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Wahlanalyse

26.09.2017

Die CSU gibt Boden preis – erdrutschartig

Symbolfoto
Bild: Silvio Wyszengrad

Christsoziale lernen im Landkreis die 40-Prozent-Marke näher kennen. Die SPD muss schon froh sein, wenn sie zweistellig ist

Aichach-Friedberg Das Wittelsbacher Land wählt in der Regel schwarz – das ist keine Neuigkeit. Besonders bei Bundestagswahlen wurde es für die politische Konkurrenz meist ziemlich finster. Und doch gibt es auch hier starke Schattierungen und Helligkeits-Nuancen. Schauen wir zurück auf die Ergebnisse in diesem Jahrtausend: Nach dem Edi-Stoiber-Orkan, der bei der Bundestagswahl 2002 auch über dem Landkreis fegte, mussten die Christsozialen zwischen Lech und Weilach bei zwei Urnengängen (2005 und 2009) deutliche Verluste einstecken – teilweise über 25 Prozentpunkte gingen in sieben Jahren in einigen Landgemeinden verloren. Vor vier Jahren haben die CSU und ihre Kandidaten, damals übrigens noch mit Angie-Rückenwind, wieder deutlich Boden gutgemacht, um ihn am Sonntagabend wieder, sozusagen erdrutschartig, preiszugeben. Und wer hat ihn besetzt? Eine „Alternative“, die vor Ort eigentlich gar nicht da war, aber auf dem Wahlzettel stand.

Wahlbeteiligung Mit 81,3 Prozent (16 Kreiskommunen im Wahlkreis Augsburg-Land) ist die Wahlbeteiligung im Bundesvergleich (76) stark überdurchschnittlich. Eine absolute Trendumkehr mit Blick auf 2005 (82) und 2009 (75) und 2013 (73). Auch im Wahlkreis Donau-Ries insgesamt (77,5 Prozent der Stimmberechtigten) und in den acht zugehörigen Kommunen aus dem Landkreis-Norden (78,6) ist die Beteiligung wieder deutlich gestiegen. In Ried im Landkreis-Süden leben übrigens die fleißigsten Wähler des Wittelsbacher Landes – 86,6 der Wahlberechtigten gingen dort an die Urnen. Die Schlusslichter: Aichach (76,4) hinter Aindling (77,2).

CSU Gleich vorweg: Keiner der beiden CSU-Direktkandidaten hatte eine Chance, über die „Edi-Oswald-Gedächtnislinie“ von 60 Prozent zu springen. Ulrich Lange (Wahlkreis Donau-Ries) lag vor vier Jahren gleich in fünf von acht seiner Gemeinden im Kreis (Inchenhofen, Petersdorf, Pöttmes, Schiltberg und Todtenweis) über 70 Prozent. Diesmal muss er froh sein, dass er überall über 50 Prozent bleibt – das ist bei seinem Gesamtergebnis von 47 Prozent sogar immer noch überdurchschnittlich. Das gelingt Hansjörg Durz (Wahlkreis Augsburg-Land) zwar auch noch in einigen Gemeinden im Kreis, aber deutlich nur noch in Sielenbach (55,5), Hollenbach (56,3) und Adelzhausen (57,2). Was für die Kandidaten spricht: Sie liegen durchgängig in allen Kommunen mit ihrem persönlichen Erststimmenergebnis über den Zweitstimmen-Ergebnissen ihrer Partei. Die früher von der CSU nur vom Hörensagen gekannte 40-Prozent-Marke wird im Landkreis-Süden sogar unterschritten. Das beste CSU-Ergebnis stammt mit 51,1 Prozent aus Pöttmes. Zum Vergleich: In Sielenbach gaben vor 15 Jahren rund 80 Prozent der Wähler Erst- und Zweitstimme für die beiden Edis (Eduard Oswald und Edmund Stoiber) ab.

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AfD Die rechte Protestpartei ist für die Wähler mehr als nur eine Alternative. In allen 24 Kreiskommunen ist die AfD zum Teil deutlich zweistellig und damit auch zweitstärkste Partei überhaupt. Ihre besten Resultate erreicht die Partei dabei in Schiltberg (19) und Todtenweis (20,5). " Bericht Seite 1

SPD Für eingefleischte Sozialdemokraten bedeutet der Blick auf die Bundestagswahlergebnisse nahezu seelische Folter. Die Genossen stellen in den vier größten Kreis-Kommunen sei Jahrzehnten die Bürgermeister und respektable Fraktionen in den dortigen Stadt- und Gemeinderäten. Bei Bundestagswahlen sind sie seit dem Schröder-Erdrutschsieg 1998 in der Region aber nicht mehr richtig auf die Beine gekommen. 2013 erholte sich die Partei zumindest ein wenig. Gestern ein weiterer Rückschlag: In 13 von 24 Kommunen im Wittelsbacher Land ist die SPD nur noch einstellig. Nur an der Bahnlinie nach München (Mering, Kissing) sind es noch um die 15 Prozent. Die Direktkandidaten können sich nur marginal absetzen.

FDP Trend von Reicherstein im Norden bis Eresried im Süden: Die FDP ist wieder da. Es geht also weiter auf und ab mit den Liberalen. Vor vier Jahren waren sie fast nicht mehr auffindbar. 2009 lag die FDP bei den Zweitstimmen in einem Korridor von 13,4 Prozent (Rehling) bis 18,4 Prozent (Todtenweis). Der inzwischen verstorbene frühere Bundestagsabgeordnete Erwin Lotter holte damals in seiner Heimatstadt Aichach 17,5 Prozent – Karl-Heinz Faller kam am Sonntag dort auf 7,2 und in seiner Heimatgemeinde Dasing sogar auf elf Prozent.

Grüne Sie haben durch die Bank gewonnen – allerdings in keinem Vergleich zur FDP – und sind trotzdem nur noch fünfte, statt bisher dritte Kraft im Kreis.

Linke Zugelegt hat auch die Linke. Hochburgen im Landkreis sind Mering (5,5) und Merching (5,1).

FW Mit um die drei Prozent treten die Freien Wähler im Kreis bei Bundestagswahlen auf der Stelle.

Exoten Die einzig wahren Wahl-„Exoten“, die Tierschutzpartei, holte im Schnitt 0,9 Prozent.

MLPD Die Extrem-Marxisten legen im Wittelsbacher Land um 50 Prozent zu. Genau gezählt auf den ganzen Kreis hat die Marxistisch-Leninistische Partei (MLPD) bei dieser Wahl aber auch nur exakt 15 Stimmen bekommen – fünf mehr als vor vier Jahren.

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