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Pöttmes-Schorn

12.07.2010

Die Musik beflügelt die Fantasie

Das zwölfköpfige schwäbische Instrumentalensemble spielte unter Leitung von Christian Pyhrr.
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Das zwölfköpfige schwäbische Instrumentalensemble spielte unter Leitung von Christian Pyhrr.

Es war alles ein bisschen anders, als es Opernfreunde sonst bei Vorstellungen gewohnt sind. So einzigartig wie das Ambiente im Schorner Stadl war aber auch die Aufführung von Engelbert Humperdincks Oper "Hänsel und Gretel". Von Gerlinde Drexler

Pöttmes-Schorn. Es war alles ein bisschen anders, als es Opernfreunde sonst bei Vorstellungen gewohnt sind. So einzigartig wie das Ambiente im Schorner Stadl war aber auch die Aufführung von Engelbert Humperdincks Oper "Hänsel und Gretel". "Das war erste Sahne", lobte am Ende die Hausherrin, Ludwiga Freifrau von Herman Freiin von Korff, die Leistung der Solisten und des Schwäbischen Instrumentalensembles.

Auf Requisiten war ganz bewusst verzichtet worden. Nur ein paar Reisigbesen, eine Anspielung auf den Besenbinderberuf von Hänsels Vater, lagen auf der von vielen freiwilligen Helfern aufgestellten Bühne. Ein Baumstamm diente, je nach Szene, als Garderobenhalter oder symbolisierte den Wald. "Wir haben auf Dekoration und Beleuchtung verzichtet, dafür spielen wir wie im richtigen Theater", sagte Christian Pyhrr, der die musikalische Leitung innehatte. Entsprechend gab es natürlich auch kein Knusperhäuschen und keinen Backofen auf der Bühne. Stattdessen war die Fantasie der rund 350 Zuschauer gefragt. "Die Musik hilft ihnen dabei, ihre Fantasie zu beflügeln", war sich der Dirigent sicher.

Die im Rahmen der Mozartiade aufgeführte Inszenierung selbst unterschied sich ebenfalls von den üblichen Aufführungen in einem normalen Theater. Nicht nur, weil sie in einem 100 Jahre alten Stadl, der extra dafür freigeräumt worden war, stattfand. "Ein einzigartiges Ambiente", fand Pyhrr, der die Atmosphäre und vor allem die gute Akustik des Stadls noch vom vergangenen Jahr her kannte, wo er Haydns "Schöpfung" aufgeführt hatte. Für "Hänsel und Gretel" hatte der Dirigent auf das musikalische Arrangement von Alexander Krampe aus München zurückgegriffen. Dessen Fassung sah statt eines großen Orchesters ein zwölfköpfiges Instrumentalensemble vor.

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Eine minimalistisch ausgestattete Bühne also, auf der neben den Musikern die Solisten voll zur Geltung kamen. Als vorlauter Lausbub Hänsel brillierte die Mezzosopranistin Nathalie Mittelbach. Eine gefragte Konzertsängerin, die auch schon am Parktheater in Göggingen in mehreren Rollen zu hören war.

Gefragte Konzertsängerinnen mit von der Partei

Genau wie Isabel Blechschmidt (Sopran), die als schlaue Gretel der Hexe am Ende den Garaus machte. Die Hexe wiederum sang Tenor Richard Resch. Ein Kunstgriff, damit bestimmte Passagen so schrill und grell, wie vom Komponisten gewollt, gesungen werden konnten. Resch erhielt seine musikalische Ausbildung bei den Regensburger Domspatzen und trat bereits auf zahlreichen Opernbühnen auf.

Die Sopranistin Jasmin Hörner, die als Sand- und Taumännchen auftrat, ist mehrfache Preisträgerin im Bundeswettbewerb von Jugend musiziert und debütierte 2009 am Augsburger Theater. Bereits im Alter von sechs Jahren sammelte Philipp Gaiser (Bariton, der Vater von Hänsel und Gretel) beim Tölzer Knabenchor erste Bühnenerfahrung und sang bei Produktionen der Kammeroper München. In langjährigen Engagements am Gärtnerplatztheater München und dem Augsburger Theater sang Liat Himmelheber (Mutter) fast alle großen Partien des lyrischen Mezzo-Fachs.

Anmutige Engel wachen über die schlafenden Kinder

Eine hochkarätige Besetzung also, die noch von den 14 Balletttänzerinnen des Augsburger DanceCenter No1 verstärkt wurde. Anmutig tanzten sie als Engel um die schlafenden Kinder im Wald und hatten zusammen mit Natalie Böck und Istvan Nemeth den Tanz der Lebkuchenkinder einstudiert.

Alles in allem eine Aufführung, die die Zuschauer, die teilweise auch aus Augsburg gekommen waren, begeisterte. Dass das Konzept, überregionale Kultur in die Marktgemeinde zu bringen, ankam, zeigte schon die große Zahl der Besucher. "Wir sind nur eine Ecke in Schwaben, aber wir sind da und kommen", freute sich die Pöttmeser Kulturreferentin von Hermann über den Erfolg. "Vielleicht fällt uns ja etwas Neues ein, was wir machen können", kündigte sie an.

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