnt. Alles läuft nach Plan: Winnetou und Old Shatterhand kämpfen gegen das Böse. Und am Ende siegt die Moral. Indes lässt sich das Ensemble nichts anmerken, gibt sich über die Stunden hinweg hochprofessionell. Heike und Günther Kretschmer aus München sind begeistert. „Es war beeindruckend“, schwärmen sie. Die Katastrophe habe man niemandem angesehen. Lobende Worte finden auch Saskia und Wolfram Mutollo aus Donauwörth. Sie Schreiben für einen Internet-Blog: „Früher haben wir die Bücher Mays verschlungen. Auch unsere Kinder sollen die Welt Winnetous kennenlernen.“

Als die Show vorbei ist, gibt sich das Team hinter den Kulissen erleichtert. „Anfangs war es eigenartig, das hat sich aber schnell gelegt“, erzählt Martina Kerschdorfer. Freundin Karin nickt. Die Spiele müssen weiter gehen – da sind sich alle einig. „Es wäre schade, wenn die Western-City nicht mehr aufgebaut wird“, so Marion Petermeier – sei es doch das Lebenswerk Fred Rais. „Spätestens das wäre sein Tod gewesen.“

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