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26.09.2012

„Die Leute wollen Dialekt“

Wenn zwei Welten aufeinandertreffen, wie im Film „Sommer in Orange“, sorgt das für Heiterkeit. Regisseur Markus H. Rosenmüller, der auch schon im Wittelsbacher Land gedreht hat, machte den baierischen Dialekt im Kino salonfähig.
Bild: Majestic / oh

In der Schule wird sie gefördert, in Deutschland ist sie eine Marke: die Mundart.

Meistens sind es die Norddeutschen, die sagen: „Reden sie ruhig. Uns gefällt das. Wir melden uns schon, wenn wir sie nicht verstehen.“ Diese Bitte hört Brigitte Neumaier, Kastellanin des Sisi-Schlosses, häufig bei Führungen durch die Ausstellung. Immer geht es um das eine: ihren Dialekt.

Für heute hat der Europarat den europäischen Tag der Sprachen ausgerufen. Im Wittelsbacher Land haben wir daher gefragt: Wie steht es um die Mundart?

Besucher aus dem Norden freuen sich über Vorträge in Mundart, erzählt Neumaier: „Die sind in Bayern, dann wollen sie auch Bayerisch hören. Die Leute wollen Dialekt.“ Allerdings gebe sie dann trotzdem nur eine schwächere Form ihrer Mundart zum Besten. Anders sei das bei Gruppen aus dem Freistaat: „Da rede ich dann, wie mir der Schnabel gewachsen ist.“

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Das wird inzwischen auch in der Schule gefördert. Dort hat sich seit den 60er Jahren, als die Mundart noch verpönt war, viel getan. So lädt die Grundschule Schiltberg inzwischen bayerisch sprechende Autoren für Lesungen ein und arbeitet im Unterricht mit Mundartgedichten. Rektorin Adelheid Konrad erklärt: „Wir lassen die Kinder Dialekt sprechen, wie sie wollen. Der mündliche Ausdruck ist sehr lebendig.“ Nur in der Schriftsprache werde darauf geachtet, dass die Schüler Hochdeutsch schreiben.

Siegfried Bradl, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte im Raum Dachau-Altomünster erklärt, die Mundart sei nur hinderlich, wenn sich zwei nicht verstünden, wie bei einer Fremdsprache. Er betont: „Es ist wichtig, dass man den Dialekt mit dem automatischen Umschalten verbindet. Ich spreche mit Aichachern Dialekt, mit Bayern Bayerisch und mit Norddeutschen eingefärbtes Hochdeutsch.“ Es gebe keinen Grund, keinen Dialekt zu sprechen, sagt Bradl: Zum einen sei es eine gute Voraussetzung um eine Fremdsprache zu lernen, weil Kinder fast zweisprachig aufwüchsen, zum anderen sei der Dialekt das Unmittelbarste, das den Sprecher mit der Heimat verbindet.

Letztendlich haben Bayern meist keine andere Wahl, als ihre Sprachfarbe zu akzeptieren, betont Neumaier: „Wenn ein Bayer hochdeutsch spricht, weiß man trotzdem dass er Bayer ist.“

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