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Affing

23.08.2019

Die Fällung von 72 Pappeln ruft Kritik hervor

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So klein sehen Menschen vor dem „landschaftsprägenden Bestandteil“, den Pappeln am Affinger Bach in Haunswies, aus. Im Flächennutzungsplan Affings sind die Pappeln am Affinger Bach als „bedeutsame Einzelbäume“ gekennzeichnet. Wer direkt vor den mächtigen Bäumen steht, versteht, warum. Nicht alle der 72 Bäume, die der Gemeinderat Affing mit nur einer Gegenstimme zum Abholzen freigegeben hat, sind so stark wie dieses Exemplar. Lena Bauer, Anna Lindermayr, Mona Baur und Michael Meidinger (von links) sind nicht die Einzigen, die sich für den Erhalt der Riesen einsetzen.
Bild: Martin Goling

Die geplante Entfernung der Bäume am Affinger Bach in Haunswies löst in Teilen der Bevölkerung Unverständnis aus. Warum der Gemeinde die Hände gebunden sind.

Wenn Bäume gefällt werden, sorgt das bei den Menschen nicht selten für Unmut und Widerspruch. So auch in Affing. In der Gemarkung Haunswies werden, voraussichtlich 72 Pappeln am Affinger Bach in Haunswies entfernt. Das stößt in Teilen der Bevölkerung auf Unverständnis. Auch in Leserbriefen an unsere Redaktion wurde die geplante Fällaktion kritisiert.

Die Pappeln stehen überwiegend auf Privatgrund, zum Teil aber auch auf gemeindlichen Flächen. Wie Bürgermeister Markus Winklhofer auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilte, wurden die Bäume in den 1970er Jahren auf Privatgrund gepflanzt – nahe an der Grenze zum Affinger Bach, der im Besitz der Gemeinde ist.

Affing: Keine Probleme mit der Verkehrssicherheit

Im Lauf der Jahre wuchsen die Bäume zum Teil auf den Gemeindegrund hinüber – wie viele genau, ist laut Winklhofer unklar und könnte nur über aufwendige Grenzfeststellungen geklärt werden.

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Der Bürgermeister erklärt: „Wir hatten keine Motivation, die Bäume umzuschneiden.“ Probleme mit der Verkehrssicherheit seien hier kein Thema, so Winklhofer. Dafür stünden die Bäume zu weit weg von Wegen oder Straßen. „Wir wären als Gemeinde nicht aktiv geworden, wenn wir nicht einen Antrag von privater Seite gekriegt hätten.“

Auch Rolf Banholzer, der als Förster unter anderem für die Gemeinde Affing zuständig ist, sagt: Aktuell könne er „keine eklatanten Gefahrenquellen ausmachen“. Er ergänzt jedoch: „Es kann passieren, dass immer mal Äste runterbrechen. Zukünftig wird es nicht einfacher werden.“ Winklhofer stimmt zu: Die Bäume würden alt und marode.

Da die Bäume auf Privatgrund stünden, sei es den Eigentümern belassen, sie zu fällen. Allerdings geht das in diesem Fall nicht ganz so einfach. Denn die Pappeln am Affinger Bach sind im Flächennutzungsplan der Gemeinde als „Einzelbäume mit besonderer Bedeutung“ vermerkt. Das hat Winklhofer selbst recherchiert. Bei einem Ortstermin mit der Unteren Naturschutzbehörde wurde daher schon vor Längerem festgelegt, dass „eine adäquate Ersatzpflanzung“ erfolgen muss.

Die Planung für diese Ersatzpflanzung gab der Gemeinderat in seiner Sitzung vom 6. August beim Landschaftsarchitektur-Büro Brugger in Auftrag (wir berichteten). Die Gemeinde kann die Fällung selbst weder genehmigen noch verbieten. Der Affinger Rathauschef dazu: „Wir können die Fällung nicht verhindern. Aber wir können uns im Rahmen unserer rechtlichen Möglichkeiten kümmern, dass ein Ersatz hergestellt wird.“ Was die Gemeinde tun konnte, habe sie getan.

Winklhofer ist die Sensibilität des Themas bewusst: „Bäume habe in der öffentlichen Wahrnehmung eine große Bedeutung.“ Dass die Ersatzpflanzung die geplanten Pappeln nicht 1:1 ersetzen könne, sei klar. „Aber unser Anliegen als Gemeinde ist, dass der Verlust der Bäume adäquat ausgeglichen wird.“

In der Gemeinderatssitzung war als Grund für die geplante Fällung beispielsweise auf hohle Stämme und dürre Äste verwiesen worden. In der Beschlussvorlage für den Gemeinderat hieß es beispielsweise: Auch wenn die Schäden vereinzelt noch nicht allzu gravierend seien, sei auf Grund der Einschätzung des Revierförsters eine komplette Fällung angemessen, da sich der Zustand der anderen Bäume in wenigen Jahren ebenfalls verschlechtern werde. In einer weiteren Passage heißt es: „Die Ersatzpflanzung wird ausschließlich auf Privatgrund und damit ohne Beteiligung der Gemeinde erfolgen.“ Das soll im Herbst dieses Jahres passieren.

Pappeln: In der Bevölkerung regt sich Protest gegen die Fäll-Aktion

In Teilen der Bevölkerung regt sich Protest gegen die Fäll-Aktion, seit die Pläne durch die Gemeinderatssitzung öffentlich bekannt wurden. Renate und Josef Moll schrieben in einem Leserbrief an unsere Redaktion: „Keine noch so großartige Ersatzpflanzung kann die Leistung dieser grünen Lunge in den nächsten Jahrzehnten auch nur annähernd ersetzen. Ein Baum produziert circa 10000 Liter Sauerstoff pro Tag, genug für zehn Menschen.“

Auf Nachfrage betont Josef Moll, Kreistagsmitglied (ÖDP) und stellvertretender Vorsitzender der Ortsgruppe Lechrain des Bunds Naturschutz, wie schon Bürgermeister Winklhofer, dass die Verkehrssicherheit durch die Bäume nicht beeinträchtigt werde. Sie seien 100 Meter von einem Weg entfernt. Zwei Drittel der Pappeln stünden neben einem Fischweiher; dort sei zu wenig Platz, um neue Pflanzen einzusetzen.

Von den Zuschauerrängen aus verfolgte Günter Vonay die Gemeinderatssitzung: „Da habe ich zum ersten Mal davon erfahren.“ Das Vorhaben nennt er gegenüber unserer Redaktion „katastrophal“ und sagt zur Begründung: „Wir gehen fast jeden Tag an den Bäumen vorbei. Ich kann absolut nicht verstehen, warum die Bäume gefällt werden sollen.“ Das sei „ein Unding in unserer Zeit“.

Er fürchtet, die neuen Pflanzen auf Privatgrund würden nicht gepflegt: „Und nach zwei Jahren könnte man das Ganze als Gestrüpp einstufen.“ Das würde möglicherweise das Ende dieser jungen Bäume bedeuten. (mit nsi)

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