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Soziales

11.04.2019

Die Not in der Pflege ist auch in Aichach ein Thema

Kab Podiumsdiskussion Aichach Pflege
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Unter dem Motto Gefährdung der Pflege?! - Gefährdung durch Pflege?!diskutierten der Fachbereichsleiter für Pflege der AOK Augsburg, Michael Wiebach, die Personalratsvorsitzende der Kliniken an der Paar, Sandra Hauptmann, Moderator Thomas Deuter, der Pflegedirektor der Kliniken an der Paar, Kai Brooksnieder, und die KAB-Referentin für den Fachbereich Soziale Berufe, Susanne Hirschberger von links.
Bild: Andreas Dengler

Bei einer Veranstaltung der KAB in Aichach sind sich alle einig: So kann es nicht mehr weiter gehen. Fest steht aber auch: Mit Geld allein lässt sich das Problem nicht lösen. Vielen hoffen nun auf ein Volksbegehren.

Wie steht es um die Kranken- und Altenpflege? Und wie soll sie in Zukunft aussehen? Diesen Themen widmete sich eine Diskussionsrunde mit dem provokanten Titel „Gefährdung der Pflege?! – Gefährdung durch Pflege?!“. Der Aichacher Ortsverband der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) hatte dazu gemeinsam mit dem KAB-Kreisverband Donau-Paar ins Pfarrzentrum St. Michael eingeladen. Dort wurden der Fachkräftemangel, die Nachwuchsproblematik, die Digitalisierung und das laufende Volksbegehren zum Pflegenotstand thematisiert. Aber auch ganz private Geschichten und Vorschläge wurden angesprochen.

Zu den Gästen zählten die KAB-Referentin für Soziale Berufe, Susanne Hirschberger, die Personalratsvorsitzende der Kliniken an der Paar, Sandra Hauptmann, der Pflegedirektor der Kliniken an der Paar, Kai Brooksnieder, und der Fachbereichsleiter für Pflege der AOK Augsburg, Michael Wiebach. Die Moderation übernahm der Journalist Thomas Deuter. Dieser eröffnete die Runde mit der Frage: „Was verstehen Sie unter Pflege?“ Und schnell wurde deutlich, dass das Thema jeden betrifft. Zu Wort kamen aber nicht nur die Fachleute, sondern auch das Publikum.

Eine junge Pflegekraft aus Aichach erzählt, wie es ihr geht

Knapp 60 Zuhörer waren der Einladung gefolgt, darunter Fachkräfte von Pflegeeinrichtungen in der Region und pflegende Angehörige. Unter ihnen war eine Frau, die zwei Familienangehörige pflegt. Sie berichtete, dass sie vor der Veranstaltung zuerst ihre Tante und ihre Schwiegermutter versorgen musste. Beide Frauen sind bereits weit über 80 Jahre alt und leiden an Demenz. „Pflege, Familie und Beruf unter einen Hut zu kriegen, ist nicht leicht“, sagte die Betroffene.

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Auch eine junge Pflegekraft vom Krankenhaus Aichach meldete sich zu Wort. Mit 27 Jugendlichen habe sie damals ihre Ausbildung begonnen. Heute seien nur noch sechs von ihnen in dem Bereich tätig, berichtete die junge Frau und ergänzte: „Ich glaube nicht, dass ich den Beruf bis zur Rente aushalte.“ Beide Frauen erhielten Applaus für ihre offenen Worte.

Wegen dieser Probleme ist nun das Volksbegehren „Stoppt den Pflegenotstand an Bayerns Krankenhäusern“ geplant. Dazu wurden Anfang März über 102000 Unterschriften ans Innenministerium in München überreicht. Es hat zum Ziel, die Pflegesituation an den bayerischen Krankenhäusern zu verbessern. Die Sozialberufe sollen attraktiver gemacht werden. Das soll auch mit einem besseren Personal-Patienten-Schlüssel geregelt werden, also wie viele Patienten ein Pfleger gleichzeitig zu betreuen hat.

Eine Pflegekraft ist für zu viele Patienten zuständig

Dieser Schlüssel war auch ein zentrales Thema in Aichach. In Deutschland ist eine Pflegekraft für bis zu zwölf Patienten zuständig – viel mehr als im Vergleich zu anderen Industrienationen. Das könne nicht länger hingenommen werden: Da waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig. Alle vier Referenten gaben sich als Unterstützer des Begehrens zu erkennen.

Derzeit überprüft das Innenministerium den Antrag. Spätestens Ende April sollen die Ergebnisse bekannt gegeben werden. Im Juli 2018 wurde das Begehren von sieben Initiatoren ins Leben gerufen. Inzwischen hat es sich zu einem Bündnis aus Politikern, Pflegepersonal, Juristen und Ärzten entwickelt. Unterstützt wird es von zahlreichen Organisationen, Verbänden und Parteien, darunter die KAB. KAB-Pflegereferentin Hirschberger bat eindringlich darum, dass sich möglichst viele Menschen an dem Begehren beteiligen, sollte es so weit kommen. Sie betonte: „Wir dürfen uns nicht auf den Stimmen aus der ersten Runde ausruhen.“

In der Diskussion wurde deutlich, dass mehr Geld die Situation zwar entlasten würde, aber auch die gesellschaftliche Wertschätzung für die Sozialberufe wichtig ist. Stadtpfarrer Herbert Gugler betonte: „Es hat auch immer etwas mit Berufung zu tun.“ Geld allein reiche da nicht aus, um mehr Personal zu gewinnen, sagte der Seelsorger.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar Anerkennung kostet kein Geld

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