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Die Diskussion um den Abbau von Badeinseln und Flößen ist absurd

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Kommentar Von Nicole Simüller
22.08.2019

Müssen die Badeinseln aus den Seen im Wittelsbacher Land entfernt werden, damit niemand die Gemeinden verklagen kann? Was für eine absurde Diskussion.

Den Leuten ihren Spaß lassen und Badeinseln und Flöße im See behalten? Oder alles abbauen oder verrammeln, weil sonst vielleicht jemandem etwas passiert und er am Ende die Gemeinde dafür haftbar macht? Darüber rätseln nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs derzeit viele Kommunen mit Badeseen in ihrem Gebiet.

Einerseits ist zu verstehen, dass sie kein Risiko eingehen wollen. Andererseits: Wo führt das hin, wenn eine Gesellschaft immer öfter Eigenverantwortung auf andere abwälzt und damit vor Gericht möglicherweise Recht bekommt? Wollen wir allen Ernstes alles aus dem Wasser haben, was unsere Badeseen ein klein wenig attraktiver macht, was den Freizeitwert im Ort steigert und Kindern die Sommerferien verkürzt? Dann können wir auch gleich die Toilettenanlagen zusperren, über die im Normalfall jeder froh ist – es könnte ja jemand darin ausrutschen und anschließend die Gemeinde verklagen, weil an einem Badesee niemals damit zu rechnen gewesen wäre, dass der Boden in der Toilette nass ist.

Keine Frage: Der Unfall des zwölfjährigen Mädchens, der Ausgangspunkt für das umstrittene Urteil war, ist fürchterlich. Natürlich stehen Gemeinden oder andere Betreiber von Bädern in der Pflicht, alles dafür zu tun, dass den Badegästen dort nichts passiert.

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Aber wenn wir jedes noch so kleine Lebensrisiko ausschließen wollen, weil sonst eine Klage droht, müssten wir gleich die ganzen Seen abriegeln. Und am besten die Zufahrtsstraßen gleich mit – wegen der gefährlichen Schlaglöcher.

Da hilft auch der Vorschlag des Bayerischen Gemeindetags nicht viel, der den Kommunen zu einem aufwendigen Sicherheitsgutachten rät, das für jede Badevorrichtung individuell angefertigt werden soll: so viel Papier, Zeit und Geld wird kaum eine Gemeinde aufbringen.

Die Diskussion ist leider ein Beispiel dafür, wie man das Kind mit dem Bade ausschüttet. Aus zweifellos guten Absichten entsteht bürokratischer Irrsinn.

Lesen Sie dazu den Artikel Müssen die Badeinseln jetzt aus dem Wasser?

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